Ich habe keine Angst vor der Atomkraft, aber ich habe Respekt vor ihr. Respekt habe ich vor der Atomkraft, weil ich weiß, was da abläuft. Das ist der (/mein) entscheidender Unterschied (im Gegensatz zu manch Anderen hier).
Vor Augen halten muss man sich:
1. Wir haben stets eine natürliche und
kosmische Strahlung um uns.
2. Radioaktivität ist keine Erfindung der Menschen, sondern ein
natürliches Phänomen.
Um sich ein Grundverständnis anzueignen muss man sich vorweg zumindest fragen:
Was ist Uran und was kann Uran sein? Was ist Plutonium?
Was ist radioaktiver Zerfall?
Was ist atomarer Müll? Wie wird dieser (End-)gelagert?
Ich bin mal so frei und gebe mal auf diese Fragen ein paar entscheidene Hinweise;
Also der Reihe nach:
Uran ist ein natürlich vorkommendes, sogenanntes radioaktives Isotop. Es zerfällt mit der Zeit und wandelt einen Teil seiner Masse in radioaktive/ thermische Energie um. Dementsprechend besagt auch die berühmte Fromel
E (Energie) = m (Masse) * c² (Lichtgeschwindigkeit²), dass die Energie proportional zur Masse ist.
Es gibt verschiedene Uran-
Isotope. Die gängigsten Isotope sind das
natürlich vorkommende Uran-238 (Halbwertszeit:
4,5 Mrd. Jahre) und das in deutschen Atomkraftwerken gängige, angereicherte, spaltbare
Uran-235. Man weiß: Je höher die Halbwertszeit, desto schwächer strahlt ein Element und desto ungefährlicher ist es (in der Regel).
Die Strahlung die von (natürlichem) Uran ausgeht besteht zum größten Teil aus sog. Alpha-Komponenten.
Ein "Alpha-Strahl" ist durchaus hochenergetisch und extrem stark ionisierend (~ schädigend), kann allerdings schon durch ein Blatt Papier oder durch eine 10cm dicke Luftschicht abgeschirmt und somit neutralisiert werden.
Plutonium ist ein noch stärkerer Alpha-Strahler als Uran und hat vergleichbare Charakteristika.
Plutoniumoxid, wie es häufig in Kernkraftwerken im Ausland als Brennstoff verwendet wird, ist ein hochstabiler Stoff und in Wasser
nicht löslich.
Durch den radioaktiven Zerfall entstehen im und am Brennelement
neue (radioaktive) Stoffe und sogenannte Spaltfragmente und
Transurane.
Ein frisches/ neues Brennelement für ein dt. AKW besteht zu 99,9999999% aus
Uran-238 und
Uran-235 (ca. 3%) (angereichertes, spaltbares Uran).
Nach ca. einem Jahr hat dieses Brennelement ausgedient ("abgebrannt") und besteht nun aus folgenden Komponenten:
95% Uran-235 (Uran im natürlichen Zustand)
1% Uran-238 (angereichertes, spaltbares Uran)
1% Plutonium-239 (angereichertes, spaltbares Plutonium)
3%
Spaltfragmente (2,9%) und
Transurane (<<0,1%)
Was macht nun den
"Radioaktiven Müll" aus? Viel weniger als man glaubt.
Nachdem ein Brennelement abgebrannt und abgeklungen ist, wird es nach Frankreich oder England in Aufbereitungszentren gebracht und dort recyclet. Unerwünschte Stoffe (Transurane/ Spaltfragmente) werden aus dem Brennelement entfernt und das fast reine (natürliche) Uran wird aufbereitet und kann abermals als frisches Brennelement genutzt werden. Der Rest welcher von der Aufbereitung übrig bleibt nennen wir eben "Atomaren Müll" und dieser ist zur Endlagerung bestimmt. Dementsprechend werden 97% eines abgebrannten Brennelementes verwertet und wiederverwendet.
Beispiel: Ein deutsches Atomkraftwerk muss ein mal pro Jahr mit neuen Brennelementen bestückt werden. Die Masse einer Bestückung beläuft sich auf ca. 3 metrische Tonnen. Die alten Brennelemente werden wie oben beschrieben recyclet. Die endzulagernde Gesamtmasse der durch die Kernspaltung entstandenen Spaltfragmente und Transurane, sowie die durch die Aufbereitung kontaminierten Materialen beläuft sich auf unter 500kg (pro Jahr, pro Atomkraftwerk). Von diesen 500kg radioaktivem Endmüll sind:
unter 1%: Hoch radioaktiver Abfall
ca. 5-10%:
Moderat radioaktiver Abfall
90-95%: Schwach radioaktiver Abfall (80% Wiederverwertung nach ca. 50 Jahren Abklingzeit möglich)
Erläuterung:
1.
