Eure Zukunft

.Neo schrieb:
Wenn man 400€ oder weniger verdient, bleibt man von der Änderung verschont, aber sobald man die 400€ marke überschreitet muss man so viel in die Rentenkasse zahlen, dass einem nichts mehr zum leben übrig bleibt? Unglaublich...

Wenn ich mir überlege, was als Selbständiger alles für Zusatzkosten hinzukommen, finde ich das ganze ziemlich unüberlegt.
Da hast du absolut recht! Und die ganze Kiste wird noch lustiger! Jeder, der eine Solar-Anlage hat, ist ein Gewerbetreibender, weil er ein eigenes Kraftwerk besitzt. Verdient er mehr als 400 € damit, werden die Beträge SV- und RV-pflichtig. Das mal nur am Rande erwähnt.

Hier mal eine Beispielrechnung zur Zwangsrente, für junge Gründer (m/w):
Wenn am Ende des Jahres 12.000 € Rohertrag da sind, ist das kein Problem ... dann kann auch nachgezahlt werden und vor allem zuvor eine Kapitalreserve geschaffen werden.

Das Problem ist aber:
... wie starten Gründer ohne Reserven aus der Arbeitslosigkeit?
(Der Gründungszuschuß verpufft doch zum Schuldschein bei der KV)

Dummerweise muss der Gründer auch 450 € Wohnkosten, 370 € Lebensunterhalt und GEZ und Telefon bezahlen, bevor er den ersten Euro für die KV entbehren kann!

Und so ist doch Folgendes wahrscheinlich:
Am Ende des ersten Gründerjahres einer GmbHuG sind bei 12.000 € Ertrag
fällig;
- 5.400 € Miete - davon 80% private Entnahme 20% Home-Office
- 4440 € Lebensunterhalt = Höhe Hartz 4-Satz
- 600 € Telefon = gewerblich veranlasst
- - 1800 € KV = Mindestbetrag
- 0 C Steuern
= - minus 200 € Defizit erwirtschaftet

Ergebnis:
4.400 € Lebensunterhalt
4.320 € Mietanteil privat
= 8.700 € Einkünfte

Nachzahlung der KV auf 330 €/Monat = 3960 Gesamt - gezahlt 1.800 €
= Nachforderung von 2.160 €

Gesamt-Defizit: 2.360 € im ersten Jahr (nur als Faustzahl bitte nicht aufs Komma).

Und nun müsste man einmal nachrechnen, wie hoch eigentlich der KV-Satz bezogen auf den tatsächlichen Verdienst ist - und ob hier noch die Berufsfreiheit, der Gleichbehandlungsgrundsatz (gegenüber Arbeitsnehmern und H4-Empfängern) gewahrt ist?

Das Problem:
Solange ein Gründer aus der Arbeitslosigkeit sich herauszuarbeiten versucht, ist es nicht sinnvoll, ihn wieder durch die KV in Hartz 4 zurück zu drängen.
Die Anrechenbarkeit von Betriebskosten, Wohnkosten und Lebensunterhalt würde auch dazu führen, das

a) keinerlei Kreditfähgkeit entsteht
b) das Risiko praktisch nicht mehr tragbar ist
c) langsam aufbauende Geschäftsmodelle unmöglich werden.
(im Internet und vielen kreativen Gewerben braucht es 3 Jahre - in denen die Existenzangst jegliche Leistungsfähigkeit untergräbt.

Im Prinzip bleiben dann nur nur Hartz 4 oder auswandern als sichere Alternativen!

(... und es kommt noch das Thema RV dazu .... )

Das Gesamt-System ist nicht mehr stimmig!
Mit den Regeln von KV und RV ist praktisch das unternehmerische "Armel-Aufkrempeln und Loslegen" zum Scheitern verurteilt.
Nur wer die Sicherheit hat, der Grenzkostenfalle zu entkommen - kann künftig noch gründen. Die Grenzkostenfalle liegt ganz sicher nicht bei 12.000 € sondern eher bei 15.000 - 20.000 €. Das aber bedeutet: zehntausende Gründungen sind zukünftig in Gefahr.
 
