Lian Li O11 Air Mini im Test: Testergebnisse, Messwerte und Fazit

 2/3
Jan Wichmann
164 Kommentare

Testsystem und Methodik

Beim verwendeten Testsystem wird bewusst auf Komponenten aus dem gehobenen Leistungssegment gesetzt, damit die aufgezeichneten Werte keinesfalls künstlich verschönt werden. Dementsprechend ist auch die Wärmeentwicklung des Systems, die es im Zusammenhang mit dem verwendeten Gehäuse zu beobachten gilt. Neben den ab Werk verbauten Gehäuselüftern werden zur Ermittlung eines Referenzwertes alternative Lüfter vom Typ Noctua NF-A14 PWM und Noctua NF-A12 PWM verbaut.

Verwendetes Messsystem
Komponente
CPU Ryzen 9 3900X, 105 Watt TDP
Mainboard MSI X470 Gaming M7 AC
Arbeitsspeicher Corsair Vengeance RGB DDR4-3200
Grafikkarte ASRock Radeon RX 6800 XT Taichi (Länge 330 mm)
SSD Muskin Helix-L 1 TB, M.2
CPU-Kühler be quiet! Dark Rock Pro 4 (Höhe 163 mm)
Netzteil Seasonic Platinum Series 1200W (Tiefe 190 mm)
Gehäuselüfter ab Werk Front: 2 × Lian Li 140 mm, Typ k.A. (4-Pin), einsaugend
Heck: 1 × Lian Li 120 mm, Typ k. A. (4-Pin) ausstoßend
Referenz Front: 2 × Noctua NF-A14 (4-Pin), einsaugend
Heck: 1 × Noctua NF-A12 (4-Pin), ausstoßend
Deckel: 1 × Noctua NF-A14 (4-Pin), ausstoßend
Boden: 2 × Noctua NF-A14 (4-Pin), einsaugend

Zwei Szenarien und zwei Belüftungskonstellationen

Gegenüber punktuellen Temperaturmessungen zu einem willkürlichen Zeitpunkt werden alle ermittelten Temperaturen und GPU-Lüfter-Drehzahlen im Zeitverlauf protokolliert und dargestellt. Ermittelt werden die Messwerte über einen Zeitraum von 30 Minuten, der vom Start des Spiels Cyberpunk 2077 (WQHD, volle Details) bis zu dessen Beendigung reicht. Dabei werden zwei Betriebsmodi untersucht:

  1. Mit einer Gehäuse-Lüfterdrehzahl, die in 30 cm Abstand zur Front bei gemessenen 33,5 dB(A) liegt und damit als noch flüsterleise zu bezeichnen ist. Jedwedes Nebengeräusch im Raum lässt das Gehäuse aus der Wahrnehmung verschwinden.
  2. Mit höchster Drehzahl der Gehäuselüfter, also bei maximaler Gehäuse-Kühlleistung.

Der CPU-Lüfter mit fixer Drehzahl

Damit die CPU-Temperatur ohne den Einfluss einer automatischen Steuerung gemessen werden kann, wird der CPU-Lüfter mit festen 600 U/min betrieben. Die GPU-Lüftersteuerung wird hingegen aktiv gelassen. Im Leerlauf stehen die Lüfter also still, unter Spiele-Last versuchen sie die GPU knapp unter der kritischen Zieltemperatur zu halten.

Der Geräuschpegel ohne aktive Geräuschquellen im Raum beträgt 33 dB. Die Skalierung der Einheit Dezibel (dB) erfolgt logarithmisch. Das bedeutet, dass eine Steigerung von 10 dB für das menschliche Empfinden etwa einer Verdopplung der Lautstärke entspricht. Die Raumtemperatur beträgt zum Testzeitpunkt 21,4 °C.

