AW: Quo vadis Cannabislegalisierung?
Caddyshack schrieb:
während Amsterdam langsam aber sicher die Pforten schließt.
Woher nimmst du diese These und warum behauptest du sowas? Ich habe Famillie in den Niederlanden und Belgien und bin da öfters so das ich auch mit den örtlichen Nachrichten und Gegebenheiten vertraut bin.
Ein Vorteil ist das ich sehr gut Niederländisch/Flämisch spreche und somit die niederländischen Nachrichten gut verfolgen kann, und das solltest du auch mal tun dann würdest du nicht den Wunschnachrichten die in Deutschland über das niederländische Coffeeshop Modell geschrieben werden glauben.
Ich möchte noch mal kurz erklären was ist das Modell und was ist in den letzten Jahren bzw. Jahrzehnten passiert. Eine Bewertung ob es gut oder schlecht ist wird hier ausdrücklich nicht vorgenommen!
Im Jahr 1975 gab es nach Jahren unkontrollierter Cannabisverkaufsplätze den ersten offiziellen geduldeten Coffeeshop in den Niederlanden (Yellow
Mellow/Amsterdam). In genau festgelegten Rahmen wurde definiert wie Cannabiskonsumenten defacto straflos, rechtlich gesehen geduldet Cannabis konsumieren können. Was in Amsterdam begann wurde 1984 auf ganz Holland ausgeweitet. Am Anfang gab es eine Altersbeschränkung ab 16 Jahren und eine maximale Erwerbsmenge von 30 GR. pro Person.
Das Konzept dahinter war folgendes:
Jeder Cannabiskonsument sollte ausdrücklich ohne Strafverfolgung und ohne in Kontakt mit harten Drogen zu kommen Cannabis konsumieren. In den Neunziger Jahren, und hier insbesondere ab 1992/1993 als die Grenzen geöffnet wurden und die permanenten Kontrollen eingestellt wurden gab es die ersten Probleme mit ausländischen Cannabisgebrauchern.
Ebenso nahm der Druck und hier besonders von Frankreich (unter dem damaligen Präsidenten Jaques Chirac ) und Deutschland (mit Birne Helmut Kohl^^) in einem solchen Maße zu, dass sich die Niederländer genötigt sahen ihr Gedoogbeleid das erste mal anzupassen. Die maximale Verkaufsmenge wurde auf 5gr. heruntergesetzt und die Altersbeschränkung auf 18 Jahre angehoben.
Birne Kohl und Chirac waren erst mal ruhig gestellt, doch die Probleme mit ausländischen Cannabistouristen wurden immer schlimmer. Der Hauptgrund dafür lag und liegt in der hoffnungslosen Repression gegenüber dieser Bevölkerungsgruppe in den umliegenden Staaten (Deutschland, Frankreich, Belgien,etc.). Als erste Maßnahme wurde in Venlo eine Art McDrive eingeführt um ausländische Drogentouristen aus der Stadt zu bekommen. In Städten wie Maastricht gab es zwar Pläne für Coffeeshops an der Grenze, die aber auf massiven Druck der belgischen Gemeinden nie verwirklicht wurden.
So ging es Jahrelang weiter und alleine zum Coffeeshop am Grenzübergang Schwanenhaus in Venlo fuhren jeden Tag zig tausende Besucher aus Deutschland um Cannabis straffrei zu erwerben.
Dann kam eine konservative/ liberale Regierung an die Macht und der sogenannte Wietpas wurde eingeführt. Was sagt dieser Wietpas aus und was war der Zweck dahinter?
Der Wietpas sollte das Niederländische Coffeeshopmodell wieder dahin bringen für was es gedacht war. Und zwar für eine Abgabe von Cannabis an die lokale niederländische Bevölkerung. Zu diesem Zweck stand es jedem Bürgermeister frei den Zugang nur noch für Seßhafte Bürger zu erlauben.
Da möchte ich eine Bemerkung zu machen: Diese Maßnahme finde ich persönlich absolut richtig, denn es kann nicht sein, dass die Niederlande alle Cannabiskonsumenten in Europa versorgen soll, dies haben verdammt noch mal alle Länder selbst zu erledigen. Im Umkehrschluss heißt es, dass Deutschland einen legalen Weg für die Abgabe von Cannabis an seine Konsumenten sicherstellen muss.
Niemals aber, und nun lieber
Caddyshack solltest du genau mitlesen, gab es eine Diskussion um eine Beschränkung oder gar Strafbarkeit des Cannabisgebrauchs für einfache niederländische Konsumenten. Das ist der Unterschied und wenn du so was wie in deinem Post wiedergibst dann bitte richtig. Amsterdam (wobei in Amsterdam hat sich nichts geändert) bzw. die Regierung möchte einfach den ausländischen Cannabistourismus zurückdrängen, den Konsument aus dem eigenen Land aber ausdrücklich unbehelligt und frei von Strafverfolgung lassen. Für die Strafbarkeit von Konsumenten gibt es weder in den Parteien noch in der Bevölkerung eine Mehrheit, und wird es nach Jahren der Praxis auch nie wieder geben. Eine Regulierung und insbesondere Zurückdrängung von ausländischen Drogentouristen ist aber ein Wunsch von ganz vielen Niederländern.
Natürlich möchten deutsche Medien und Politiker gerne die neue Niederländische Drogenstrategie so darstellen als ob es mit den Coffeeshops zu Ende geht, und man stellt es sogar so dar, dass Cannabis wieder verfolgt wird statt den Konsum in engen Grenzen wie bisher zu Dulden. Denen kann ich nur sagen träumt weiter und wem es hilft sein Gewissen bzw. die Befürwortung der Prohibition zu rechtfertigen kann sich auch unwissende suchen die diesen Mist glauben!
Hier wurde genauso ein Mythos geschaffen wie die Behauptung im Coffeeshop gibt es harte Drogen oder jugendliche gehen da ein und aus. Sicherlich gab es schwarze Schafe, doch diese Shops wurden ganz schnell geschlossen. Es gab mal eine Reportage bzw. ein Beitrag in den Niederlanden wo ein junger Mann mit versteckter Kamera unter 18 Jahren versucht hat in mehreren Shops reinzukommen.
Nach dem 10. Shop in mehreren Städten wurde der Versuch aufgegeben, und ein anderer hat versucht Kokain in mehreren Coffeeshops zu erwerben. Auch das war absolut erfolglos, dennoch hört man hier immer wieder Coffeeshops sind Selbstbedienungsläden für alle Drogen. Noch ein Mythos der nur dazu dient die Prohibition in Deutschland zu rechtfertigen.