RX 6600 XT: Custom-Designs im Test: MSI, PowerColor, Sapphire und XFX im Vergleich

Wolfgang Andermahr
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RX 6600 XT: Custom-Designs im Test: MSI, PowerColor, Sapphire und XFX im Vergleich

Mit der Radeon RX 6600 XT bietet AMD eine neue und gute Einsteiger-Grafikkarte für das Spielen in Full HD an. Doch zu welchem Custom-Design sollen Spieler greifen? ComputerBase hat zum Verkaufsstart die Modelle MSI Gaming X, PowerColor Red Devil, Sapphire Pulse und XFX Merc 308 im Vergleichstest.

AMD bietet mit der Radeon RX 6600 XT (Test) ab sofort eine neue Einsteiger-Grafikkarte an, die gut geeignet für das Spielen sämtlicher AAA-Titel mit maximalen Grafikdetails abseits von Raytracing in Full HD ist. Der Preis liegt mit 379 Euro UVP sehr hoch, doch auch weiterhin gilt: Der UVP hat wenig mit dem Marktpreis zu tun und viele Spieler müssen oft schlichtweg das kaufen, was der Markt zu bieten hat.

Heute startet der Verkauf der Radeon RX 6600 XT, nur Custom-Designs wird es im Handel geben – doch welches ist besonders empfehlenswert?

Custom-Designs von PowerColor, Sapphire, XFX und MSI im Test

Im initialen Test der Radeon RX 6600 XT hat ComputerBase auf die MSI Radeon RX 6600 XT Gaming X zurückgegriffen. Die Gaming X ist der Bezeichnung nach ein Premium-Modell, das von Haus aus leicht übertaktet ist und zudem in puncto Kühlsystem und damit Lautstärke eine gute, wenn auch keine hervorragende Figur macht. Das gilt auch für die bei Gaming X inzwischen gewählten Materialien (Kunststoff) und die sehr einfache RGB-LED-Beleuchtung. Wer zu dem Modell greift, macht nichts verkehrt und erhält ein gutes Custom-Design ohne echte Schwäche. Doch geht es auch besser?

Drei weitere Partnerkarten versuchen in diesem Test, die Messlatte höher zu legen: Die PowerColor Radeon RX 6600 XT Red Devil, die Sapphire Radeon RX 6600 XT Pulse und die XFX Radeon RX 6600 XT Merc 308. Während PowerColor mit der Red Devil eine klassische Premium-Karte bietet, belässt es Sapphire vorerst in dieser Klasse bei einem „Basis-Modell“, das sich auf das Nötigste konzentriert. XFX liegt mit der Merc 308 genau in der Mitte zwischen beiden und geht damit in direkte Konkurrenz zur MSI-Karte.

Die PowerColor Radeon RX 6600 XT Red Devil im Detail

Die PowerColor Radeon RX 6600 XT Red Devil ist ein klassisches Premium-Modell, das es in der Einsteiger-Klasse eher selten gibt. Es orientiert sich nicht nur bezüglich des Designs an den großen Varianten bis hin zur Radeon RX 6900 XT Red Devil, auch die Materialauswahl ist weiterhin sehr hochwertig – alles ist einfach eine Ecke kleiner. Und damit sieht die Radeon RX 6600 XT Red Devil absolut hochwertig aus und fühlt sich auch genauso an – hier ist „Premium“ im Gegensatz zur Gaming X Programm. Wer Wert auf Optik und Haptik sieht, hat bei der Radeon RX 6600 XT seinen Gewinner im Test bereits gefunden. Mit großem Abstand.

Auch die restliche Grafikkarte schreit nach Premium. Der 2,5-Slots-Kühler kommt mit großem Materialeinsatz daher und ist entsprechend schwer. Mit zwei im Durchmesser 100 mm messenden Axiallüftern ist der rote Teufel zudem gut belüftet. Das Modell bietet darüber hinaus als einziges im Testfeld zwei verschiedene BIOS-Versionen an. Das OC-BIOS weist eine TGP von 145 Watt auf, das Silent-BIOS ist auf 135 Watt ausgelegt – das sind 15 respektive 5 Watt mehr als in AMDs offiziellen Vorgaben. Mit einem 8-Pin- und einem 6-Pin-Stromanschluss ist die Radeon RX 6600 XT Red Devil zudem von allen Custom-Designs am besten fürs Übertakten geeignet, dasselbe gilt für das PCB mit zehn Spannungswandlerkreisen. Etwas aus dem Rahmen fällt da die RGB-Beleuchtung, die eher wenig schön geraten ist.

