cool and silent schrieb:
Danke für den Nachtrag mit den detailierten Messungen. Bringt mehr als ich dachte, ich habe es vor einiger Zeit auch mal probiert und weniger Vorteil in Erinnerung (allerdings nur mit 1x 140mm vor der Grafikkarte)
Die hineinblasenden Lüfter so nah ans Mainboard zu holen, hat den Vorteil, dass direkt über viele temperaturkritische Bauteile Frischluft strömen kann. Schaltet man diese Lüfter aus und erzeugt einen Unterdruck durch die Exhaust-Lüfter, muss man hoffen, dass die ins Gehäuse gezogene Luft irgendwie an den Bauteilen vorbeiströmt, um sie zu kühlen.
Im Falle des Chipsatz' ist das aber - wie man sieht - eher unzureichend. Viel fehlt nicht zu den 60 °C, bei denen der Chipsatzlüfter seinen Dienst beginnt. Und das will ich auf jeden Fall vermeiden, denn dieser Lüfter schleift ganz furchtbar. Klar, ich könnte im BIOS die Starttemperatur des Chipsatzlüfters anheben, aber dann heizt der Chipsatz nur noch mehr die anliegende Grafikkarte auf und deren Lüfter drehen schneller. Das ist auch nicht unbedingt erstrebenswert. Die Graka wird durch den Hitzkopf X570 sowieso schon wärmer als beim X470-Chipsatz
Da ich bisher keine ernsthaften Versuche mit diesem Gehäuse gemacht hatte, hat es mich auch interessiert. Meine früheren Tests machte ich mit anderen Gehäusen. Ich finde es gut, dass meine alten "Weisheiten"

auch weiterhin gelten.
Um auch eine andere Aussage von mir zu prüfen (Auflösung weiter unten), habe ich jetzt noch einen dritten Test mit offener Seitenwand gemacht, um ein Mesh-Gehäuse zu simulieren. Hierfür habe ich die Intake-Lüfter abgeschaltet. Leider bin ich out-of-Kabelbinder, sodass ich die Intake-Konstruktion dort belasse und nicht für einen 4. Test mit aktivertem Intake in die Front rücke. Bei den anliegenden, sehr niedrigen Lüftergeschwindigkeiten bin ich mir aber relativ sicher, dass sich die Ergebnisse nicht stark von dem 3. Test unterscheiden würden, denn sie bringen faktisch keinen Luftstrom, der ein offenes Gehäuse überleben würde.
Hier nun die obige Liste, eweitert um einen 3. Test:
(M = mit Intake-Lüftern / O = ohne / K = ohne, keine Seitentür):
Prime95 (Small FFT), 10 Minuten
CPU-Lüfter (2x A15): M 409 RPM / O 511 RPM / K 398 RPM
Intake (2x Noiseblocker): M 434 RPM / O 0 RPM / K 0 RPM
Intake (SilentWing): M 355 RPM / O 0 RPM / K0 RPM
Graka (2x 92er Noctua (14mm)): M 572 RPM / O 565 RPM / K 573 RPM
Exhaust (Heck, A15): M 395 RPM / O 433 RPM / K 397 RPM
Exhaust (Deckel, A15): M 351 RPM / O 379 RPM / K 348 RPM
Temp (CPU): M 64,0 °C / O 65,4 °C / K 63,3 °C
Temp (VRM): M 44 °C / O 46 °C / K 46 °C
Temp (GPU): M 32 °C / O 34 °C / K 33 °C
Temp (Chipsatz): M 41 °C / O 48 °C / K 46 °C
Prime+Furmark, 10 Minuten
CPU-Lüfter (2x A15): M 497 RPM / O 560 RPM / K 490 RPM
Intake (2x Noiseblocker): M 459 RPM / O 0 RPM / K 0 RPM
Intake (SilentWing): M 393 RPM / O 0 RPM / K 0 RPM
Graka (2x 92er Noctua (14mm)): M 1482 RPM / O 1481 RPM / K 1484 RPM
Exhaust (Heck, A15): M 423 RPM / O 457 RPM / K 425 RPM
Exhaust (Deckel, A15): M 382 RPM / O 405 RPM / K 377 RPM
Temp (CPU): M 67,3 °C / O 71,5 °C / K 66,1 °C
Temp (VRM): M 46 °C / O 51 °C / K 50 °C
Temp (GPU): M 63 °C / O 73 °C / K 63 °C