Lautstärke im Leerlauf und in Spielen

Bevor es an die Temperaturen geht, gilt der erste Blick wie immer der Lautstärke in den beiden Situationen. Beide Szenarien werden jeweils bei der 33,5 dB vor dem Gehäuse ergebenden Lüfterdrehzahl und bei voller Drehzahl erhoben.

Drehzahl für 33-dB-Modus Maximale Drehzahl
Front Heck Top Boden Front Heck Top Boden
Lian Li O11 Air Mini 670 U/min 770 U/min / 1.270 U/min 1.650 U/min /
Lian Li O11 Air Mini (Ref) 500 U/min 1.500 U/min 2.050 U/min 1.400 U/min

Die Analyse gibt insbesondere Aufschluss über das Lautstärkezuspiel der Grafikkarte. Unter Verwendung der ab Werk montierten Lüfter ist hier zu beobachten, dass sie unter maximaler Drehzahl in etwa so laut sind wie das System im lautlosen Modus mitsamt der Grafikkarte unter Last. Mit verbauten Referenzlüftern ist es hingegen wenig verwunderlich, dass die sechs Lüfter unter maximaler Drehzahl die Grafikkarte übertönen. Mit knapp 60 dB unter maximaler Drehzahl ist das Lian Li O11 Air Mini mitsamt den verbauten Referenzlüftern bislang außerdem das lauteste System der vergangenen Tests. Der Wert 60 dB entspricht dabei etwa einem lauten Gespräch auf ca. 1 m Entfernung oder einem Rasenmäher in ca. 10 m Entfernung.

Lautstärke nach Betriebsmodus – Front
  • Nur Gehäuse im Leerlauf (33,5 dB entspricht lautlos):
    • Lian Li O11 Air Mini Ref, max. U/min
      58,8
    • Lian Li O11 Air Mini, max. U/min
      45,1
    • Lian Li O11 Air Mini, lautlos
      33,0
    • Lian Li O11 Air Mini Ref, lautlos
      33,0
  • Gesamtsystem unter Last (Spiel):
    • Lian Li O11 Air Mini Ref, max. U/min
      59,1
    • Lian Li O11 Air Mini, max. U/min
      45,7
    • Lian Li O11 Air Mini Ref, lautlos
      40,9
    • Lian Li O11 Air Mini, lautlos
      37,2
Einheit: dB(A)

Hardware-Messwerte

Bei den Temperaturmessungen der Hardware wird schnell bewusst, dass das lautlose Messverfahren nichts für das Lian Li O11 Air Mini ist. Front und Deckel sind beinahe vollständig perforiert, sodass die Lüfter im lautlosen Betrieb zu stark gedrosselt werden müssen, um die Unhörbarkeit überhaupt zu erreichen. In allen Bereichen sind die mit den Standardlüftern erzielten Temperaturen gleichauf mit denen der Referenzlüfter im ebenfalls lautlosen Modus. Gerade letztere müssen in Summe um ca. 200 Umdrehungen pro Minute gegenüber den Werkslüftern gedrosselt werden. Hier zeigt sich also, dass stärkerer Durchzug wichtiger ist als mehrere Lüfterpositionen. Dessen ungeachtet ist festzuhalten, dass das Lian Li O11 Air Mini keinesfalls für Silent-Fans geeignet ist. Allerdings muss gesagt werden, dass die erzielten Temperaturen selbst im lautlosen Modus sehr gut sind. Sofern nicht nur zwischen lautlosem und maximalem Betrieb unterschieden werde würde, könnte das Lian Li O11 Air Mini mit einer gut angepassten Lüfterkurve sein vollständiges Potenzial ausspielen.

Diagramme
CPU-Temperatur (Tctl/Tdie)
020406080°C 150100150200250300350400450500550600650700750800850900

Unter optimierter Belüftung und mitsamt mehreren Lüftern ist das Lian Li O11 Air Mini ein wahrer Kühlmeister. Der Prozessor und die M.2-SSD bewegen sich unter Last durchschnittlich bei 54 bis 55 °C. Arbeitsspeicher und Spannungswandler werden mit einer Temperatur von ca. 40 °C nur etwas wärmer als handwarm. Alles zusammen überaus hervorragende Werte.

