Bedingungsloses Grundeinkommen für jeden

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An der generellen Arbeitszeitverkürzung führt meines Erachtens kein Weg vorbei, wenn man weiter Nahe der Vollbeschäftigung sein will, worauf unsere deutschen Sozialversicherungssysteme ausgelegt sind.
Die Löhne/Gehälter sind trotz Arbeitszeitverkürzung wohl anscheinend stabil geblieben (link1, link2), was bedeuten würde, dass das vorhandene Lohnbudget sich auf mehr Leute aufteilt und der mit Arbeitszeitverkürzung auch durchschnittlich weniger verdient hat. Das Vorhandene wird nur auf mehr Leute aufgeteilt = Absinken der Einkünfte der besseren Hälfte zu Gunsten der unteren Hälfte.
Ich habe mir das aber im Detail nicht angeschaut. Gibt vielleicht sogar genauere explizite Analysen hierzu.
 
Lübke schrieb:
@Hypeo:
ich will das hier nicht vertiefen, da es ot wäre, aber lies dich bitte mal zum thema leibeigenschaft ein. weniger unterdrückt als heute? das glube ich nicht.
Sklaverei?
Schau dir mal die USA im vorletzten Jahrhundert an.
Der Reichtum der Oberschicht stammt aus Ausbeutung. Das waren damals Kapitalisten, vergiss das nicht. Es war dasselbe System, bloß unregulierter.
Die Sklaverei im Mittelalter ist nichts im Gegensatz zu dem, was darauf folgen sollte.

Und was sind Lohnabhängige denn anderes als Sklaven? Du arbeitest nicht, du stirbst! Ich brauche deine Arbeit nicht, du stirbst!
Dank des durch das Volk erzwungenen Sozialsystems wurde das entschärft, aber selbst dort gilt heute: Du arbeitest nicht, du bekommst nichts!
Zuckerbrot und Peitsche ... Wie Vieh werden die Menschen hierzulande getrieben.

Aber wir können (gegebenenfalls nach deiner Antwort selbstverständlich) diesen Zweig der Diskussion beenden. Die Positionen sind meine ich mittlerweile soweit klar.
 
Und was sind Lohnabhängige denn anderes als Sklaven?
menschen mit rechten die ihren beitrag zur gesellschaft leisten im gegensatz zu nichtarbeitenden menschen?

aber selbst dort gilt heute: Du arbeitest nicht, du bekommst nichts!
hier in deutschland? du kennst aber schon das sgb, ja?

Zuckerbrot und Peitsche ... Wie Vieh werden die Menschen hierzulande getrieben.
es gibt hier durchaus soziale ungerechtigkeiten, aber das was du da schreibst halte ich für unfug. man muss (besser gesagt sollte) seinen lebensunterhalt selbst bestreiten, sonst geht es einem weniger gut als jemandem, der für sein geld arbeitet.
 
Als 1 EUR Jobber gehört man quasi dem Arbeitsamt. Verneint man den Job wird man sanktioniert. Man hat also keine Wahl.
Eine Steigerung der persönlichen Leistung in diesem Job führt dabei aber nicht zu einer Erhöhung des Einkommens.
Die Sanktionen wiederum können bis auf 0 gefahren werden.

Bei Leibeigenen und auch Sklaven hatte der Halter für die Kosten der Unterkunft und Verpflegung aufzukommen.
Leibeigene gaben einen Teil ihrer Arbeit(serzeugnisse) ab. Eine höherere Leistung führte also zu mehr Wohlstand.
Ich sehe da Punkte in dem ein Leibeigener durchaus besser weg kommt.
 
Bei Leibeigenen und auch Sklaven hatte der Halter für die Kosten der Unterkunft und Verpflegung aufzukommen.
also wenn wir unser sozialsystem so ändern, dass es den menschen genau so geht, bist du zufrieden? arbeitslose werden in eine scheune gepfercht wo sie auf dem stroh schlafen können und mit wasser und brot am leben erhalten um dann am tag 10 - 12 stunden knochenarbeit zu leisten unter misshandlung der aufseher und bleiben auf dem hof des herren eingesperrt?
ich denke da würde der sozialstaat sicher mit sich reden lassen, wenn alle sozialhilfeempfänger das so einfordern würden. die kosten für das sozialsystem würden auf unter 1% fallen, was auch die lohnnebenkosten der anderen sklaven = arbeitnehmer (in anlehnung an den vergleich von Hypeo) senken würde.

also allein der vergleich ist schon haarstreubend, dann auch noch zu dem schluss zu kommen, den leibeigenen würde es besser gehen... -.-

ich glaub an dieser stelle hat die diskussion keinen sinn mehr.
 
