Urheberrecht ungeklärt: Valve untersagt Spiele mit KI-generierten Inhalten

Update Michael Günsch
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Urheberrecht ungeklärt: Valve untersagt Spiele mit KI-generierten Inhalten
Bild: Mohamed Hassan | CC0 1.0

Künstliche Intelligenz birgt bekanntlich Chancen aber auch Risiken. In letzte Kategorie fallen Videospiele, die von KI erstellte Grafiken und Texte nutzen, welche wiederum auf urheberrechtlich geschütztem Material basieren. Solche Spiele lässt Valve auf seiner Plattform Steam nicht zu, wie aus Schreiben an Entwickler hervorgeht.

Ein solches Schreiben wurde kürzlich auf Reddit veröffentlicht. Darin richtet sich Valve an einen Entwickler, der selbst zugibt, in seinem Spiel „ziemlich offensichtlich KI-generierten Inhalt“ verwendet zu haben. Bei der Prüfung durch Valve fiel dies auf und eine Veröffentlichung auf Steam wurde mit der Begründung, dass einige der KI-generierten Ressourcen „offenbar auf urheberrechtlich geschütztem Material Dritter beruhen“, untersagt. Sofern der Entwickler keine Rechte an dem Ausgangsmaterial vorweisen kann, könne das Spiel nicht herausgebracht werden. Der Entwickler habe nun die einmalige Chance, das betreffende Material zu entfernen, um der Absage zu entgehen.

Daraufhin habe der Entwickler nach eigenen Angaben die Grafiken selbst so angepasst, dass „es keine offensichtlichen Anzeichen von KI mehr gab“ und das Spiel erneut vorgelegt. Doch wieder gab es eine Absage von Valve mit der Begründung ungeklärter Rechte an dem Material. Der Entwickler geht davon aus, dass sein Spiel schlicht „wegen KI-generiertem Inhalt gekennzeichnet“ wurde und daher grundsätzlich abgelehnt wird. Andererseits habe er schon andere Spiele auf Steam gesehen, in denen sogar mit dem Einsatz von KI geworben wird. „Es scheint also, dass Valve noch keinen wirklichen Standardansatz für KI-generierte Spiele hat“, so der Entwickler weiter. Zumindest im Moment scheine Valve aber vorsichtig zu sein und nicht bereit, KI-generierte Inhalte zu veröffentlichen.

Wie wird geprüft? Wie belegt?

Der Indie-Entwickler Jake Birkett äußert sich zu diesem Thema in einem Thread auf Twitter und stellt die Frage danach, wie denn Valve bei der Prüfung nach KI-generierten Inhalten in Spielen überhaupt vorgeht. „Was ist mit Fehlalarmen?“ und „welche Art von Beweisen benötigt Valve?“ sind berechtigte Fragen zu dem komplexen Problem.

Da kaum ein Entwickler genug eigene Grafiken für das Training einer KI besitze, werde „KI-Kunst effektiv verboten“, schlussfolgert Birkett.

Aus nicht genannter aber aus seiner Sicht vertrauenswürdiger Quelle stammt der Auszug aus einem weiteren Schreiben von Valve. Darin werden auch KI-generierte Texte untersagt, bei denen die Rechte am Ausgangsmaterial zum Training der KI nicht geklärt werden können.

KI-Inhalte und Urheberrecht sind ein Thema, mit dem sich aber nicht nur die Spielebranche ernsthaft auseinander setzen muss.

Update

Gegenüber Eurogamer hat sich Valve inzwischen zu den Berichten geäußert. Das Unternehmen hinter der Steam-Plattform werde sich weiterhin über Künstliche Intelligenz an sich, die Art und Weise, wie sie in der Entwicklung von Spielen eingesetzt wird, und über die Möglichkeiten der Überprüfung solcher Spiele und deren Zulassung informieren.

Generell wolle man auf Steam so viele Titel wie möglich veröffentlichen, doch mit der Einführung von KI werde der Prozess erschwert. Es sei nicht immer einfach festzustellen, ob der Entwickler über ausreichende Nutzungsrechte in Verbindung mit KI-generierten Inhalten verfügt. Es liege zudem stets beim Entwickler, dafür zu sorgen, dass die nötigen Rechte (etwa kommerzielle Lizenzen) vorliegen. Grundsätzlich wolle Valve aber den Einsatz von KI bei Spielen auf Steam nicht untersagen: „Wir wissen, dass es sich um eine sich ständig weiterentwickelnde Technologie handelt, und unser Ziel ist es nicht, die Verwendung dieser Technologie auf Steam zu verhindern“.

Es müsse jetzt schlicht dafür gesorgt werden, dass die Bewertungsrichtlinien bei Valve mit Hinblick auf KI angepasst werden. Letztlich würden diese Richtlinien aber die aktuell geltenden Urheberrechtsgesetze widerspiegeln. Auch diese müssten sich im Laufe der Zeit weiterentwickeln.

Abschließend heißt es in dem Statement, dass die zur Vorlage eines Titels für die Veröffentlichung bei Steam nötigen Gebühren (app submission credits) in solchen Fällen an die Entwickler zurückerstattet werden sollen.