Die Sapphire Radeon RX 6600 XT Pulse im Detail

Sapphire geht bei der Radeon RX 6600 XT Pulse genau den entgegengesetzten Weg und hält bei der Pulse alles so einfach wie möglich. Das fängt bei Optik und Haptik an, denn mehr als Plastik gibt es bei dem Modell nicht. Eine RGB-Beleuchtung fehlt ebenfalls. Nichtsdestoweniger wirkt die Grafikkarte zwar einfach, aber nicht „billig“. Ebenso fehlt ein zweites BIOS und mehr als einen 8-Pin-Stromanschluss gibt es auch nicht. Zudem fallen PCB und Kühler deutlich einfacher aus, wirken schlussendlich aber trotzdem hochwertig. Ob es dadurch Nachteile gibt, wird der Test zeigen.

Der Kühler der Radeon RX 6600 XT Pulse besteht aus nur einem großen Alu-Kühlkörper mit lediglich zwei Heatpipes. Zwei im Durchmesser 85 mm große Axiallüfter sorgen für die nötige Frischluft. Die TGP der Grafikkarte liegt bei 135 Watt – 5 Watt mehr, als AMD für den RDNA-2-Einstieg vorsieht.

Die XFX Radeon RX 6600 XT Merc 308 im Detail

XFX geht mit der Radeon RX 6600 XT Merc 308 einen Mittelweg. Optik und Haptik wirken besser als bei der simplen Pulse von Sapphire, bleiben aber klar hinter PowerColors Red Devil zurück. Der Gegner ist hier eher die Gaming X. Ein Alleinstellungsmerkmal hat die Radeon RX 6600 XT beim Kühler, denn XFX setzt auf ein 2,5 Slots großes Exemplar mit gleich drei anstellen von nur zwei Axiallüftern, wobei deren Durchmesser mit 75 mm ziemlich klein ausfällt. Die drei Ventilatoren haben dennoch automatisch zur Folge, dass die Grafikkarte mit 27,5 cm für die Leistungsklasse ziemlich lang ist.

Die Radeon RX 6600 XT bietet eine TGP von 145 Watt und gehört damit zu den auf dem Papier schnellsten Modellen – es bleibt aber bei einem 8-Pin-Stromanschluss. Es gibt ein zweites BIOS, doch sind die Ausführungen vorerst identisch. XFX wird in Zukunft vermutlich eine angepasste Software-Version zum Download bereitstellen. Darüber hinaus ist zwar kein RGB auf der Grafikkarte vorhanden, aber der Radeon-Schriftzug ist mit einer weißen LED versehen, was im Betrieb recht schlicht und schick aussieht.

Die Custom-Designs der Radeon RX 6600 XT im Vergleich
Merkmal PowerColor RX 6600 XT
Red Devil
Sapphire RX 6600 XT
Pulse
XFX RX 6600 XT
Merc 308
MSI RX 6600 XT
Gaming X
Karte PCB-Design PowerColor Sapphire XFX MSI
Länge, Breite 25,5 cm, 13,0 cm 24,5 cm, 12,0 cm 27,5 cm, 11,5 cm 27,5 cm, 13,0 cm
Stromversorgung 2 × 8-Pin 1 × 8-Pin
Kühler Design Red Devil, 2,5 Slots Pulse, 2,2 Slots Merc, 2,5 Slots Gaming X, 2,5 Slots
Kühlkörper 4 Heatpipes
Alu-Kern/Radiator
2 Heatpipes
Alu-Kern/Radiator
4 Heatpipes
Alu-Kern/Radiator
Gewicht 1.000 g 606 g 897 g 882 g
Lüfter 2 × 95 mm (axial) 2 × 85 mm (axial) 3 × 75 mm (axial) 2 × 95 mm (axial)
Lüfter abgeschaltet (2D) Ja
Anlaufdrehzahl 1.000 Umdrehungen 1.300 Umdrehungen 850 Umdrehungen 900 Umdrehungen
Takt
GPU-Basis 2.064 MHz (OC-BIOS)
2.000 MHz (Silent-BIOS)
2.000 MHz 2.064 MHz 2.064 MHz
GPU-Durchschnitt 2.428 MHz (OC-BIOS)
2.382 MHz (Silent-BIOS)
2.382 MHz 2.428 MHz 2.428 MHz
GPU-Maximum 2.607 MHz (OC-BIOS)
2.593 MHz (Silent-BIOS)
2.593 MHz 2.607 MHz 2.607 MHz
Speicher 8.000 MHz
Speichergröße 8 GB GDDR6
Leistungsaufnahme Standard TGP 145 Watt (OC-BIOS)
135 Watt(Silent-BIOS)
135 Watt 145 Watt 135 Watt
Maximale TGP +20 Prozent +4 Prozent
Anschlüsse 3 x DisplayPort 1.4 DSC
1 x HDMI 2.1