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Ich denke die traurige Wahrheit ist, dass Reichtum auf Armut anderer basiert, so lange man nicht alle Bedürfnisse einfach herbeizaubern kann.

Wären wir alle Lottogewinner, wer würde uns denn im Restaurant bedienen, Wäsche waschen, putzen, freiwillig im Atomkraft arbeiten, Müll abtransportieren, auf Felder arbeiten, Fleisch verarbeiten, für Strom sorgen, etc. ...

Generell meine ich, basiert das Handeln einzelner auf Anreiz-, Belohnungs- oder Bestrafungssysteme.

Ich zb stehe auf und gehe brav und pünktlich arbeiten (mal schnell hingeschrieben)
damit ich mir gutes Essen kaufen,
in andere Länder reisen kann,
meine Eltern nicht enttäusche,
meiner Freundin nette Sachen schenken kann,
ordentlich Party machen kann.

Angenommen durch das Grundeinkommen fällt das Arbeitskräfteangebot für gewisse Jobs weg, dann wird es wohl andere Gründe, Ventile, Systeme geben, damit wieder ein Anreiz entsteht die Jobs zu besetzen. Oder wir sind uns einig und gehen gemeinsam zurück in die Höhlen ;-)
 
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chris07 schrieb:
Ich denke die traurige Wahrheit ist, dass Reichtum auf Armut anderer basiert, so lange man nicht alle Bedürfnisse einfach herbeizaubern kann.
Damit bin ich zufrieden. Mich stört die Ausbeutung nicht, wenn gesagt wird, dass sie stattfindet und wenn man auch sagt, dass man sie will, dass sie nötig ist.

Nochmal kurz zur Sklaverei im Mittelalter. Nach dem Abzug der Römer hat jegliche Form der Unterdrückung abgenommen. Sklaverei ist da geblieben, aber sie war weniger brutal als zuvor. Und weniger brutal als danach.
Das Mittelalter ist sozusagen ein Tiefpunkt der Unterdrückung. Keineswegs wurden die Leute nicht unterdrückt. Das will ich gar nicht behaupten. Die Herrscher waren - nunja - Herrscher.
Mit der Ersetzung der Herrschaft durch echte Demokratie wäre dort eine durchaus nachhaltige Situation auf der Basis des Bodens Europas möglich.

Nun leben wir nicht im Mittelalter und wir müssen unser Wissen seitdem nicht wegwerfen. Eine Kombination von beidem - der Nachhaltigkeit des Mittelalters - und der Technologie bis in die Moderne (bitte ohne die Bombe) wäre ein zukunftsfähiger Lebensstil für die Europäer.

Und damit möchte ich meine Diskussionsteilnahme vorerst abschließen.
 
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S1l3nt schrieb:
Warum Möbel und Pc,ich kaufe doch nicht jeden Monat was für den Pc und Möbel auch nicht.
Möbel und Einrichtung musst du Anteilig mitrechnen, wenn du ehrlich rechnen willst. Oder kommt alles vom Sperrmüll?

Ebenso fehlt Krankenkasse, GEZ.

