iPhone 12 und iPhone 12 Pro im Test: Der ärgste Konkurrent ist Apple selbst

Nicolas La Rocco 437 Kommentare
iPhone 12 und iPhone 12 Pro im Test: Der ärgste Konkurrent ist Apple selbst

tl;dr: Neues Design, neuer Prozessor, neue Kameras und neuer Mobilfunkstandard. iPhone 12 und iPhone 12 Pro bringen Veränderungen in zahlreichen Bereichen mit, die Apples neue Smartphones zu einem überzeugenden Upgrade machen. Den größeren Sprung macht das iPhone 12, das für die meisten mehr als adäquat sein dürfte.

Verfügbarkeit und Preis

Diesen Herbst geht Apple mit gleich vier neuen Smartphones an den Start. Von klein nach groß und Ausstattung sortiert sind das iPhone 12 mini, iPhone 12, iPhone 12 Pro und iPhone 12 Pro Max. Zwei der vier Geräte sind seit dem 23. Oktober in Deutschland verfügbar und werden in diesem Test behandelt: iPhone 12 und iPhone 12 Pro. Das iPhone 12 mini und das iPhone 12 Pro Max sind für den 13. November geplant.

Modelle und Farben in der Übersicht

Modell Farben Speicher Preis Vorbestellungen Verfügbarkeit
iPhone 12 mini Schwarz, Blau, Grün, Rot, Weiß 64 GB 778,85 € 6. November 13. November
128 GB 827,55 €
256 GB 944,55 €
iPhone 12 64 GB 876,30 € 16. Oktober 23. Oktober
128 GB 925,05 €
256 GB 1.042,05 €
iPhone 12 Pro Blau, Graphit, Gold, Silber 128 GB 1.120,00 €
256 GB 1.237,00 €
512 GB 1.461,20 €
iPhone 12 Pro Max 128 GB 1.217,15 € 6. November 13. November
256 GB 1.334,45 €
512 GB 1.558,65 €
iPhone 12 mini, iPhone 12, iPhone 12 Pro, iPhone 12 Pro Max im Vergleich
iPhone 12 mini, iPhone 12, iPhone 12 Pro, iPhone 12 Pro Max im Vergleich (Bild: Apple)

Technische Daten im Überblick

Apple iPhone 12
Apple iPhone 12 Pro
Software:
(bei Erscheinen)
iOS 14
Display: 6,10 Zoll
1.170 × 2.532, 457 ppi
OLED, HDR, Ceramic Shield
Bedienung: Touch, Gesichtsscanner
SoC: Apple A14 Bionic
2 × Firestorm, 3,00 GHz
4 × Icestorm, 1,82 GHz
5 nm, 64-Bit
GPU: Apple Quad-Core
RAM: 4.096 MB
LPDDR4X
6.144 MB
LPDDR4X
Speicher: 64 / 128 / 256 GB 128 / 256 / 512 GB
1. Kamera: 12,0 MP, 2160p
Quad-LED, f/1,6, AF, OIS
2. Kamera: 12,0 MP, f/2,4, AF 12,0 MP, f/2,0, AF, OIS
3. Kamera: Nein 12,0 MP, f/2,4, AF
4. Kamera: Nein
5. Kamera: Nein
1. Frontkamera: 12,0 MP, 2160p
Display-Blitz, f/2,2
2. Frontkamera: Nein
GSM: GPRS + EDGE
UMTS: DC-HSPA
↓42,2 ↑5,76 Mbit/s
LTE: Advanced Pro
↓2.000
5G: NSA/SA
WLAN: 802.11 a/b/g/n/ac/ax
Bluetooth: 5.0
Ortung: A-GPS, GLONASS, BeiDou, Galileo, QZSS
Weitere Standards: Lightning, NFC
SIM-Karte: Nano-SIM, Dual-SIM
Akku: 2.815 mAh (10,78 Wh)
fest verbaut, kabelloses Laden
Größe (B×H×T): 71,5 × 146,7 × 7,40 mm
Schutzart: IP68
Gewicht: 162 g 187 g
Preis: ab 849 € / ab 900 € / ab 999 € ab 1.120 € / ab 1.237 € / ab 1.460 €

Neues Design bringt ein bisschen iPhone-5-Feeling zurück

Fotos, die das iPhone 12 nur von vorne zeigen, vermitteln ein etwas verfälschtes Bild vom neuen Design des Smartphones, da der Blick unvermeidlich zuerst und einzig auf das Display fällt, das mit der oberen Aussparung für Face ID und die Frontkamera zunächst einmal sehr viele Ähnlichkeiten zum iPhone X von vor drei Jahren und dessen Nachfolgern aufweist. Bei genauerer Betrachtung und vor allem im Direktvergleich zum iPhone 11 mit LC-Display fällt aber der leicht reduzierte schwarze Rahmen auf.