Deine Rechnung ist doch das perfekte Beispiel dafür, sich die Selbstständigkeit richtig zu überlegen! Wir brauchen keine Kleinstunternehmer die sich selbst nicht tragen können.

Das zentausende Geschäftsgründungen in Gefahr sind ist doch völlig legitim. Weißt du viele von diesen Gründern jedes Jahr sich durch eine unüberlegte Selbstständigkeit in die Schuldenfalle katapultieren?! Wer Selbstständig / ein Unternehmen gründen möchte, der sollte einen vernünftigen Business Plan haben wo mehr als 12.000 € im Jahr als Rohertrag rauskommen. Hier würde ich die Grenze auf Minimum 30.000 € legen damit das Geschäftsmodell überhaupt stimmig ist.

Mir fehlt bei deinen Beiträgen echt das Verständnis für die Leute die sich durch unüberlegt in die Selbstständigkeit "stürzen" weil dort alles viel besser ist und "so wenig Abgaben" zu zahlen sind und die meinen mit 1.000 € "netto" im Monat würde man schon hinkommen.
 
_killy_ schrieb:
Nun, ich gebe dir da nicht ganz unrecht, allerdings scheitern auch sehr viele Existenzgründer an falschen Beratungen. Nur als Beispiel: Keiner der ganzen Existenzgründungsberater erwähnt nicht einmal die "exogene Wirtschaftsförderung" => Zahlung an 3. (Objektmiete, Strom, Telefon, ect. pp.), die von den Kommunen u.U. übernommen werden können. Warum nicht? Weil sie da nichts dran verdienen! Wesentlich öfters kommt man immer wieder mit der "endogenen Wirtschaftsförderung" => Kredite aller Art, die aber einem Gründer, der aus ALG II heraus gründet nicht wirklich was nützt. Denn, sobald Geld da ist, stehen auch schon sämtliche Gläubiger auf der Matte und wollen die offenen Forderungen bezahlt haben. Dumm, wenn man da nicht vorgesorgt hat und in Verbraucherinsolvenz gegangen ist. Das Existengründungsgenick ist gebrochen, megamächtig angeschlagen und erholt sich nur selten.

Jemand, der aus "Null" heraus gründet, erhält nur ganz selten solche Tipps.
 
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Und um grade diese Personen zu schützen ist es wichtig, dass eine Altersvorsorge auch im Bereich der Selbstständigen pflicht wird. Ich möchte am Ende nicht über Steuern für die Lebenshaltung von unwissenden Selbstständigen aufkommen.

Auch immer gerne vergessen: Beiträge zur Berufsgenossenschaft ... ;-)


Warum jemand aus ALG II heraus selbstständig werden soll erschließt sich mir nicht. Hier hat diese Person richtig viel Arbeit und braucht ein sehr breites Wissensspektrum - zum einen von der eigenen Tätigkeit, aber auch zum anderen Kenntnisse über Rechnungswesen für z.B. Preisfindung -
Diese Personen sind - wenn sie sich nicht ganz doof anstellen - sind eher nicht unter den ALG II Empfängern zu finden.

Ich persönlich glaube nicht, dass jemand aus ALG II heraus ein erfolgreiches Unternehmen gründet was auch in 10 Jahren noch bestand hat. Somit besteht aus meiner Sicht wenig Motivation, für diese Personengruppe die Selbstständigkeit zu vereinfachen.

PS hierzu gabs ja den Ich-AG Witz ... "3 Millionen Arbeitslose weniger, und gleichzeitig 3 Millionen Ich AGs mehr - da haben wir ja die perfekte Lösung geschaffen"

PPS bitte nicht falsch verstehen, aber erfolgreiche Existenzgründungen die ich in meinen Umfeld beobachten konnte, wurden von Personen vorgenommen die mehr als 70.000 € Jahresbrutto als Arbeitnehmer / Führungskraft verdient haben.
 
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