Temp (Chipsatz): M 46 °C / O 56 °C / K 55 °C
Abkühlung, 5 Minuten
CPU-Lüfter (2x A15): M 262 RPM / O 282 RPM / K 277 RPM
Intake (2x Noiseblocker): M 441 RPM / O 0 RPM / K 0 RPM
Intake (SilentWing): M 227 RPM / O 0 RPM / K 0 RPM
Graka (2x 92er Noctua (14mm)): M 569 RPM / O 579 RPM / K 575 RPM
Exhaust (Heck, A15): M 234 RPM / O 245 RPM / K 237 RPM
Exhaust (Deckel, A15): M 228 RPM / O 237 RPM / K 227 RPM
Temp (CPU): M 38,4 °C / O 43,4 °C / K 36,3 °C
Temp (VRM): M 43 °C / O 48 °C / K 45 °C
Temp (GPU): M 36 °C / O 43 °C / K 36 °C
Temp (Chipsatz): M 44 °C / O 55 °C / K 54 °C
Was durch den 3. Test deutlich wird:
- die CPU-Lüfter bekommen im Setup #1 (geschlossen, Intake aktiv) nicht ausschließlich Frischluft zur Kühlung, sondern teilweise bereits leicht erwärmte Umluft
- die Abwärme der GPU wird in Setup #1 ganz gut am CPU-Kühler vorbeigeschoben
- passiv gekühlte Bauteile haben durch den nicht vorhandenen Airflow in Setup #3 das Nachsehen
Um das "Rätsel" um die zur Prüfung stehenden Aussage von oben zu lüften: In meinen vorherigen Gehäusen war es mir gelungen, mit einer Unterdruckkonstellation so gezielt Frischluft an passiv gekühlten Komponenten (VRM und Chipsatz) vorbeiströmen zu lassen, dass diese kühler blieben, als wenn die Seitenwand geöffnet wurde. Das ist mir in dem DarkBase900 und den verbauten Komponenten nun offenbar nicht mehr gänzlich gelungen, wenngleich der Unterschied sehr gering ist. Zu meiner Verteidigung muss ich sagen, dass ich die Modifikationen des DarkBase900 von Beginn an mit nach innen versetzten Intake-Lüftern konzipierte - und diese Konfiguration stiehlt der offenen Konfiguration die Show
Ein paar kursierende Vorurteile kann ich nun ganz beruhigt vom Tisch wischen:
- "bequiet!-Gehäuse sind wegen ihrer restriktiven Front Brutkästen" - Ich habe diese "restriktive Front" zu 90 % dicht gemacht und erhalte im Setup #1 dennoch großartige Temperaturen und im Setup #2 sehr ähnliche Temperaturen für die passiv gekühlten Bauteile im Vergleich zur Mesh-Simulation in Setup #3. Es kommt also absolut ausreichend Frischluft ins Gehäuse.
- "Lüfter müssen in geschlossenen Systemen schneller drehen als in Mesh-Gehäusen, um die gleiche Temperatur zu erhalten" - der Effekt bei aktiv gekühlten Bauteilen ist minimal (CPU) oder nicht vorhanden (GPU); für passiv gekühlte Bauteile gilt praktisch dasselbe. Hier hat das Setup #1 mit direkt davor sitzenden Lüftern definitiv die Oberhand, weil es aus den passiv gekühlten Bauteilen annähernd aktiv gekühlte macht.
Zwei Aussagen kann und werde ich weiterhin treffen:
1. Mit ein wenig Gehirnschmalz bei der Konzeption lässt sich ein geschlossenes Silent-System aufbauen, das in jeder Lebenslage kühl und annähernd lautlos bleibt und gegenüber Mesh-Gehäusen einen riesigen Vorteil hat: kein Staub im Gehäuse.
2. V.a. in Silent-Systemen müssen sich Lüfter gegenseitig unterstützen, um die Hardware effektiv zu kühlen. Die Lüfter müssen daher gezielt eingesetzt werden.
Und eine weitere Aussage, die ich auch weiterhin treffen werde, obwohl ich sie in diesem Test nicht explizit geprüft habe:
Nach innen verlegte Intake-Lüfter sind deutlich effizienter und leiser als ihre Pendents, die in der Front verschraubt werden.