Deutlich größer sind die Unterschiede, wenn das iPhone 12 das erste Mal von der Seite betrachtet wird. Wo bisher ein abgerundeter Rahmen aus Aluminium oder Edelstahl die internen Komponenten sowie Glaselemente von Vorder- und Rückseite aufnahm, verläuft nun wieder ein im rechten Winkel zum Display verlaufendes Band um das Smartphone – ganz so wie einst beim iPhone 4 und noch deutlicher beim iPhone 5. Das Glas der Vorder- und Rückseite ist nicht auf diesen Rahmen aufgesetzt, sondern sitzt vertieft darin, sodass es vollständig plan zum Gehäuse abschließt.

Matt und Hochglanz im Gegenspiel

Das iPhone 12 fertigt Apple aus Aluminium, das iPhone 12 Pro wieder aus Edelstahl. Das unterschiedliche Material macht sich in zwei Punkten bemerkbar: Oberflächenbeschaffenheit und Gewicht. Um das iPhone 12 verläuft immer mattes, sandgestrahltes Aluminium, während sich das iPhone 12 Pro mit einer Hochglanzpolitur präsentiert. Hochglanz zieht Fingerabdrücke etwas stärker an, für die das iPhone 12 in diesem Bereich nicht anfällig ist. Dafür sieht es auf der Rückseite genau umgekehrt aus: Das iPhone 12 Pro nutzt mattes Glas, beim iPhone 12 glänzt es. Detailverliebte werden am iPhone 12 zudem eher das CE-Logo unten rechts im Rahmen entdecken, beim iPhone 12 Pro kaschiert es die Hochglanzoptik besser.

Das Gewicht fällt, die Ergonomie steigt

Punkt 2 betrifft das Gewicht, denn obwohl iPhone 12 und iPhone 12 Pro mit 71,5 × 146,7 × 7,4 mm (B × H × T) exakt gleich groß sind und dadurch sogar die offiziellen Hüllen von Apple nur in einer Größe für beide Geräte verkauft werden, bringt das iPhone 12 Pro 25 g mehr auf die Waage. Der Wechsel von Aluminium zu Edelstahl ist dafür natürlich nicht alleine verantwortlich, da die dritte Kamera und der LiDAR-Sensor ebenfalls ein gewisses Gewicht mitbringen. Bevor also das iPhone 12 mini auf den Markt kommt, ist vorerst das iPhone 12 das leichteste und kleinste aktuelle iPhone.

In puncto Ergonomie ist das iPhone 12 gegenüber dem iPhone 11 ein klarer Schritt nach vorne, da es ohne Einbußen beim Display spürbar kompakter und leichter geworden ist. Das iPhone 12 Pro wiegt hingegen so viel wie der Vorgänger, ist aber marginal höher und zugleich dünner geworden. Ob sich nun das alte oder neue Design nach mehr in der Hand anfühlt, ist aufgrund der anderen Bauweise nicht ganz so einfach zu sagen, denn die Geräte sind allesamt spürbar dünner geworden, was eine gewisse Leichtigkeit vermittelt. Das geradlinige Design und der Kontakt mit den seitlichen Kanten zum Display und zur Rückseite hinterlassen in der Hand aber einen präsenten, bleibenden Eindruck.

IP68-Zertifizierung für bis zu 6 m

Wer nach neuen Anschlüssen oder Tasten am iPhone 12 sucht, sucht vergebens, da das Layout eins zu eins vom iPhone 11 übernommen wurde. Die IP68-Zertifizierung ist ebenfalls wieder mit dabei, nun darf das Smartphones aber für bis zu 30 Minuten in bis zu 6 statt 4 m Tiefe eingetaucht werden. Weiterhin zum Design zählt ebenso der praktische Schalter, um schnell in den Stummmodus wechseln zu können. Dasselbe gilt für den Lightning-Anschluss zentral am unteren Ende, der nicht etwa durch USB Typ C ersetzt wurde, wie es zuletzt beim iPad Air vollzogen wurde.

