Mafia: Definitive Edition im Test: GPU-Benchmarks, Frametimes, Spielkritik und Fazit

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Wolfgang Andermahr et al. 170 Kommentare

Grafikkarten-Benchmarks in Full HD, WQHD und Ultra HD

Wer 50 FPS in der von ComputerBase genutzten Testszene erreicht, sollte im restlichen Spiel meistens etwa 60 FPS erzielen. Doch auch die 50 FPS sind nicht mal eben so drin, selbst in Full HD nicht. Von den aktuellen Einsteigermodellen erreichen die GeForce GTX 1650 Super und die Radeon RX 5500 XT diese Marke mit Ach und Krach, während GeForce GTX 1060 und Radeon RX 580 daran scheitern. Für WQHD muss für das Ziel dann mindestens eine Radeon RX 5700, GeForce GTX 1080 oder GeForce RTX 2060 Super im Rechner verbaut sein, für Ultra HD eine GeForce RTX 2080 Ti, besser gleich aber eine GeForce RTX 3080. Die hievt die Framerate dann auch locker auf über 60 FPS.

Mafia: Definitive Edition hält sich in den meisten Fällen ganz gut an den Performance-Durchschnitt der aktuellen AAA-Spiele. So ist die GeForce RTX 2070 Super in WQHD 11 Prozent schneller als die Radeon RX 5700 XT und liegt damit nahe am Schnitt von 9 Prozent. Die Radeon RX Vega 64 muss sich derweil zwar um 8 Prozent der GeForce GTX 1080 geschlagen geben und schneidet damit schlechter als gewöhnlich ab, doch zumindest fällt die Vega-Grafikkarte nicht gänzlich zurück, was es in letzter Zeit des Öfteren gegeben hat.

Im Vergleich Alt gegen Neu zeigt sich, dass die alte Garde mit Mafia: Definitive Edition gut zurechtkommt. Vor allem Nvidias Pascal-Generation ist gut unterwegs, so ist die GeForce RTX 2070 Super nur 25 Prozent schneller als die GeForce GTX 1080, womit der Abstand geringer ist als die durchschnittlichen 34 Prozent. Die Radeon RX 5700 XT ist derweil 25 Prozent flotter unterwegs als die Radeon RX Vega 64, was gar genau dem AAA-Schnitt entspricht. Die neue GeForce RTX 3080 zeigt in Ultra HD einen Leistungsvorteil von 32 Prozent zur GeForce RTX 2080 Ti, was fast dem Durchschnitt entspricht, der bei 31 Prozent liegt.

Die Frametimes sind manchmal etwas auffällig

Die Frametimes von Mafia: Definitive Edition sind bei weitem nicht perfekt, aber auch nicht schlecht. Je nach Grafikkarte können dabei unterschiedliche Phänomene auftreten. So haben AMD-Grafikkarten damit zu kämpfen, dass es immer mal wieder mittelgroße Ausreißer bei der Bildausgabe gibt. Diese sind sowohl auf einer Radeon RX Vega 64 als auch auf einer Radeon RX 5700 XT zu verzeichnen, in der Praxis aufgrund der Spielweise von Mafia aber kein größeres Problem.

Auf GeForce-Grafikkarten offenbaren sich dagegen andere Probleme. Die GeForce GTX 1080 zeigt dabei immer mal wieder einige Ausreißer in der Bildabfolge, während die GeForce RTX 3080 die mit Abstand besten Messergebnisse liefert. Die GeForce RTX 2070 Super läuft dagegen unruhig, die Abstände der einzelnen Frames sind ein einziges Auf und Ab. Da Mafia jedoch kein First-Person-Shooter ist und darüber hinaus keine deutlichen Ausreißer aufweist, bleibt eine gute Spielbarkeit gegeben, wenn die Framerate hoch genug ist. Das Verhalten zeigt sich auf der GeForce-Grafikkarte nicht durchweg, tritt so jedoch immer mal wieder auf. Für eine gute Spielbarkeit in Mafia: Definitive Edition ist es daher ratsam, in der CB-Testsequenz mindestens 50 FPS, im sonstigen Spiel mindestens 60 FPS anzuvisieren.

Wie gut ist Mafia: Definitive Edition?

Zur Bewahrung alter Spiele geht ein Remake manchmal nicht weit genug. Mafia ist so ein Fall: Ein Titel mit dichter Erzählung und filmreifer Inszenierung kann mit einer Grafik-Engine, die keine Mimik beherrscht, 2020 nichts mehr reißen. Erst in einer neu gedachten Version des Spiels kann dessen Idee bewahrt werden. Die Definitive Edition geht trotzdem nicht weit genug.

