Amazon Echo & Echo Dot im Test: Rundum gelungen, aber noch ohne AZ1-Neural-Edge-CPU

Frank Hüber 73 Kommentare
Amazon Echo & Echo Dot im Test: Rundum gelungen, aber noch ohne AZ1-Neural-Edge-CPU

tl;dr: Amazon ändert zum ersten Mal umfangreich das Design des Echo, Echo Dot und Echo Dot mit Uhr. Sie werden in vierter Generation zur Kugel und der Lichtring strahlt nun nach unten ab. Auch klanglich gibt es Änderungen, die sich positiv auswirken. Das Gesamtpaket des Echo (4. Gen.) für 100 Euro überzeugt.

Mit der Neuauflage des Echo, Echo Dot und Echo Dot mit Uhr hat Amazon das Design des smarten Lautsprechers zum ersten Mal grundlegend geändert. Der Echo ist keine Säule mehr, sondern eine Kugel, der Echo Dot (mit Uhr) kein Puck, sondern ebenfalls eine kleine Kugel. Der Lichtring für Alexa wandert von der äußeren Ober- an die äußere Unterseite. Doch Amazon hat mehr verändert als nur das Äußere. Neben dem Innenleben, worauf im Folgenden genauer eingegangen wird, hat Amazon auch das Portfolio überarbeitet. Echo und Echo Plus werden im Echo vereint, der nun immer einen integrierten Zigbee-Hub für die direkte Verbindung zu Smart-Home-Geräten bietet. Der klangliche Aufbau war ohnehin schon in der letzten Generation bei beiden identisch.

Der neue Echo ist in Deutschland für 97,47 Euro erhältlich*. Der Echo Dot kostet 58,48 Euro*, der Echo Dot mit Uhr hingegen 68,22 Euro*. Bei den Farben bieten der Echo und Echo Dot mit Anthrazit, Weiß und Blaugrau eine identische Auswahl, der Echo Dot mit Uhr ist hingegen nur in Weiß und Blaugrau erhältlich. Der Echo konkurriert somit direkt mit dem Google Nest Audio (Test), der ebenfalls 97,47 Euro kostet.

Design und technische Daten

Der neue Echo ist eine Kugel mit einer Höhe von 133 mm und einem Durchmesser von 144 mm bei einem Gewicht von 970 g. Zum Vergleich: Der neue Google Nest Audio misst 124 × 175 × 78 mm bei 1.165 g. Äußerlich hält Amazon an der Stoffoberseite fest, die jedoch hinten zur Hälfte in eine Kunststoffabdeckung übergeht. Dies zeigt neben den Anschlüssen auch die Ausrichtung des Lautsprechers an. Apropos Anschlüsse: Der Echo bietet neben dem rückseitigen Stromanschluss erneut einen kombinierten 3,5-mm-Audio-Aus- und -Eingang. Beim Echo Dot (mit Uhr) ist ein 3,5-mm-Audio-Ausgang verbaut, einen Eingang bietet das kleinere Modell nicht. Den Lichtring hat Amazon wie erwähnt von der Oberseite nach unten verfrachtet, so dass er von der Oberfläche, auf der er steht, reflektiert wird.

Bei 328 g misst der Echo Dot (4. Generation) 100 × 100 × 89 mm. Der Echo Dot mit Uhr ist 10 g schwerer und wiegt 338 g. Der bisherige Echo Dot mit Uhr misst 43 × 99 × 99 mm (H × B × T) und ist somit weniger als halb so hoch. Technisch sind beide neuen Modelle, also Echo Dot und Echo Dot mit Uhr, identisch. Letzterer bietet zusätzlich jedoch ein LED-Display, auf dem der Nutzer Uhrzeit, Außentemperatur, Timer und Alarme sieht.

Neues gibt es aber auch bei den Tasten. Waren sie beim Echo (Plus) und Echo Dot (mit Uhr) bisher in den Kunststoff der Oberseite eingelassen, sind sie nun auf die Stoffummantelung an der Oberseite aufgesetzt. An den Tasten selbst hat sich mit Lauter, Leiser, Aktionstaste und Mikrofon an/aus nichts verändert. Die beiden kleinen Echo Dot und Echo Dot mit Uhr bieten diese vier Tasten ebenfalls an der Oberseite.

Amazon Echo (4. Gen.), Echo Dot (4. Gen.) und Echo Dot mit Uhr (4. Gen.)
Amazon Echo (4. Gen.), Echo Dot (4. Gen.) und Echo Dot mit Uhr (4. Gen.)
Amazon Echo (4. Gen.), Echo Dot (4. Gen.) und Echo Dot mit Uhr (4. Gen.)
Amazon Echo (4. Gen.), Echo Dot (4. Gen.) und Echo Dot mit Uhr (4. Gen.)
Amazon Echo (4. Gen.) und Echo Dot mit Uhr (4. Gen.)
Amazon Echo (4. Gen.) und Echo Dot mit Uhr (4. Gen.)