Bezüglich Ferien kanns natürlich sein, das du die lieber auf dem Balkon verbringst. Aber so eine Lebenseinstellung ist auch mit H4 möglich.
 
chris07 schrieb:
Angenommen durch das Grundeinkommen fällt das Arbeitskräfteangebot für gewisse Jobs weg, dann wird es wohl andere Gründe, Ventile, Systeme geben, damit wieder ein Anreiz entsteht die Jobs zu besetzen. Oder wir sind uns einig und gehen gemeinsam zurück in die Höhlen ;-)
Eine Grundsicherung (ob nun über ein BGE oder ein anderes Sytem) soll doch vor allem das ÜBERleben von der Erwerbsarbeit abkoppeln ... Scheiß Chef? Job wechseln ... scheiß Kollegen ... job wechseln ... momentan bist du da wenig flexibel, denn für jemanden, der erst ein paar Jahre mit €2000,- im Monat gerechnet hat, für den wird H4 echt hart ... da bleiben Viele lieber unzufrieden im alten Job. Der macht sie vielleicht fertig, und wird vielleicht im Vergleich zu anderen Stellen etwas schlecht bezahlt, aber die Kohle ist wenigstens sicher.
Um diese Abhängigkeiten geht es ... auch beim BGE.

Und es geht auch um soziale Gerechtigkeit:
Ich arbeite ja als Privatlehrer ... und da ich auf diese Geld angewiesen bin (und das auch so wäre, wenn ich nicht noch aufstocken müsste) bin ich gezwungen, einen relativ kleinen Verhandlungsspielraum bei den Preisen einzuräumen ... €80,- im Monat gehen nicht klar? ... na dann ... Tschüss.
Mit BGE (oder einer ähnlichen Absicherung) könnte ich auch Kinder unterrchten, deren Eltern z.B. nur €40,- im Monat ausgeben können ... momentan muss ich mir eher Vorwürfe anhören, dass ich überhaupt irgendwas unentgeltlich zu tun bereit bin ... und so blöd das für viele klingen mag, das Leben in einem System, in dem man nur arbeiten will, wenn das auch bezahlt wird? Ein solches Leben erzieht zu Faulheit ... denn ohne Geld machen die gut assimilierten nicht einen Finger krumm.

Mutter: "Sohn, bringst du bitte mal den Müll runter und stellst die tonne an die Strasse - morgen ist Müllabfuhr"
Sohn "was zahlste?".
Vater: "TASCHENGELD DU SACK, ab jetzt!"

KEINE Gesellschaft tut sich mit sowas einen Gefallen ... in solch einer Gesellschaft eine Institution zu schaffen, die Arbeit überlebenunwichtig macht, wäre für die Erwerbswelt wohl wirklich tödlich.
Ich bin gegen ein BGE ... weil IHR dafür einfach zu faul seid.
 
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hypeo schrieb:
Und was sind Lohnabhängige denn anderes als Sklaven? Du arbeitest nicht, du stirbst!
Ist das nicht sehr übertrieben? Sind die Millionen deutschen/europäischen Arbeitslosen inkl. Langzeitarbeitslosen gestorben?

Ganz wichtig! Es wird Niemand in unserem System in Lohnarbeit gezwungen! Jeder darf sich selbständig machen und in fast allen Berufen sein eigener Chef sein. Das ist wirklich ein ganz wichtiger historischer Umstand und eine Abgrenzung zu alternativen Gesellschaftssystemen!

hypeo schrieb:
Wie Vieh werden die Menschen hierzulande getrieben.
Deine persönliche Ansicht. Deckt sich überhaupt nicht mit meinen Alltagserfahrungen. Weis nicht, ob sich da eine weitere Diskussion auf sachlicher Ebene mit Dir und Gleichdenkenden lohnt.

wiztm schrieb:
Als 1 EUR Jobber gehört man quasi dem Arbeitsamt....Bei Leibeigenen und auch Sklaven hatte der Halter für die Kosten der Unterkunft und Verpflegung aufzukommen.
Leibeigene gaben einen Teil ihrer Arbeit(serzeugnisse) ab. Eine höherere Leistung führte also zu mehr Wohlstand.
Ich sehe da Punkte in dem ein Leibeigener durchaus besser weg kommt.
So so, Leibeigene hatten also Wohlstand. Noch so ein Realitätsverweigerer mit mangelhaften Historiekenntnissen.

Was hindert den 1 Euro jobber im Vergleich zum Leibeigenen, sich eine andere, besser bezahlte Arbeit zu suchen oder neben seinem Job vom Arbeitsamt, wofür er immerhin Miete/409€/Vergünstungen/+Arbeitslohn bekommt, noch eine weitere Beschäftigung bis zur Hinzuverdienstgrenze auszuüben?
Unterkunft und Verpflegung waren nicht für alle Leibeigene zu stellen. Das galt nur für Sklaven und selbst da lag es stets im Ermessen des Eigentümers, ob und wie gut.