MagSafe für 15 Watt kabellos und neues Zubehör

Dass das iPhone eines Tages doch noch zu USB Typ C wechseln wird, ist angesichts der Wiedereinführung von MagSafe eher unwahrscheinlich. Früher am MacBook verbaut, kehrt MagSafe beim iPhone 12 zum einen als eigenständige Ladetechnik und zum anderen als Magnetsystem für die Befestigung von Zubehör zurück. Apples neue Hüllen sind damit ebenso ausgestattet, sodass sie zusätzlich mit einer leichten Magnetisierung in Position gehalten werden. Die Magnete des neuen MagSafe-Ladegerätes sind deutlich stärker und bringen Ladegerät und Ladespule im Smartphone exakt auf eine Linie, um so das kabellose Laden mit bis zu 15 Watt zu ermöglichen.

Die 15 Watt erreicht MagSafe jedoch nur mit Apples neuem 20-Watt-Netzteil mit USB Typ C, das auch dem neuen iPad Air beiliegt. Mit dem 18-Watt-Netzteil des iPhone 11 Pro (Max) sind es maximal 13 Watt, wie Zollotech herausgefunden hat. Selbst Apples bis zu 96 Watt starkes MacBook-Netzteil oder Netzteile von Drittanbietern kommen nicht über 10 Watt hinaus. Mit herkömmlichen Qi-Ladegeräten bleibt das iPhone 12 aber kompatibel, dann jedoch mit den bekannten 7,5 Watt.

Neben neuen Hüllen schafft MagSafe die Option für andockbares Zubehör, darunter ein neues Karten-Etui, in dem sich beispielsweise Karten unterbringen lassen, die noch nicht digital in der Apple Wallet hinterlegt werden können.

MagSafe-Ladegerät ist zu Smartphones und Hüllen kompatibel
MagSafe-Ladegerät ist zu Smartphones und Hüllen kompatibel

Auch wenn es von Apple dazu keine offizielle Aussage gibt, ist MagSafe durchaus als Nachfolger von Lightning bei einem kommenden iPhone ohne Anschlüsse denkbar. Nach der Kopfhörerbuchse, die mit Bluetooth-Kopfhörern ersetzt wurde, könnte MagSafe im iPhone 12 das Ende von Lightning in einem der nächsten iPhones bedeuten. Denn mit MagSafe gibt es eine neue Art kabelgebundener Verbindung, da die Magnete dafür sorgen, dass das iPhone weiterhin verwendet werden kann, auch wenn es kabellos geladen wird. Das führt im Umkehrschluss aber auch dazu, dass man das MagSafe-Ladegerät stets kurz festhalten muss, um das iPhone abzunehmen. Stark genug, um MagSafe im Auto als Smartphone-Halterung zu verwenden, sind die Magnete allerdings bei weitem nicht.

OLED-Displays für alle iPhone-12-Modelle

Die vor allem beim iPhone 12 reduzierten Abmessungen sind dem Wechsel von einem LCD- zu einem OLED-Panel zu verdanken. Mit der iPhone-12-Familie sind erstmals alle aktuellen Apple-Smartphones mit OLED-Bildschirmen ausgestattet, die keine Hintergrundbeleuchtung benötigen, dadurch kompakter in der Tiefe bauen, aber auch reduzierte Ränder rundherum ermöglichen. Zwischen iPhone 12 und iPhone 12 Pro herrscht damit erstmals beinahe so etwas wie Parität. Beinahe deshalb, weil sich Apple für die beiden Pro-Modelle in manchen Situationen eine höhere maximale Bildschirmhelligkeit vorbehält. Wird die Helligkeit manuell im Kontrollzentrum oder über den Lichtsensor reguliert, soll das iPhone 12 laut Apple auf 625 cd/m² kommen, das iPhone 12 Pro hingegen auf 800 cd/m².

Gleich große OLED-Displays mit jeweils 6,1 Zoll
Gleich große OLED-Displays mit jeweils 6,1 Zoll

Das iPhone 12 Pro leuchtet heller

Eigene Messungen mit den Panels haben ergeben, dass das iPhone 12 bis zu 653 cd/m² schafft, das iPhone 12 Pro hingegen 842 cd/m². Apple verzichtet auf eine Helligkeitssteuerung, die vom „Average Picture Level“, also dem Weißanteil auf dem Panel, beeinflusst wird. Ob der Bildschirm nur 10 Prozent Weiß und ansonsten nur Schwarz darstellt, führt zu denselben Ergebnissen wie ein vollständig weißer Bildschirm – vorbildlich. Es macht zudem keinerlei Unterschied, ob man als Nutzer manuell die volle Helligkeit abruft oder diese über den Lichtsensor regulieren lässt. Wer die maximale Helligkeit haben möchte, kann diese jederzeit manuell einstellen.