Mehr Treiber für einen besseren Klang

Verändert haben soll sich aber der Klang. Der Echo setzt auf einen 76-mm-Woofer, zwei 20-mm-Hochtöner und „Dolby-Klang-Verarbeitung“. Die Größe des Woofers ist somit unverändert im Vergleich zum bisherigen Echo und Echo Plus. Zwei Hochtöner stellen jedoch eine Verdopplung dieser da, denn die bisherigen Modelle verfügen nur über je ein Exemplar. Zudem passt der neue Echo den Klang ebenfalls automatisch über die Mikrofone der Umgebung an, wie es Amazon bereits beim Echo Studio (Test) umgesetzt hat. Der Nest Audio setzt einen 19-mm-Hochtöner und einen 75-mm-Woofer ein.

Wie der bisherige Echo Dot der dritten Generation setzt auch das neue Modell auf einen 41-mm-Lautsprecher, der nun aber nach vorne ausgerichtet ist, so dass die Positionierung des Echo Dot für den Klang eine Rolle spielt. An der Anzahl oder der Größe des Audio-Treibers hat sich bei den kleineren Modellen demnach allerdings nichts geändert.

Auch beim größeren Echo ist die Ausrichtung nun aber nicht mehr irrelevant. Der Klang wird klar nach vorne abgestrahlt, so dass er für das beste Ergebnis zum Zuhörer ausgerichtet sein sollte.

Zigbee-Hub nun im Echo

Wie bereits erwähnt, ist im Echo nun zudem immer ein Zigbee-Hub integriert, um Smart-Home-Geräte ohne zusätzliche Bridge direkt mit dem Lautsprecher zu verbinden. Der Echo Plus als zusätzliches Modell fällt deshalb aus dem Portfolio heraus. Im Test funktionierte das Steuern von Philips Hue über den Zigbee-Hub in Verbindung mit der Sprachsteuerung gewohnt zuverlässig und gut.

WLAN und Bluetooth

Echo, Echo Dot und Echo Dot mit Uhr unterstützen WiFi 5 (Dualband-WLAN nach 802.11a/b/g/n/ac mit 2,4 und 5 GHz). Zudem ist bei allen drei Lautsprechern erneut Bluetooth integriert, so dass eine Musikwiedergabe nicht nur über Streamingdienste via WLAN möglich ist, sondern Songs jederzeit auch von einem Smartphone oder Tablet über Bluetooth an einen Echo übertragen werden können. Um das Bluetooth des Echo sichtbar zu machen, muss per Sprachbefehl „Alexa, aktiviere Bluetooth“ die Sichtbarkeit aktiviert werden. Dienste wie Apples AirPlay oder AirPlay 2 oder Googles Chromecast werden von Amazon nicht unterstützt.

Nur SBC ohne Multi-Connect

Als Audio-Codecs bietet Amazon nur SBC und somit nicht nur keinen HD-Codec, sondern auch kein AAC oder aptX. Multi-Connect, also die gleichzeitige Verbindung zu mehr als einem Bluetooth-Endgerät, wird ebenso wenig unterstützt. Eine aktive Verbindung lässt sich aber über ein zweites Endgerät unterbrechen, so dass nicht immer erst die aktive Verbindung manuell getrennt werden muss.

Während das Netzteil des Amazon Echo maximal 30 Watt leistet – wie das Exemplar des Google Nest Audio –, sind die beiden kleineren Lautsprecher mit einem identischen 15-Watt-Netzteil ausgestattet.

Der Echo verfügt nun wie zuvor der Echo Plus auch über einen Temperatursensor, der in die Smart-Home-Steuerung eingebunden werden kann.

Unverändertes LED-Display

Das LED-Display des Echo Dot mit Uhr ist trotz der neuen Form des Lautsprechers unverändert zum Vorgänger. Somit passt das LED-Display die Helligkeit weiterhin automatisch den Lichtverhältnissen im Raum an und kann per Sprachbefehl in der Helligkeit geändert und ausgeschaltet werden. Neben der Uhrzeit wird über das Display auch angezeigt, ob ein Wecker oder Timer gestellt ist. Anfragen etwa zum Wetter oder der Lautstärke werden über das Display durch die Anzeige der Temperatur und des eingestellten Wertes unterstützt.

Der AZ1-Neural-Edge-Prozessor in Deutschland ohne Funktion

Mit dem AZ1-Neural-Edge-Prozessor erhält Alexa im großen Echo einen eigenen Neural-Prozessor im Lautsprecher, der Anwendungen mit maschinellem Lernen auf dem Lautsprecher beschleunigen und die Verarbeitung direkt auf dem Lautsprecher ermöglichen soll. So werden nicht nur die Reaktionszeit ohne Cloud-Datentransfer und die Spracherkennung selbst enorm beschleunigt, sondern auch Gespräche im Kontext mit Alexa ermöglicht.

