#FreeFortnite: Apple und Google schmeißen Fortnite aus ihren Stores

Fabian Vecellio del Monego 1.136 Kommentare
#FreeFortnite: Apple und Google schmeißen Fortnite aus ihren Stores
Bild: Epic Games

Am Donnerstag implementierte Epic Games per Update die Möglichkeit, aus Fortnites iOS- und Android-App heraus In-App-Käufe an Apple respektive Google vorbei zu tätigen. Damit provozierte der Entwickler die Verbannung des populären Battle-Royale-Shooters aus den beiden Stores. Dem prompten Rauswurf folgen Klage und Kampagne.

Bekanntes Thema, neuer Konflikt

Apple und Google verdienen an Käufen in ihren eigenen App Stores 30 Prozent Provision. Diese Gebühr fällt auch an, wenn Nutzer In-App-Käufe tätigen. Und genau das stört nicht nur Epic-Games-CEO Tim Sweeny bereits seit langem. Seine bekannte Aversion gegen Steam hegt Sweeny aus dem gleichen Grund. Die Plattform-Anbieter erhielten einen ungerecht hohen Anteil der Wertschöpfung anderer, sprich der Spiele-Entwickler. Epic Games verlangt im eigenen Store lediglich 12 Prozent Provision, auf Mobilgeräten sind Apps aber nach wie vor wesentlich von den großen Stores der Betriebssystem-Anbieter abhängig.

Und eben diese sehen in ihren Richtlinien vor, dass ein Umgehen der Gebühr in App Store und Play Store mit einer Sperre der jeweiligen App geahndet wird. Genau das hat Epic Games nun provoziert, indem In-App-Käufe seit Donnerstag direkt über Epic Games abgewickelt wurden. Kommuniziert wurde der Schritt als Preissenkung zum Vorteil der Spieler; nun sieht der Entwickler sich und die Fortnite-Spieler als Opfer und versucht die weltweite Bekanntheit des Spiels für eine Kampagne zu nutzen – inklusive vorab produziertem Video, das Stil und Botschaft des von Apple im Jahr 1984 veröffentlichten Mac-Werbevideos kopiert.

Die Sperrung wurde bewusst provoziert

Dass Epic Games’ Vorgehen von langer Hand geplant war, ist nicht nur am Video zu erkennen, sondern auch an der bereits gegen Apple eingereichten und veröffentlichen Klageschrift. Abseits des Rechtsweges ruft der Entwickler Fortnite-Spieler unter dem Hashtag „FreeFortnite“ offensiv zur Rebellion auf: Apple hindere Spieler am Spielen und zwinge Epic Games, den Kunden mehr Geld abzuknöpfen, so der Wortlaut des Blogbeitrages. In einem animierten Kurzfilm stichelt Epic Games pathetisch im Flair von George Orwells 1984 gegen Apple.

Apple has blocked Fortnite from the App Store, removing everyone’s ability to install and update the game on iOS devices, while instructing Epic to „remove the ‚Epic direct payment’ feature”. Apple is keeping prices high so they can collect 30% of your payments, and is blocking Fortnite in order to prevent Epic from passing on the savings from direct payments to you!

Because Apple has BLOCKED your ability to update, when Fortnite Chapter 2 - Season 4 releases you will NOT be able to play the new Season on iOS. [...] All players should have a choice in payment providers and save up to 20%. Apple wants to limit your payment choices! Join the fight against @AppStore on social with #FreeFortnite.

Epic has taken legal action to end Apple’s anti-competitive restrictions on mobile device marketplaces.

Epic Games

Apple schließt Sonderregelung aus

In einer Erklärung gegenüber The Verge verkündete Apple, mit Epic zusammenarbeiten zu wollen, um die „unglücklichen“ Regelverstöße aus der Welt zu räumen. Einen Kompromiss in Form einer geringeren Provision schließe das Unternehmen jedoch kategorisch aus. Darüber hinaus weist Apple darauf hin, dass Epic Games die für alle App-Anbieter gleichen Regeln zuvor freiwillig akzeptiert und auch von den zahlreichen bereitgestellten Services profitiert haben.

Today, Epic Games took the unfortunate step of violating the App Store guidelines that are applied equally to every developer and designed to keep the store safe for our users. As a result their Fortnite app has been removed from the store. Epic enabled a feature in its app which was not reviewed or approved by Apple, and they did so with the express intent of violating the App Store guidelines regarding in-app payments that apply to every developer who sells digital goods or services.

Epic has [...] benefited from the App Store ecosystem - including its tools, testing, and distribution that Apple provides to all developers. Epic agreed to the App Store terms and guidelines freely and we’re glad they’ve built such a successful business on the App Store. The fact that their business interests now lead them to push for a special arrangement does not change the fact that these guidelines create a level playing field for all developers and make the store safe for all users. We will make every effort to work with Epic to resolve these violations so they can return Fortnite to the App Store.

Apple

Wann und ob Fortnite wieder in App Store und Play Store erscheinen wird, ist derzeit nicht absehbar – die verhärteten Fronten lassen allerdings keine schnelle Einigung vermuten. Nutzer, die Fortnite bereits auf einem iOS- oder Android-Gerät installiert haben, können die App weiterhin nutzen, erhalten aber keine Updates. Epic Games gibt zu verstehen, dass der Zugriff auf Version 13.40 erhalten bleibe, der Zugriff auf neue Inhalte indes verwehrt sei. Android-Nutzern bleibt zudem die Möglichkeit, Fortnite über alternative Stores zu beziehen.

Update 18.08.2020 13:20 Uhr

Vier Tage nach dem Ausbruch des Konfliktes zwischen Apple und Goolge auf der einen und Epic Games auf der anderen Seite bleiben die Fronten verhärtet. Apple ließ gegenüber The Verge erneut verlauten, für Epic keine Ausnahme von den App-Store-Regeln machen zu wollen, die App bleibt damit solange gesperrt, wie sie In-App-Käufe an Apple vorbei möglich macht. Mehr noch: Apple betont, Epic gerne im App-Store-Entwickler-Programm halten zu wollen, was als Drohung, Epic aus dem Programm zu werfen, verstanden werden darf.

Auf der anderen Seite berichtet The Information davon, dass Epic die vergangenen Tage versucht haben soll, weitere große Anbieter von Apps in den Stores von Apple und Google für die eigene Sache zu gewinnen. Neben weiteren Spiele-Publishern sollen darunter auch Spotify und Sonos gewesen sein.