Im Prinzip war Mafia als Gangster-Film zum Mitspielen gedacht. Diesen Kern verstärkt das Remake durch eine zeitgemäße Grafik, aber auch ausgebaute Dialoge und Sprecherrollen, die in einem überzeugenden Cast versammelt werden. Die treffend lakonischen Kommentare der Protagonisten rund um ihre Situation und ihren Arbeitsalltag deuten immer wieder an, dass Macht und Reichtum einen Preis haben, der nur schwer zu zahlen ist. Authentisch zu sein wird damit auch eine Stärke dieses Mafia. Visuell gilt das sowieso: Das mit neuer Technik herrlich wuselige Pseudo-Chicago wird mit Fahrzeugen und Gebäuden im zeitgenössischen Stil gefüllt und lässt einmal mehr eine Zeitmaschine entstehen. Die offene Welt wird dabei mehr noch als im Original durch Wegfall der paar Nebenmissionen zu einer reinen Bühne degradiert, die deshalb fast schon übertrieben üppig wirkt. Der Schwerpunkt liegt klarer noch als 2001 auf der Erzählung selbst.

Trotz mehrfachen Durchspielens des Klassikers saugt die Definitive Edition förmlich in Welt und Story hinein. Ein schöneres Kompliment kann es für ein Remake kaum geben, selbst wenn es Elemente wie das berüchtigte Rennen in Mission 5 so massiv entschärft, dass jede Herausforderung zusammen mit einem Stück Charakter verloren geht. In der zweiten Hälfte des Spiels beginnt der Effekt jedoch zu zerfallen, denn hier rücken immer stärker andauernde Baller-Gallerien in den Mittelpunkt. Die Sequenzen versüßen die Entwickler immerhin mit geschickt gesetzten, explosiven Highlights, die beeindruckenden „Wumms“ auf den Bildschirm bringen. Und trotzdem: Speicherpunktsystem, Beschuss von außerhalb des Sichtfelds, geringe Schadenstoleranz und teils lächerliche Gegnergenauigkeit in Kombination mit ganzen Heerscharen von Widersachen lassen die immer ausgedehnteren Schusswechsel zunehmend mühsamer werden. Innovativ wirkt der Wechsel zu einem Cover-Shooter ohnehin nicht. Auch die Missionsstruktur leidet an manchen Stellen unter anderem durch Todes-Trigger, die zu unnötigen Neuversuchen führen und die Immersion zerreißen – ein narratives Format muss sein Räderwerk verbergen, um zu funktionieren.

Den Wunsch, nun auch das große Finale zu sehen, hat der zunehmende Ärger über das immer stärker stolpernde Gameplay nicht beeinträchtigt. Der Effekt lag aber zu guten Teilen auch an der Technik, der grafischen Gestaltung der Welt. Ein gutes Aussehen heilt bei Spielen manche Wunden. Insofern lässt sich am Ende festhalten: Das Remake war ein sinnvoller Schritt mit den richtigen, nämlich narrativen Prioritäten, die ein unterhaltendes Werk produzieren. Um zeitgenössisch so großartig zu sein wie der Klassiker 2001, fehlt es am Mut, sich radikaler von der Vorlage zu lösen. Der Film zum Mitspielen hätte noch so viel besser sein können.

Fazit

Die letzten Remaster-Versionen von Spielen konnten nur bedingt überzeugen. Eine viel aufwendigere Entwicklung, aber auch deutlich mehr Potenzial haben dagegen richtige Remakes, wie nicht nur die Neuauflagen der Age-of-Empires-Teile zeigen, sondern nun ebenso Mafia: Definitive Edition. Denn während das Original optisch mittlerweile nur noch hässlich und auch spielerisch altbacken geworden ist, ist das „neue“ Mafia grafisch hübsch und wirkt modern beim Gameplay.

Mit der stark verbesserten Grafik sind aber auch die Anforderungen an die Grafikkarte deutlich gestiegen. 60 FPS erreicht man nicht mal eben so, auch nicht in Full HD. Aktuelle Einsteiger-Grafikkarten scheitern daran und für WQHD muss es dann schon ein flottes Modell aus der Mittelklasse sein – und in Ultra HD gleich ein High-End-Beschleuniger. Die Optik rechtfertigt den Hardware-Anspruch jedoch, auch wenn der Optimierungsgrad des Spiels sicherlich nicht optimal ist. Mafia: Definitive Edition zeigt sich im Grafikkarten-Duell dabei ziemlich neutral, denn ob GeForce oder Radeon, ob Alt oder Neu, ist dem Spiel ziemlich gleich – keine GPU kann sich merklich von einer anderen absetzen.

Mafia: Definitive Edition im Technik-Test

Wer über die Anforderungen hinwegsehen kann, erhält mit Mafia: Definitive Edition ein absolut gelungenes Remake, das nicht nur deutlich besser aussieht als die Urversion aus dem Jahr 2002, sondern sich auch besser spielt. Nicht nur Fans des Originals können zur aktualisierten PC-Fassung greifen, auch Serienneulinge mit Vorliebe für eine spannende und atmosphärische Geschichte sollten einen Blick riskieren.

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