Denn Alexa lässt sich dank des Prozessors in Gespräche einbeziehen, selbst wenn diese von mehreren Personen geführt werden. Hierfür muss Alexa per Sprachbefehl aufgefordert werden, sich an der Unterhaltung zu beteiligen. Sie registriert dann Befehle und Pausen in der Unterhaltung, ohne dass sie erneut aktiviert werden muss. So können direkt im Gespräch Fragen an Alexa gestellt oder Befehle ausgeführt werden.

Was Amazon als bahnbrechende Leistung im Bereich der künstlichen Intelligenz ansieht, bleibt in Deutschland aber zunächst Zukunftsmusik. Denn der AZ1-Neural-Edge-Prozessor wird zunächst nur in den USA bei englischer Sprache aktiv genutzt. Er ist allerdings in jedem neuen Echo verbaut, so dass er mit einem Software-Update auch in Deutschland zum Einsatz kommen kann. Ab wann er hierzulande genutzt wird, ist hingegen noch nicht bekannt.

Energie-Dashboard und Low-Power-Mode

Dasselbe Schicksal teilt das neue Energie-Dashboard, das zunächst nur in den USA und nicht in Deutschland verfügbar ist. Nutzer können darüber in der Alexa-App die Leistungsaufnahme der kompatiblen Echo-Lautsprecher und verbundenen Smart-Home-Geräte einsehen. Alexa wird zudem Vorschläge machen, wie man den Energieverbrauch reduzieren kann, etwa indem Lichter ausgeschaltet oder die Heizung kälter gedreht wird.

Denn die neuen Echo-Lautsprecher sollen nachhaltiger werden – nicht nur bei der Herstellung und Verwertung, sondern auch im Betrieb. Deshalb hat Amazon einen Low-Power-Mode integriert, der die Leistungsaufnahme reduziert, wenn der Lautsprecher ungenutzt ist. Dieser Modus wird per Software-Update sogar für kompatible alte Echo-Lautsprecher nachgeliefert.

Schlummern durch Tippen

Die Schlummerfunktion, die es zuvor nur auf dem Echo Dot mit Uhr gab, ist nun zudem auf dem Echo Dot und Echo verfügbar. So kann ein Wecker in den Schlummermodus versetzt werden, wenn auf den Echo, Echo Dot oder Echo Dot mit Uhr getippt wird, um ihn für 9 Minuten zu pausieren.

Inbetriebnahme über die Alexa-App

Die Inbetriebnahme über die Alexa-App hat Amazon in den letzten Jahren immer weiter verbessert. Die manuelle Verbindung zum Echo, bei der der Nutzer zwischen dem lokalen WLAN und dem WLAN des Echo manuell hin und her wechseln muss, ist inzwischen obsolet. Ein neuer Echo wird in der App sofort erkannt, wenn man sie öffnet und sich der Echo im Einrichtungsmodus befindet, was bei der ersten Inbetriebnahme nach wenigen Momenten automatisch der Fall ist und vom Lautsprecher auch mehrsprachig angesagt wird.

Um den Echo nutzen zu können, sind dann nur die Auswahl des WLANs und eine Passworteingabe notwendig. Anschließend wird, sofern verfügbar, ein Update der Firmware des Echo (Dot mit Uhr) durchgeführt. Kostenpflichtige Musik-Streamingdienste können in der Alexa-App verknüpft werden, um sie auf allen Echo-Geräten zu nutzen. Für den eigenen Musikdienst bietet Amazon einen günstigeren Echo-Tarif an, der sich dann nur auf dem Echo und nicht auf einem Smartphone verwenden lässt.

Einrichtung des Echo und Echo Dot (mit Uhr) in der Alexa-App

Multi-Room-Setup und Stereopaar möglich

In der App kann jedem Echo ein eindeutiger Name gegeben und alle Geräte zu Gruppen, Stereopaaren und Multiroom-Systemen zusammengefasst werden. Zudem lässt sich für Standort-basierte Antworten der Ort des Geräts festlegen. Der Klang kann über einen rudimentären Equalizer in den Tiefen, Mitten und Höhen angepasst werden.

Über zahlreiche Skills können die Grundfunktionen von Alexa erweitert werden – eine der Stärken des Systems, denn die Skills sind inzwischen umfangreich und auch wenn es viele eher unnütze Erweiterungen gibt, finden sich einige auf individuelle Bedürfnisse angepasste Funktionen darunter. Mit der Stimmerkennung kann Alexa zudem Anfragen personalisieren und über Blueprints können dem System eigene Antworten auf spezifische Fragen beigebracht werden. Bei allgemeinen Anfragen kommt der Sprachassistent zwar nicht an die Suchmacht des Google Assistant heran, dafür ist es Amazon gelungen, den Assistenten selbst natürlicher klingen zu lassen.

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