Withings ScanWatch im Test: Hybride Smartwatch par ex­cel­lence

Jan Lehmann
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Withings ScanWatch im Test: Hybride Smartwatch par ex­cel­lence

tl;dr: Als hybride Smartwatch überzeugt die Withings ScanWatch mit EKG- und SpO2-Funktion, einem zeitlosen Design, genauen Vitalwerten und einer langen Laufzeit beinahe vollumfänglich. Ein paar kleine Wünsche für ein Software-Update gibt es aber trotzdem noch.

Mit der Activité Pop (Test), die vor rund fünfeinhalb Jahren auf den Markt kam, begründete Withings den Sektor um hybride Smartwatches mit. Gepaart mit neuen Funktionen und einem Herzfrequenzsensor gelang es zuletzt der Steel HR (Test), die Käuferschaft zu begeistern, bevor das Unternehmen für kurze Zeit von Nokia übernommen wurde.

Mit der ScanWatch legt Withings das Konzept nochmals neu auf und schafft so eine Smartwatch mit analogem Zifferblatt, kleinem Display und einer Schar von Sensoren. Allen voran ist dabei sogar ein Sensor zur EKG- und SpO2-Messung an Bord, was so bislang einzig den (vollwertigen) Smartwatches vorbehalten und im hybriden Segment gar nicht vertreten war.

Die Withings ScanWatch ist bereits erhältlich. Unabhängig von der Farbvariante ruft der Hersteller für das 38-mm-Modell eine Preisempfehlung von rund 280 Euro aus. Die 42 mm große Variante schlägt mit einem Aufpreis von 20 Euro zu Buche. Im Preisvergleich sind die Uhren ab 270 respektive 280 Euro gelistet.

Äußerlich vollends gelungen

Gegenüber der in die Jahre gekommenen Steel HR setzt die ScanWatch an vielen Punkten an und verbessert das altgediente Design. Vor allem die neue Gehäuseform ist hier zu erwähnen. Die Unterseite der Steel HR verlief sehr trichterförmig und lag so beim Tragen auch unansehnlich am Handgelenk auf – beides Punkte, die seinerzeit so gar nicht bemerkt wurden, aber im nun vorliegenden, direkten Vergleich umso stärker auffallen.

Die angepasste Unterseite ist mithin nur ein Punkt von vielen. Die ScanWatch macht äußerlich alles richtig. Das Edelstahlgehäuse mit polierter Glas-Einfassung ist absolut tadellos verarbeitet. Diese Aussage mag zwar auf mittlerweile beinahe alle (getesteten) Smartwatches zutreffen, doch topt die ScanWatch dies noch mal. Die Uhrenunterseite ist ebenfalls aus Edelstahl gefertigt, während andere getreu dem Motto „Oben hui, unten pfui“ hier oftmals auf eine Unterseite aus Kunststoff setzen. Zum guten Ton gehört dann auch ein Saphirglas. Neu ist zudem die digitale Krone an der rechten Uhrenseite, die angenehm flüssig und mit einem leichten haptischen Feedback durch das Menü führt.

Auch beim Zifferblatt setzt Withings an, wenngleich die Grundstruktur der Steel HR beibehalten wird. Auf 12 Uhr befindet sich weiterhin das kleine PMOLED-Display, das nun auf einen Durchmesser von 13 mm wächst. Die Auflösung beträgt 9.000 Pixel – einzelne Bildpunkte sind dabei selbst bei naher Betrachtung nicht auszumachen. Die Helligkeit von maximal 260 nits ist vollends ausreichend, um selbst bei Sonnenlicht das Display abzulesen. Unterhalb dessen befindet sich auf 6 Uhr ein kleines Zifferblatt, das der Anzeige der Tagesaktivität in Prozent vom Tagesziel dient. Als Designakzent ist das zweite Zifferblatt mit einem Guillochemuster versehen. Das Hauptzifferblatt ist dagegen je nach Variante schlicht in einer Farbe gehalten. Stundenindexe und Zeiger sind aus Chrom gefertigt und unterstreichen das schlichte, aber zeitlose Design.

Bei der Wasserdichtigkeit attestiert Withings der Uhr 5 ATM. Der Standard bezieht sich dabei auf den Druck einer angenommenen Wassersäule von 50 m. Aufgrund von Druckspitzen entspricht dies lediglich alltäglichen Tätigkeiten wie Baden, Duschen oder Händewaschen. Wie beinahe alle Smartwatch-Hersteller wirbt jedoch auch Withings mit der Eigenschaft, die Uhr beim Schwimmen tragen zu können, wenngleich dies theorethisch erst ab 10 ATM definiert wird.

Größen und Varianten der ScanWatch

Wie schon die Steel HR wird auch die ScanWatch in zwei Größen aufgelegt. Die bisherigen Kaliber 36 und 40 mm wachsen auf 38 und 42 mm. Beide Modelle sind in der Grundfarbe Weiß oder Schwarz erhältlich und unterscheiden sich optisch etwas. Die 42-mm-Variante setzt auf einen breiteren Rahmen und einen klassischen Bandanstoß, der in das Gehäuse übergeht. Die 38-mm-Ausführung erinnert ein wenig an den Max-Bill-Stil von Junghans. Ohne Minutenindexe und mit einem schmaleren Rahmen wirkt die Variante noch minimalistischer. Während das 42 mm große Modell 83 g wiegt, bringt das 38-mm-Modell 58 g die Waage bringt – jeweils ohne Armband.