Chris07 schrieb:
Ich denke die traurige Wahrheit ist, dass Reichtum auf Armut anderer basiert, so lange man nicht alle Bedürfnisse einfach herbeizaubern kann.
Das trifft doch nur zu, wenn man auch die Bedürfnisse eines Reichen hat. Ist dies moralisch ok (Ressourcenverbrauch u.ä.)?
 
ThomasK_7 schrieb:
Ganz wichtig! Es wird Niemand in unserem System in Lohnarbeit gezwungen! Jeder darf sich selbständig machen und in fast allen Berufen sein eigener Chef sein. Das ist wirklich ein ganz wichtiger historischer Umstand und eine Abgrenzung zu alternativen Gesellschaftssystemen!
Die Hürden sind zumindest in Deutschland so hoch, das es kaum Jemand macht. Zumindest wenn man all die Scheinunternehmen ausklammert, die aus Steuerlichen oder Sozialen Grünen ein Unternehmen haben, das keine Existenz sichert.
 
Das es für Dich schon zu hoch ist, einen Gewerbeschein zu beantragen oder eine Gewerbeanmeldung zu tätigen, ist mir schon klar.
Oder meintest Du, die Hürden für Qualitätsarbeit beim Kunden sind zu hoch?
Kann ich mir bei Dir nach Deinen bisherigen Verlautbarungen hier ebenso vorstellen.
 
Die Statistik spricht für sich. Du kannst wie deine Kanzlerin gegen die Wand rennen oder einfach mal die Realität betrachten. Deutschland steht international hinten.

Also liegt es vielmehr an den Deutschen wie dir, wenn es angeblich nicht an der Bürokratie liegt. Wären wir wieder bei der Realitätsverweigerung. Wenn es an den Deutschen wie dir liegt, solltest du dir mal Gedanken machen.
 
Hallo

Unyu schrieb:
Die Hürden sind zumindest in Deutschland so hoch, das es kaum Jemand macht.
Ah wieder ein Unyu Spezial, selten so einen Unsinn gelesen.
Die Hürden sind so lächerlich tief, das es unzählige Türken mit mangelhaften Deutschkenntnissen schaffen einen Handy/Gemüse/Döner/Friseur Laden oder sonst was zu eröffnen, anscheinend sind die Hürden für Deutsche zu hoch.
Ich würde sagen es liegt nicht an den angeblich zu hohen Hürden, sondern eher am mangelnden Mut von vielen Deutschen, die Deutschen sind ein verwöhntes Volk was Sicherheit im Leben angeht, dank des guten Sozialsystems.
In den meisten Ländern gibt es nicht so ein gutes Sozialsystem wie in Deutschland, in anderen Ländern sind die Menschen gezwungen sich selbstständig zu machen wenn sie keine Arbeit als Angestellte bekommen.

Unyu schrieb:
Die Statistik spricht für sich.
Die Statistik mag zwar aussagen das es in Deutschland verhältnismäßig wenig Selbstständige gibt, aber die Statistik sagt nichts über die Gründe aus.

Grüße Tomi
 
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Du glaubst auch echt, das ein Gemüseladen mehr Gewinn abwirft als z.B. ein Ingenieur bei BMW verdient.

Die vielen Berliner Abrissunternehmer osteuropäischer Herkunft haben nicht den Zweck viel bzw. überhaupt Gewinn zu erwirtschaften.

Es ist wieder mal typisch, das du nun den Gemüseladen als grandiose Selbstverwirklichung anpreisen musst. Quasi auf eine Stufe mit der Garage aus der Microsoft hervorging.

Die Statistik mag zwar aussagen das es in Deutschland verhältnismäßig wenig Selbstständige gibt, aber die Statistik sagt nichts über die Gründe aus.
Das Ergebnis zählt. Du glaubst natürlich das die Deutschen zu blöd sind. Dein gutes Recht dich und deine Mitmenschen als blöd anzusehen. Ich konzentriere mich lieber auf die Zahlen und die sagen: Selbstständigkeit ist in Deutschland eine Randerscheinung, im Gegensatz zu anderen Ländern.
 