So takten die Custom-Designs der RX 6600 XT in Spielen

Auch bei der Radeon RX 6600 XT haben die von den Herstellern genannten Taktraten absolut nichts damit zu tun, wie sich die GPUs in Spielen tatsächlich verhalten. So takten die Navi-23-GPUs in vielen Fällen höher, als gemäß „maximalem Boost“ möglich sein sollte. Und der „Game-Takt“ ist vieles, aber kein durchschnittlicher Takt, der in der Praxis in Spielen anliegt. Innerhalb der Serie mit maximal 10 Watt Unterschied bei der TGP ist das Bild dann schon klarer.

Die Frequenzunterschiede zwischen den Custom-Designs zeigen, dass die zu erwartenden Performance-Unterschiede sehr gering sein werden. So takten die Grafikkarten in Doom Eternal, F1 2020, Hitman und Watch Dogs: Legion in Full HD quasi alle gleich hoch. Zwischen dem Modell mit dem höchsten und dem niedrigsten Takt liegt die größte Differenz in diesen vier Spielen bei nur wenigen MHz, denn alle Testprobanden arbeiten zwischen 2.607 und 2.644 MHz.

Nur ein Spiel zeigt zumindest etwas größere Unterschiede

Einzig in Borderlands 3 gibt es größere absolute Unterschiede, in Relation zum Taktniveau bleiben auch sie jedoch gering. Die PowerColor Radeon RX 6600 XT Red Devil zeigt dort im Silent-BIOS mit 2.507 MHz den niedrigsten Takt und mit dem OC-BIOS zugleich den höchsten Takt – zwischen beiden Extremen liegen allerdings nur 100 MHz und damit lediglich knapp 4 Prozent. Die MSI Radeon RX 6600 XT Gaming X, die Sapphire Radeon RX 6600 XT Pulse und die XFX Radeon RX 6600 XT Merc 308 takten im von der Red Devil gespannten Intervall.

Die tatsächlichen durchschnittlichen Taktraten im Phanteks Enthoo Evolv X
Borderlands 3 Doom Eternal F1 2020 Hitman 3 Watch Dogs: Legion
PowerColor Red Devil (OC-BIOS) 2.601 MHz 2.640 MHz 2.636 MHz 2.629 MHz 2.644 MHz
PowerColor Red Devil (Silent-BIOS) 2.507 MHz 2.621 MHz 2.612 MHz 2.612 MHz 2.644 MHz
Sapphire Pulse 2.535 MHz 2.640 MHz 2.619 MHz 2.607 MHz 2.630 MHz
XFX Merc 308 2.599 MHz 2.636 MHz 2.629 MHz 2.624 MHz 2.643 MHz
MSI Gaming X 2.584 MHz 2.629 MHz 2.625 MHz 2.614 MHz 2.643 MHz

Werden die Grafikkarten nicht durch das Power-Limit eingegrenzt und neigt das Spiel durch die erzeugte Auslastung eher zu hohen Taktraten, arbeiten alle vier Custom-Designs mit 2.640 MHz und 2.650 MHz. Bei niedriger Last sind bis zu 2.682 MHz möglich.