Parteiisches Ranking: UserBenchmark benachteiligt auch Zen 3 systematisch

Fabian Vecellio del Monego
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Parteiisches Ranking: UserBenchmark benachteiligt auch Zen 3 systematisch
Bild: UserBenchmark

Dass die Website UserBenchmark AMDs Ryzen-CPUs unfair behandelt, ist spätestens seit Zen 2 bekannt – ein Bann in zahlreichen Hardware-Subreddits war die Folge. Mit Zen 3 wird der Benchmark nun zur Farce: Die Bewertungskriterien wurden ad absurdum verschoben; die Resultate sind schlichtweg unbrauchbar und irreführend.

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Gute Sichtbarkeit, schlechte Bewertungskriterien

Wer per Suchmaschine nach dem direkten Benchmark-Vergleich zweier Prozessoren sucht, wird mit hoher Wahrscheinlichkeit einen Link zu UserBenchmark ganz weit oben in den Ergebnissen finden. Vor allem technisch weniger versierte Nutzer auf der Suche nach einer neuen CPU bekommen somit zuhauf Ergebnisse präsentiert, die einerseits systematisch zugunsten aktueller Intel-Prozessoren manipuliert und andererseits fernab jeglicher Alltagsrealität sind. So führen auch nach dem Marktstart der im Test überragenden Ryzen-5000-Prozessoren nach wie vor Intel-CPUs die Bestenliste an, weil die – mittlerweile nicht mehr öffentlich kommunizierte – Formel zur Berechnung des Gesamt-Ratings stetig so angepasst wurde, dass AMDs Produkte ihre Stärken nicht ausspielen können.

Bei Zen 1 und 2 genügte es noch, die Single-Core-Leistung sukzessive stärker zu gewichten, um die bei der Multi-Core-Leistung unterlegenen Intel-Core-CPUs weiter in Führung zu halten. Die Website begründete dies mit dem Argument, dass Spiele – und die meisten Anwendungen – schlicht nicht in der Lage seien, von allzu vielen Kernen zu profitieren. Die Änderung stieß auf rege Kritik, war aber noch potentiell nachvollziehbar. Das Problem: Ryzen 5000 schlägt Intel Core auch in Spielen. UserBenchmark reagiert darauf mit einer unverhältnismäßig starken Gewichtung der CPU- und Speicherlatenzen. Damit landet Zen 3 konsequent wieder hinter Comet Lake, die Nebenwirkungen sind aber kurios wie absurd.

CPUs des letzten Jahrzehnts sind wieder konkurrenzfähig

So stellt UserBenchmark nun nicht nur einen Core i5-10600KF auf das Niveau eines Ryzen 5 5600X – ComputerBase sieht die AMD-CPU rund 20 Prozent im Vorteil –, sondern auch einen Core i5-750 der 2009 erschienenen Nehalem-Architektur auf das Niveau eines Ryzen 5 1400 aus dem Jahr 2017. Letzterer ist der Retro-CPU in der Praxis zwar weit überlegen (wie UserBenchmark in der Detailansicht auch zugibt), die Cache- und RAM-Latenzen sind bei Intel aber geringer – und damit der Overall-Score höher.

Ein Core i7-990X rangiert derweil auf dem Niveau eines Ryzen 5 3600 und AMDs stärkster HEDT-Prozessor, der Threadripper TR 3990X, muss sich einem Core i7-4790K geschlagen geben. UserBenchmark gesteht zwar ein, dass die Multi-Core-Leistung der 64-Kern-CPU genügsame 719 Prozent höher ausfalle, die „memory latency“ des 2014 erschienenen Vier-Kern-i7 sei jedoch 30 Prozent besser – und das allein reicht, um in der Gesamtwertung zu obsiegen.