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Hallo

Unyu schrieb:
Ich konzentriere mich lieber auf die Zahlen und die sagen: Selbstständigkeit ist in Deutschland eine Randerscheinung, im Gegensatz zu anderen Ländern.
Dann sollten wir mal das deutsche Sozialsystem auf das Niveau dieser anderen Länder runter setzen, du würdest dich wundern wie die Anzahl der Selbstständigen hoch schnellen würde.
Du willst die Zahlen halt so sehen wie sie dir in den Kram passen, aber das gute deutsche Sozialsystem und die daraus resultierende soziale Sicherheit ist der Hauptgrund für die geringe Anzahl an Selbstständigen in Deutschland.

Unyu schrieb:
Du glaubst natürlich das die Deutschen zu blöd sind.
Schaffst du es nicht zu argumentieren ohne zu lügen und Aussagen zu verdrehen ? Ich habe nirgendwo etwas von zu blöd geschrieben.

Grüße Tomi
 
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Unyu schrieb:
Du glaubst auch echt, das ein Gemüseladen mehr Gewinn abwirft als z.B. ein Ingenieur bei BMW verdient.

Eben, uns geht es so gut, wir müssen die Risiken und Anstrengungen der Selbstständigkeit gar nicht auf uns nehmen. Selbstständig heißt oftmals 60h pro Woche. Dann doch lieber 35h bei BMW und 5000€ im Monat mit nach hause nehmen. Oder die ~1000€ vom Sozialsystem kassieren, ist einfacher als 60h die Woche zu arbeiten.
 
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Tomislav2007 schrieb:
Du willst die Zahlen halt so sehen wie sie dir in den Kram passen, aber das gute deutsche Sozialsystem und die daraus resultierende soziale Sicherheit ist der Hauptgrund für die geringe Anzahl an Selbstständigen in Deutschland.
Lügenpresse? https://www.welt.de/wirtschaft/article130370035/Die-deutsche-Angst-vor-der-Selbststaendigkeit.html

"Staat ist der attraktivste Arbeitgeber"

Überrascht jetzt nicht sonderlich, wenn beim Spitzenplatz an Abgaben, der Staat als besonders attraktiv erscheint. Unternehmen wie VW können jederzeit fallengelassen werden, aber im Amt ist man sicher, egal wie schlimm die Fehlentscheidung.

"Deutsche halten ihr Land für unternehmerfeindlich"
Nanu, eigentlich das was ich geschrieben habe. Ich dachte ich schwimme gegen den Strom, dabei wiederhole ich nur, was die Deutschen denken.

florian. schrieb:
Eben, uns geht es so gut, wir müssen die Risiken und Anstrengungen der Selbstständigkeit gar nicht auf uns nehmen. Selbstständig heißt oftmals 60h pro Woche. Dann doch lieber 35h bei BMW und 5000€ im Monat mit nach hause nehmen. Oder die ~1000€ vom Sozialsystem kassieren, ist einfacher als 60h die Woche zu arbeiten.
Vor allem muss der Selbständige erstmal alles beweisen. Beweisen das er ein mieses Jahr hat aber trotzdem erstmal Steuern im Vorraus zahlen bevor ein Krümel eingenommen wurde.
 
Unyu schrieb:
Vor allem muss der Selbständige erstmal alles beweisen. Beweisen das er ein mieses Jahr hat aber trotzdem erstmal Steuern im Vorraus zahlen bevor ein Krümel eingenommen wurde.
Genau das ist für viele Kleinere Selbstständige tatsächlich ein Problem ... vor allem weil man zum Beispiel nur schwer seinen ganzen Jahresumsatz orakeln kann, wenn man z.B. von der Auftragslage abhängig ist. Es kann ein schlechtes Jahr sein, in dem auch Investitionen nicht wieder reingeholt werden können ... oder es kann ein gutes Jahr sein ... Auswirkungen auf die Steuer hat BEIDES erst im nächsten Jahr.
Den Gewinn vorzuberechnen ... und die zu Erwartenden Einnahmen im Voraus zu versteuern ist sicherlich eine Hürde ... denn mal ganz ehrlich, wie sicher können solche Angaben sein?
Klar holt man sich das am Jahresende wieder zurück ... und ohne die Steuerrückzahlung wäre die Vorsteuer bei einigen wohl auch nicht zu stemmen.

