Kraftway: SSDs mit erstem russischen Controller gesichtet

Michael Günsch
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Kraftway: SSDs mit erstem russischen Controller gesichtet
Bild: Servernews.ru

Auf einer Messe im russischen Jekaterinburg wurden Solid State Drives (SSD) ausgestellt, die mit dem angeblich ersten heimischen Controller bestückt sind. Der 8-Kanal-Controller von Kraftway unterstützt erst in zweiter Version PCIe 4.0, ist dafür aber augenscheinlich wenig leistungsstark.

Wie Tom's Hardware unter Berufung auf einen Bericht von 3D News Daily Digital Digest berichtet, wurden kürzlich auf der Fachmesse Innoprom 2022 zwei SSDs mit dem K1942VK018-Controller vom russischen IT-Riesen Kraftway gezeigt. Erst wenige Tage zuvor wurde berichtet, dass Kraftway gemeinsam mit einem chinesischen Partner im kommenden Jahr die ersten russischen SSD-Controller in Serie herstellen will. Eine Präsentation (PDF) liefert nähere Details zur Technik.

Kraftway K1942BK018 mit 8 NAND-Kanälen

Der K1942BK018, so die Kennung des Controllers, die von manchen Medien fälschlich mit dem Tippfehler „K1942VK018“ beschrieben wird, nutzt in der ersten Auflage vier Arm-Cortex-R5-Kerne, PCIe 2.0 x4 sowie NVMe 1.2.1 und wird in einem 40-nm-Verfahren bei TSMC hergestellt. Kombiniert mit NAND-Flash von Micron und Toshiba soll er eine Leistung von rund 830/680 MB/s beim sequenziellen Lesen/Schreiben erreichen und bei wahlfreien 4K-Transfers etwa 55.000/65.000 IOPS erzielen.

Details zum russischen Kraftway-Controller (übersetzt ins Englische)
Details zum russischen Kraftway-Controller (übersetzt ins Englische) (Bild: Kraftway)

Deutlich schneller soll die für das kommende Jahr geplante Version mit in einem 28-nm-Prozess gefertigten RISC-V-Kernen arbeiten. Mit sequenziell über 1.500 MB/s beim Lesen und Schreiben und wahlfrei über 200.000/150.000 IOPS sind die Leistungsprognosen dennoch ernüchternd, wenn man bedenkt, dass die eingesetzte Schnittstelle PCIe 4.0 x4 eine Bruttodatenrate von knapp 8 GB/s ermöglicht. Das Leistungsniveau würde sich in etwa auf Höhe einer westlichen Mainstream-SSD mit PCIe 3.0 x2 bewegen. Von leistungsstarken Controllern wie dem Phison E18 wäre Russland damit noch meilenweit entfernt.

Bis 16 TB mit QLC-NAND

Dennoch ist der zweite Schritt aus technischer Sicht ein großer. Die Zahl der Speicherkanäle bleibt zwar bei acht, doch können pro Kanal mehr Chips angesprochen werden und dank leistungsstärkerer LPDC-Engine zur Fehlerkorrektur werde auch TLC- und QLC-NAND unterstützt. Somit soll der „Kraftway ASIC v2.JBOD“ SSDs mit bis zu 16 TB ermöglichen. Als NAND-Flash-Lieferant wird zusätzlich der chinesische Newcomer YMTC aufgeführt.

Die Frage um die Fertigung bleibt

Angesichts der angespannten Lage durch den Ukraine-Krieg ist aber sehr fraglich, ob die Pläne zur Massenfertigung der Controller wie geplant umgesetzt werden können. Denn eigentlich hat TSMC die Lieferungen an Russland gestoppt. Laut einem Bericht habe ein Manager von Kraftway erklärt, dass die Herstellung nun an „eine andere Fabrik“ vergeben werde, doch ist nicht bekannt, welche dies sein soll.

Details zum russischen Kraftway-Controller (übersetzt ins Englische)
Details zum russischen Kraftway-Controller (übersetzt ins Englische) (Bild: Kraftway)
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