Demgegenüber steht wie immer die vollends unbeeindruckte Grafikkarte, die in egal welcher Lebenslage unter Last stets um 1.600 Umdrehungen agiert und deren Temperaturen im Durchschnitt bei 84 °C liegen. Das verbaute Modell kann nur als störrisch bezeichnet werden, da ihr im Test sogar zwei Noctua NF-A14 direkt Luft zublasen.

Messwerte im Vergleich zu anderen Gehäusen

Im direkten Vergleich mit dem Corsair iCUE 5000T RGB (Test), dem Cooler Master HAF 500 (Test), dem NZXT H510 Flow (Test) und nicht zu vergessen dem gläsernen Bruder Lian Li PC-O11 Dynamic Mini (Test) schneidet der aktuelle Proband überaus gut ab und kann sich zumeist den ersten oder zweiten Platz sichern.

Vergleich durchschnittliche Kühlleistung
Vergleich durchschnittliche Kühlleistung (CPU)
  • Mitgelieferte Lüfter, lautlos:
    • Cooler Master HAF 500
      63,7
    • Lian Li PC-O11 Air Mini
      67,4
    • Corsair iCUE 5000T RGB
      69,9
    • NZXT H510 Flow
      78,8
  • Mitgelieferte Lüfter, max. U/min:
    • Cooler Master HAF 500
      58,2
    • Lian Li PC-O11 Air Mini
      59,4
    • Corsair iCUE 5000T RGB
      61,8
    • NZXT H510 Flow
      65,9
  • Referenzlüfter, lautlos:
    • NZXT H510 Flow
      64,4
    • Lian Li PC-O11 Air Mini
      69,1
    • Cooler Master HAF 500
      70,7
    • Corsair iCUE 5000T RGB
      70,8
    • Lian Li PC-O11 Dynamic Mini
      78,6
  • Referenzlüfter, max. U/min:
    • Lian Li PC-O11 Air Mini
      54,1
    • NZXT H510 Flow
      54,4
    • Cooler Master HAF 500
      55,7
    • Corsair iCUE 5000T RGB
      59,1
    • Lian Li PC-O11 Dynamic Mini
      63,2
Einheit: °C

Im direkten Schlagabtausch steht das Modell vor allem mit den Cooler-Master und NZXT-Konkurrenten. Während das Cooler Master HAF 500 auf große 200-mm-Lüfter setzt und die bessere Werksbelüftung hat, setzt das NZXT H510 Flow auf ein ähnliches Belüftungskonzept wie das Lian Li O11 Air Mini. Mit Ausnahme der Spannungswandler liegen alle drei Gehäuse in allen übrigen Bereichen nahezu gleichauf. Bei den Spannungswandlern kann das O11 Air Mini hingegen 7,4 °C Vorsprung erzielen. In diesem Zusammenhang muss aber zwingend erwähnt werden, dass die benannten Nebenbuhler Staubfilter bieten. Ohne ebenjene sollte das O11 Air Mini eigentlich einen Vorteil haben, was jedoch nicht der Fall ist. Zusammenfassend ist zu sagen, dass größere Belüftungslöcher zusammen mit einem Staubfilter denselben Effekt wie kleine Belüftungslöcher ohne Filter haben dürften.

Sogar das Lian Li PC-O11 Dynamic Mini kann in manchen Bereichen auftrumpfen. Zusammen mit der hinteren seitlichen und der unteren Belüftung erzielt es im Vergleich gute Werte bei GPU und SSD. Über alle Bereiche unterliegt es jedoch und richtet sich weniger an Luftkühlungen.

Microsoft Build 2024 (21.–23. Mai 2024): Alle News auf der Themenseite!