lucid dream schrieb:
Fakt ist: jeder Haushalt kann theoretisch seinen gesamten Energiebedarf selbst decken ( Stichwort: Passivhaus).
Mit Verlaub, das ist leider falsch. Mit einem Passivhaus läßt sich der Heizenergiebedarf komplett decken, indem die Wärme der im Haus lebenden Menschen und der dortigen Elektrogeräte komplett drinnen gehalten wird. Das reicht dann tatsächlich. Davon läuft aber noch lange kein Herd, keine Waschmaschine, kein Fernseher und kein Computer.
Wann muss also ganz deutlich zwischen Heizenergie und sonstigem Energiebedarf - also im Grunde der Stromversorgung - trennen.
mrgraphicsguy schrieb:
Jeder Haushalt, das ist richtig. Gilt aber nur für Einfamilienhäuser und nicht mehr, sobald du in die Wohnbezirke mit Mietshäusern mit mehreren Mietparteien gehst. So groß sind die Dächer dann doch wieder nicht, die Nachrüstung solcher Technik an vielen Orten ist schlichtweg nicht möglich (technisch sowie finanziell). Eine sich derartig selbst versorgende Stadt mag bis zu gewissen Grenzen funktionieren, aber wie Hamburg, Berlin, München, Köln etc. mit Sonnenenergie versorgt werden sollen, scheint mir fraglich.
Auch hier geht´s durcheinander.
Die Passivbauweise hat nichts mit Ein- oder Mehrfamilienhäusern zu tun, sondern eher etwas mit Neu- und Bestandsbauten. Bestandsobjekte auf Passivhausstandard zu bringen ist fast nicht möglich, aber da können dann evtl. erneuerbare Ernergien wie Solarkollektoren oder Erdwärmepumpen für Verbesserungen beim Heizen sorgen. Wobei diese Techniken dann wieder Strom benötigen ...
Mit Bezug auf die Kernenergie hat die Frage der richtigen Heizung von Wohngebäuden also nur dann eine Bedeutung, wenn man die Abwärme von KKWs zur Speisung von Fernwärmenetzen nutzt, da die direkte Stromheizung heute kaum noch eine Rolle spielt, wegen extremer Ineffizienz.
Aber auch diese Frage ist eigentlich eher egal, denn irgendwie ist es immer sinnvoller, vorhandene Wärme, wie immer sie erzeugt wurde, auch zu nutzen, als sie über Kühltürme einfach in die Umwelt zu verblasen. Somit reduziert sich die Frage der Kernkraft imho imho lediglich auf die Frage der Stromerzeugung.
mrgraphicsguy schrieb:
Und der Bedarf ist einfach NICHT mit alternativen Energieträgern zu decken.
Das Problem ist aber mehr die Verfügbarkeit als die Erzeugung. Vielleicht sollte man an Speichermöglichkeiten arbeiten, um Nächte und windarme Tage zu überbrücken. Mit Speicherstauseen und Druckluftspeichern wird ja auch tatsächlich schon ein Anfang gemacht.
Kernkraft hat zwar aktuell den Charme der CO2-armen (nicht freien!) Stromerzeugung, aber unter Kostenaspekten ist sie eigentlich chancenlos. Kernkraft ist nur billig, weil die Kosten ohnehin von der Allgemeinheit der Steuerzahler getragen worden sind, wie auch die Risiken. Dieses findet sich im Preis nicht wieder. In einer Vollkostenbetrachtung müßte sie sich hinter jeder anderen Form der Stromerzeugung wiederfinden.
Viele Grüße, Tiguar