Unyu schrieb:
Vor allem muss der Selbständige erstmal alles beweisen. Beweisen das er ein mieses Jahr hat aber trotzdem erstmal Steuern im Vorraus zahlen bevor ein Krümel eingenommen wurde.
Genau das ist für viele Kleinere Selbstständige tatsächlich ein Problem ... vor allem weil man zum Beispiel nur schwer seinen ganzen Jahresumsatz orakeln kann, wenn man z.B. von der Auftragslage abhängig ist. Es kann ein schlechtes Jahr sein, in dem auch Investitionen nicht wieder reingeholt werden können ... oder es kann ein gutes Jahr sein ... Auswirkungen auf die Steuer hat BEIDES erst im nächsten Jahr.
Den Gewinn vorzuberechnen ... und die zu Erwartenden Einnahmen im Voraus zu versteuern ist sicherlich eine Hürde ... denn mal ganz ehrlich, wie sicher können solche Angaben sein?
Klar holt man sich das am Jahresende wieder zurück ... und ohne die Steuerrückzahlung wäre die Vorsteuer bei einigen wohl auch nicht zu stemmen.
Allerdings sollte diese Einschätzung schon einigermaßen realistische Erwartungen einschließen, denn fällt die Vortsteuer zu niedrig aus, muss nachgezahlt werden ... als Selbstständiger kannst du "dein" Geld im Prinzip erst im nächsten Jahr ausgeben ohne damit Risiken einzugehen ...
Natürlich sind die deutschen hier Sicherheitsverwöhnt ... ich kanns verstehen, wenn man Leute kennt (junge Türken, um genau zu sein) die aus der Selbstständigkeit direkt in die Obdachlosigkeit abgerutscht sind ... natürlich auch aus einem kranken Stolz heraus.
Die meisten Selbstständigen, die ich kenne (es sind einige) geben zum Abschluss des Steuerjahres unglaubliche Summen für alles mögliche aus, suchen teiweise gezielt nach den TEUERSTEN Angeboten, nur um bis zum Stchtag UNTER den Steuerfreibetrag zu kommen ... nicht nur, weil sie halt keine Steuern zahlen wollen, sondern vor allem, weil dann die Vorsteuer nicht das Problem ist.
"Wahrscheinlich komme ich wieder nicht über den freibetrag" (das kriege ich schon irgendwie hin).
Meiner Meinung nach ist es aber auch nicht nur die Vorsteuer ... Selbstständigkeit wird in DE unatracktiv gemacht (und das hat mit dem Sozialsystem nichts zu tun) ... zum Beispiel durch die Vorsteuer ... zum Beispiel durch horende KK-Beiträge ... die ersten 3 Jahre zahlen die meisten einfach mal drauf.
Und wer mal darauf geachtet hat. Ja Türken, Araber und so eröffnen in DE Läden aller art ... wenn man die Standorte allerdings mal betrachtet, dann gibt es im glichen Bereich auch eine irrsinnige Fluktuation ... viele von denen "verschätzen" sich wohl auch einfach ...
Aber sie versuchen es tatsächlich öfter, als Deutsche ... und sie können froh sein, dass es Frisuren und Gemüse noch nicht online gibt
Ich hätte 2006 einen Musikalienhandel übernehmen können ... Angebot lag vor ... schlappe €10.000,- für einen Laden mit komplettem Inventar. Ich bin froh, dass ich es nicht gemacht habe, denn von den damals noch 4 Musikalienhandlungen in Bielefeld gibt es momentan noch eine.
Ich habe damals in dem Laden gearbeitet (neben dem Studium am Wochenende), und musste leider feststellen, dass das schon damals ein "totes Pferd" war ... Die zwei Läden, die es 2010 noch gab, konnten die Geschäfte nur offen halten, weil sie eine große Musikschule betrieben haben ... der Laden selbst hat nichtmal die Miete getragen.
Fazit: den Kredi, den ich für den Laden hätte aufnehmen müssen, wäre ich wohl nur durch einen Insolvenzverwalter wieder losgeworden. Ich habe das Risiko damals gesehen, und mich entschieden, es NICHT einzugehen ... OBWOHL ich die Vorstellung eines "eigenen Musikladens" damals tatsächlich als sehr attracktiv empfand. Ich habe dort sehr gerne gearbeitet, denn bis auf die schlechten Umsätze und die daher etwas fragwürdige Zahlungsmoral des Arbeitgebers war das tatsächlich ein richtig schöner Job.
Von einem der erfolgreicheren Unternehmer in meinem Bekanntenkreis kommt immer folgender Satz:
"Das Problem bei Selbstständigkeit wird im Begriff schon angedeutet ... denn als Selbstständiger arbeitet UND zahlst du nunmal selbst ... und ständig".
Viele Angestellte wissen nichtmal, was man so alles selbst bezahlen müssen kann.
Und die Probeme bekommen viele auch einfach erst, WENN sie den Gewerbeschein in der Hand haben, und es tatsächlich "endlich losgehen kann".