Doch auch Intel-CPUs leiden unter der abstrusen Metrik. So schafft es ein Core i9-10900K kaum, sich merklich vom rund 10 Jahre alten Core i5-2500K abzusetzen, weil die Speicherlatenz nur minimal besser ist. In der Praxis ist der 10-Kern-Prozessor um Welten überlegen. Unbekannt ist dabei nach wie vor, wieso die Metriken überhaupt andauernd geändert werden. UserBenchmark selbst bezieht nur vage Stellung und behauptet, Ryzen-CPUs gar bevorzugt zu behandeln. Bei versierten Lesern stößt das auf harsche Kritik und Unverständnis, da zahlreiche Tests diverser Redaktionen ein ganz anderes Bild zeigen. Auch ComputerBase kann UserBenchmarks Wertung in keinster Weise nachvollziehen – so sind die Cache- und RAM-Latenzen der Zen-3-CPUs im eigenen Test gar oftmals besser respektive nicht sonderlich schlechter als die der Intel-Konkurrenz. Beim Cache- und Arbeitsspeicherdurchsatz baut Ryzen 5000 derweil sogar einen Vorsprung auf.

Auch die Texte sprechen eine klare Sprache

Abseits der abstrusen Benchmark-Ergebnisse verspielt UserBenchmark auch mit Worten jegliche Seriosität: Während bezüglich des Core i9-10900K von einer „stellaren Leistung“ und einer „Augenschmaus-Übertaktung“ gesprochen wird, kolportiert das Fazit zum Ryzen 5900X lediglich haltlose Anschuldigungen gegenüber AMD: Nutzer, die keine „Marketing-Gebühren“ zahlen wollten, seien bei einem Core i5-9600K besser aufgehoben. Überdies wird dem Hersteller vorgeworfen, Ryzen 3000 trotz eines „klaren Leistungs-Defizits“ lange unterstützt zu haben. UserBenchmark ärgere sich darüber, dass AMD-CPUs vermeintlich ausschließlich durch bessere Werbung besser verkauft wurden als Intels Pendants.

Intel’s Comet Lake flagship, the i9-10900K, is the fastest gaming and desktop CPU currently available. This ten-core hyperthreaded processor can easily be overclocked so that all twenty threads run at an eye-watering 5.2 GHz. [...] It's stellar performance is second to none [...].

UserBenchmark zum Core i9-10900K

Our benchmarks show that the 5800X is comparable to Intel’s $250 USD cheaper i5-9600K. Gamers that do not wish to pay “marketing fees” can invest those savings in a better GPU which will produce an unquestionably better gaming PC.

UserBenchmark zum Ryzen 7 5800X

Angesichts der konsequent befangenen Wortwahl und unsachlicher Ausführungen lässt sich abermals auf eine klar parteiische Haltung UserBenchmarks schließen. Die gewählten Beispiele sind dabei keineswegs ein Einzelfall: Eine ähnliche Rhetorik zieht sich durch sämtliche Bewertungen aktueller AMD-Prozessoren.

Ignoranz ist die beste Option

Die Beweggründe hinter der systematischen Benchmark-Manipulation bleiben indes nach wie vor ein Rätsel. ComputerBase kann die Ergebnisse sowie das Bewertungs­system keineswegs nachvollziehen respektive bestätigen. Es steht weiterhin das Fazit des Zen-3-Tests: Ryzen 5000 ist nicht nur hinsichtlich der Gaming-Leistung, sondern auch hinsichtlich der Leistung in Anwendungen, dem Stromverbrauch und der Plattform die bessere Wahl – nur bei der Verfügbarkeit hapert es derzeit noch. Bezüglich UserBenchmark lässt sich schlussendlich nur raten, die Ergebnisse der Website mit größter Skepsis – oder am besten gar nicht – zu betrachten. Aus diesem Grund hat die Redaktion von Verlinkungen zur Website abgesehen.

Als bessere Anlaufstelle für Prozessor-Vergleiche sei derweil aktuell suchenden Interessenten zum Blick auf die regelmäßig aktualisierte CPU-Rangliste der Redaktion geraten. Eine sehr große Bandbreite an Benchmark-Ergebnissen bietet derweil der Community-Test von Cinebench R23, in dem hunderte Prozessoren sowohl bezüglich Single-Core- als auch Multi-Core-Leistung im Rendern verglichen werden.