Einzig die nochmals höhere Helligkeit für die Wiedergabe von HDR-Inhalten kann nur das Betriebssystem selbst freischalten, sobald entsprechende Videos abgespielt werden. Dann erreichen die Bildschirme von iPhone 12 und iPhone 12 Pro diesmal beide bis zu 1.200 cd/m² in der Spitze. Warum Apple im Normalbetrieb eines der Displays auf 625 cd/m² beschränkt und das andere mit bis zu 800 cd/m² spezifiziert, ist abgesehen von der Unterscheidung zwischen Non-Pro und Pro nicht bekannt.

Von dieser Anpassung abgesehen, zählen die OLED-Bildschirme zu den Besten am Markt, da sie aus allen Blickwinkeln eine sehr gute Ablesbarkeit ermöglichen und mit einer sehr ausgewogenen Farbabstimmung sowie guter Kalibrierung ab Werk überzeugen. Apple stellt alle Vorteile eines OLED-Panels zur Schau, ohne dabei typische Nachteile mit in das Produkt zu bringen. Die Farben sind nicht übersättigt und der Weißpunkt fällt atypisch für OLED nahe am Optimum aus.

ProMotion mit 120 Hz bleibt iPad-Pro-exklusiv

Einen Kritikpunkt muss sich Apple jedoch durchaus gefallen lassen, vor allem beim iPhone 12 Pro: den Verzicht auf eine höhere Bildwiederholrate. Beide Geräte bleiben bei den 60 Hz der vorherigen Generation, sodass weiterhin einzig das iPad Pro mit der ProMotion-Technologie ausgestattet ist, die je nach Inhalt bis zu 120 Hz ermöglicht. Im Vergleich zu manchem Android-Flaggschiff mit 120-Hz-OLED wirken die neuen iPhones etwa beim Scrollen über Websites und durch lange Listen im App Store nicht ganz so geschmeidig. Leistung durch den A14 Bionic wäre bei den iPhone 12 eigentlich in Hülle und Fülle für einen 120-Hz-Modus vorhanden, vermutlich wollte Apple angesichts der erstmaligen 5G-Unterstützung aber keinen weiteren potenziell hohen Energieverbraucher integrieren.

Ceramic Shield soll besser vor Stürzen schützen

Neu ist dafür das verwendete Deckglas von iPhone 12 und iPhone 12 Pro, das gemeinsam mit den Glasspezialisten von Corning entwickelt wurde. „Ceramic Shield“ ist ein Verbundstoff aus Glas und Keramik, der zu einer viermal besseren Sturz­festigkeit im Direktvergleich zum iPhone 11 führen soll. Aus welcher Höhe, mit welchem Aufprallwinkel und allgemein unter welchen Konditionen das Ergebnis entstanden ist, lässt sich nicht nachvollziehen. Einen „Droptest“, also das bewusste Fallenlassen des Smartphones, wollte die Redaktion mit den Leihgeräten nicht durchführen.

Face ID und Stereo-Lautsprecher bleiben bekannt gut

Das Deckglas schließt im oberen Bereich des iPhone 12 erneut mit einer vergleichsweise breiten Notch ab, in der Apple allerhand Sensoren für Face ID und die Frontkamera unterbringt. Face ID ist auf dem iPhone 12 mit zwei Scans des Gesichts eingerichtet und arbeitet danach so schnell und zuverlässig wie zuvor. Veränderungen an der Geschwindigkeit des Entsperrvorgangs waren im Test nicht festzustellen. Das Tragen einer Maske führt wie bisher dazu, dass das Smartphone per PIN oder Passwort entsperrt werden muss. Touch ID etwa im An-/Ausschalter wie beim iPad Air gibt es für das iPhone nicht.

Die Notch nimmt die Sensorik für Face ID und die Frontkamera auf
Die Notch nimmt die Sensorik für Face ID und die Frontkamera auf

In der Notch sitzt darüber hinaus einer der beiden Lautsprecher, der zum einen für das Telefonieren direkt am Ohr zuständig ist und zum anderen den Gegenspieler zum unteren Lautsprecher darstellt. Als Paar sorgen die Stereo-Lautsprecher für eine schon vom iPhone 11 bekannt gute Klangkulisse, bei der keiner der beiden Lautsprecher dominanter als der andere auftritt.

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