Hoch radioaktiver Abfall:Unter hoch radioaktivem Abfall versteht man die Sorte an radioaktivem Abfall, welche man nicht ohne weiteres endlagern kann. Der Abfall ist hoch energetisch (einige wenige Spaltproduckte) und es bedarf eines Spezialbehältnisses, welches mitunter auch knapp 300°C (veursacht durch den Abfall) heiß wird. Die Endlagerung dieser Behältnisse kann erst nach einigen Jahren erfolgen. Diese Art von Müll wird hermetisch zwischengelagert.
2.
Moderat radioaktiver Abfall: Diese Sorte an Abfall ist die populärwissenschaftlich und in den Median am häufigsten diskutierte. Moderat radioaktiver Abfall kann beinahe bedenkenlos in Stahl-Blei-Beton-Fässern eingebettet und endgelagert werden. Dazu zählen einige Spaltprodukte und einige bei der Wiederverwertung verwendeten Stoffe.
3.
Schwach radioaktiver Abfall: Dieser Abfall strahlt maximal grenzwertig zum
moderat radioaktivem Abfall und wird analog dazu ähnlich behandelt und endgelagert. Dazu zählen einige Spaltprodukte, Transurane und viele bei der Wiederverwertung verwendeten Stoffe.
Diese kurze Übersicht strebt keine Vollständigkeit an. Der Hintergrund ist definitiv tiefgründiger und komplexer.
Ich wollte nur gegen folgendes vorsorgen ->

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Unyu schrieb:
Ja tut mir leid dich zu entäuschen.
Objektiv betrachtet, muss man den Kurs der Franzosen für sehr gefährlich halten.
Sie sind vollkommen abhängig vom AKW, ist das so gut?
Mit Sicherheit ist so ein krasser Einschlag ohne oder mit kaum Alternativen nicht der beste. Ich halte den französischen Schritt dennoch für den effektivsten und zukunftssichersten.
Und: Ist es denn so gut, dass wir zu 65% auf Kohle- und andere Fossilkraftwerke setzten und in Zeiten immer knapper werdenden fossilen Ressourcen sogar noch neue Kohlekraftwerke etablieren?
Unyu schrieb:
Wenn es so kommen sollte, dann kannst du davon ausgehen, das wir ins 2. Atomzeitalter einsteigen.
Ganz egal ob jemand dagegen ist.
Ich bin bei aller gebotener Skepsis sogar ziemlich sicher, dass es so kommen wird.
sudfaisls Ansicht kann ich zumindest teilen:
sudfaisl schrieb:
Klartext: Abschalten: Ja, aber erst dann, wenn es vertretbar ist, und das ist nicht 2021 !
Unyu schrieb:
Dann zahlt man dem Betreiber jetzt die Abschaltung, die in 20 Jahren stattfindet und in 40 Jahren den Neubau.
Und genau das halte ich für ein wirtschaftliches und steuertechnisches Nogo, richtig.
Unyu schrieb:
Meine Grafikkarte ist so verschwenderisch wie deine.
Glaub mir, auf das Thema wollte ich jetzt wirklich nicht hinaus. Ich hatte es nicht umsonst in Klammern gesetzt ...
Unyu schrieb:
Ich verstehe deine Frage nicht.
Meinst du, unsere Nachkommen werden sich über Atommüll freuen?
Ich wollte von dir erklärt bekommen, was du unter Atommüll (und ich rede hier wirklich von Müll) verstehst.
Unyu schrieb:
Schwer zusammen zu zählen.
Einmal wäre da die Kinderleukämie
...
Magst du weiterzählen?
Natürlich führt der geschmolzene RBMK der Russen die Statistik an, das bestreite ich nicht.
Wenn wir schon in Prypiat sind: Wie viele Opfer geben die schön gerechneteten Zahlen zu?
Wie viele sinds wirklich?
Ich würde die Fakten ebensowenig überdramatisieren wie ich sie verleugnen würde.
Ja! Atomkraft kann gefährlich sein! Das würde ich auch niemals bestreiten! Aber ich weiß, wie man in Deutschland und in der EU mit Atomkraft umgeht. Ich kenne die Restriktionen und Auflagen, und unter eben den selben fühl ich mich sehr sicher.
Verstehen kann ich nur nicht Leute die sich vor Kastor-Züge schmeißen, Stahlboltzen an Gleise schweißen o.Ä. und sich selbst und andere, sogar ganze Dörfer mit dieser Ur-Hirnrissigkeit in Gefahr bringen! Da sehe ich ein Sicherheitsmanko!
Ich bin mir auch im Klaren dass nicht alle Staaten dieser Welt die Vorraussetzungen für sicheren Atomstrom (beispielsweise in der Bundesrepublick) erfüllen. Da ist definitiv Nachholbedarf.