Allerdings sollte diese Einschätzung schon einigermaßen realistische Erwartungen einschließen, denn fällt die Vortsteuer zu niedrig aus, muss nachgezahlt werden ... als Selbstständiger kannst du "dein" Geld im Prinzip erst im nächsten Jahr ausgeben ohne damit Risiken einzugehen ...

Natürlich sind die deutschen hier Sicherheitsverwöhnt ... ich kanns verstehen, wenn man Leute kennt (junge Türken, um genau zu sein) die aus der Selbstständigkeit direkt in die Obdachlosigkeit abgerutscht sind ... natürlich auch aus einem kranken Stolz heraus.
Die meisten Selbstständigen, die ich kenne (es sind einige) geben zum Abschluss des Steuerjahres unglaubliche Summen für alles mögliche aus, suchen teiweise gezielt nach den TEUERSTEN Angeboten, nur um bis zum Stchtag UNTER den Steuerfreibetrag zu kommen ... nicht nur, weil sie halt keine Steuern zahlen wollen, sondern vor allem, weil dann die Vorsteuer nicht das Problem ist.
"Wahrscheinlich komme ich wieder nicht über den freibetrag" (das kriege ich schon irgendwie hin).

Meiner Meinung nach ist es aber auch nicht nur die Vorsteuer ... Selbstständigkeit wird in DE unatracktiv gemacht (und das hat mit dem Sozialsystem nichts zu tun) ... zum Beispiel durch die Vorsteuer ... zum Beispiel durch horende KK-Beiträge ... die ersten 3 Jahre zahlen die meisten einfach mal drauf.

Und wer mal darauf geachtet hat. Ja Türken, Araber und so eröffnen in DE Läden aller art ... wenn man die Standorte allerdings mal betrachtet, dann gibt es im glichen Bereich auch eine irrsinnige Fluktuation ... viele von denen "verschätzen" sich wohl auch einfach ...
Aber sie versuchen es tatsächlich öfter, als Deutsche ... und sie können froh sein, dass es Frisuren und Gemüse noch nicht online gibt ;)

Ich hätte 2006 einen Musikalienhandel übernehmen können ... Angebot lag vor ... schlappe €10.000,- für einen Laden mit komplettem Inventar. Ich bin froh, dass ich es nicht gemacht habe, denn von den damals noch 4 Musikalienhandlungen in Bielefeld gibt es momentan noch eine.
Ich habe damals in dem Laden gearbeitet (neben dem Studium am Wochenende), und musste leider feststellen, dass das schon damals ein "totes Pferd" war ... Die zwei Läden, die es 2010 noch gab, konnten die Geschäfte nur offen halten, weil sie eine große Musikschule betrieben haben ... der Laden selbst hat nichtmal die Miete getragen.

Fazit: den Kredi, den ich für den Laden hätte aufnehmen müssen, wäre ich wohl nur durch einen Insolvenzverwalter wieder losgeworden. Ich habe das Risiko damals gesehen, und mich entschieden, es NICHT einzugehen ... OBWOHL ich die Vorstellung eines "eigenen Musikladens" damals tatsächlich als sehr attracktiv empfand. Ich habe dort sehr gerne gearbeitet, denn bis auf die schlechten Umsätze und die daher etwas fragwürdige Zahlungsmoral des Arbeitgebers war das tatsächlich ein richtig schöner Job.

Von einem der erfolgreicheren Unternehmer in meinem Bekanntenkreis kommt immer folgender Satz:
"Das Problem bei Selbstständigkeit wird im Begriff schon angedeutet ... denn als Selbstständiger arbeitet UND zahlst du nunmal selbst ... und ständig".
Viele Angestellte wissen nichtmal, was man so alles selbst bezahlen müssen kann.
Und die Probeme bekommen viele auch einfach erst, WENN sie den Gewerbeschein in der Hand haben, und es tatsächlich "endlich losgehen kann".
 
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