Im Vergleich zu anderen smarten Uhren sticht die ScanWatch mit ihrem klassischen Design schnell hervor. Neben der mechanischen Automatikuhr Rado Silver Star (38 mm), der Withings Steel HR (36 mm) und der Garmin Vívomove HR (43 mm) wirkt die ScanWatch (42 mm) am harmonischsten. Mit einer Höhe von 13,7 mm baut sie von den verglichenen Uhren am höchsten, was jedoch auch dem gewölbten Uhrenglas geschuldet ist.

Größenvergleich: Rado Silver Star (38 mm), Withings Steel HR (36 mm), Withings ScanWatch (42 mm), Garmin Vívomove HR (43 mm)
Größenvergleich: Rado Silver Star (38 mm), Withings Steel HR (36 mm), Withings ScanWatch (42 mm), Garmin Vívomove HR (43 mm)
Größenvergleich: Withings Steel HR, Rado Silver Star, Withings ScanWatch, Garmin Vívomove HR
Größenvergleich: Withings Steel HR, Rado Silver Star, Withings ScanWatch, Garmin Vívomove HR
Größenvergleich: Withings Steel HR, Rado Silver Star, Withings ScanWatch, Garmin Vívomove HR
Größenvergleich: Withings Steel HR, Rado Silver Star, Withings ScanWatch, Garmin Vívomove HR

Tolles Armband

Beiden gemein ist in der Grundausstattung ein schwarzes Kautschuk-Armband mitsamt Dornschließe. Das Armband ist wie die restliche Uhr tadellos verarbeitet. Es stremmt nicht, sitzt überaus gut und ist kaum schmutzanfällig. Dennoch betrifft der einzige negative Punkt zum Äußeren der ScanWatch das Armband. Wenn auch leicht zu verschmerzen und ebenso leicht zu ersetzen, ist es zu lang. Bei einem Handgelenksumfang von rund 20 cm reicht das lange Bandende beinahe bis zum Steg des kurzen Armbands. Ähnliches wurde bereits bei der Steel HR Sport (Test) bemängelt. Die Zugabe eines zweiten, kürzeren Stücks würde hier Zukäufe ersparen. Die Armbänder sind bei beiden Varianten ohne Werkzeug wechselbar. Die Breite beträgt je nach Variante 18 beziehungsweise 20 mm.

Withings ScanWatch im Test
Withings ScanWatch im Test
Withings ScanWatch im Test: Armband problemlos wechselbar
Withings ScanWatch im Test: Armband problemlos wechselbar
Withings ScanWatch im Test: sehr langes Armband
Withings ScanWatch im Test: sehr langes Armband

Einfache Bedienung, die einen Wunsch offen lässt

Die Bedienung der ScanWatch hat sich dank der neuen Krone revolutioniert. Musste bei allen vorherigen Withings-Modellen mittels mehrfachen Knopfdrucks durch das Menü navigiert werden, läuft dies nun geschmeidig von der Hand. Die Auswahl beispielsweise zum Starten einer Trainingseinheit erfolgt über ein Drücken der Krone.

Große Anforderungen an die Bedienung bedarf es bei den rudimentären Menüs jedoch auch nicht. Neben der Ansicht der verschiedenen Vitaldaten bleiben mit dem Starten der EKG- und SpO2-Messung sowie dem Starten einer Trainingseinheit, einer geführten Atemübung und dem Uhrenmenü (Stoppuhr, Timer und Wecker) nur wenige Auswahlpunkte übrig. Dessen ungeachtet verläuft jedwedes Scrollen im Menü butterweich.

Bei den Benachrichtigungen unterstützt die Withings ScanWatch beinahe jede, die vom gekoppelten Smartphone empfangen wird. Eine direkte Auswahl, von welcher App der Träger Benachrichtigungen auf die Uhr weitergeleitet haben möchte, erfolgt über die zugehörige Health-Mate-App. Die entsprechende Benachrichtigung wird als langsam laufender Fließtext auf dem kleinen Display wiedergegeben. Bei längeren Nachrichten wird jedoch lediglich der Anfang angezeigt. Eine Reaktion auf eingehende Benachrichtigungen ist nicht möglich. Etwas ärgerlich ist auch, dass die Benachrichtigungen nach dem Durchlaufen nicht nochmals aufgerufen werden können. Dies widerspricht dem eigentlichen Grundgedanken etwas – die (kurzen) Benachrichtigungen dienen dem Träger vorrangig dazu, abzuschätzen, ob er zum Smartphone greifen muss oder nicht. Einmal die Benachrichtigung am Handgelenk verpasst, muss zur Kontrolle somit ohnehin zum Smartphone gegriffen werden. Hier wäre eine Art Benachrichtigungszentrale sehr wünschenswert, sodass mitunter eine gewisse Anzahl der letzten Mitteilungen nochmals eingesehen werden könnte.

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