Lipovitan schrieb:
Hast du schon mal was vom Placebo-Effekt gehört?
Ja natürlich ... und bei der Macht, die dieser Effekt auf die Selbstheilung haben kann (durch Studien belegt) wundere ich mich momentan nur, warum die Schulmedizin das nicht viel breiter nutzt ... WIE die Wirkung (Symptomlinderung oder gar Heilung) erzielt wird, ist doch eher nachrangig ... besonders dann, wenn es nicht nur in der Theorie, oder unter Laborbedingungen nachgewiesen ist, sondern obendrein noch im Alltag.
Schonmal drüber nachgedacht, dass Studienergebnisse, die zwar eindeutig die Wirksamkeit belegen, diese Wirksamkeit aber nicht plausibel aus dem gängigen Theoriegebäude ableiten können, ebenfalls einen schweren stand haben ... das hat in dem Fall aber nichts mit der Wirksamkeit zu tun, sondern ist eine direkte Folge des wissenschaftlichen Diskursses (nach Foucault) und der wissenschaftlichen "Disziplinierung" (nach Stichweh).
Es reicht nicht, einen Effekt nachzuweisen, solange der nicht auch plausibel erklärt werden kann, und patientenunabhängig reproduzierbar ist.
Das führt hier sicherlich zu weit vom Thema weg, aber ob eine Wirkung nun durch "Einbildung" erzielt wird (wie das bei Placebos oft angenommen wird), oder durch dokumentierbare und reproduzierbare chemische Prozesse auf der Basis der gängigen medizinischen Theorien, wo bitte liegt da für den Patienten, bei dem die gewünschte Wirkung eintritt, der Unterschied?
Wenn ich eine Beeinträchtigung durch eine Behandlung abschwächen, oder gar aufheben kann, was interessiert mich da die Meinung der Pharmaindustrie, die ca. 90% der Studien zu den Behandlungsmethoden bezahlt?
Ärzte sollten sich vor allem den Patienten verpflichtet fühlen (der Hypokratische Eid sagt Dir hoffentlich was), und damit lautet die einzige Frage bei Placebos mMn "hilft das dem Patienten ohne ihm an anderer Stelle zu schaden?".
Dass mit diesem Effekt nicht häufiger gearbeitet wird, kann mMn nur einen Grund haben ... das Interesse der KV liegt eben gerade darin, eine Behandlungskostenübernahme
ablehnen zu können. Denn auch eine KV ist letztlich ein Wirtschaftsunternehmen, und solange der Erfolg einer Behandlung nicht eindeutig wissenschaftlich nachgewiesen ist, WERDEN die KV die Kostenübernahme ablehnen, solange sie zur Übernahme nicht gesetzlich verpflichtet sind.
Und da die Chancen dafür bei velen Placebos recht gut stehen, verzichten die meisten Ärzte auf dieses Risiko.
Wozu soll der Patent denn teure Medikamente nehmen (und noch drei andere gegen die Neben- und Wechselwirkungen), wenn in seinem individuellen Fall nachweislich die gleiche Wirkung auch mit aromatisiertem Traubenzucker erzielt werden kann (sogar ohne nnenenswerte Neben- oder Wechselwirkungen)?
Da kann man schon mal fragen, wem DAS eigentlich wirklich nützt.
Den Medizinern und Forschern sollte man daraus allerdings gewiss keinen Vorwurf basteln ... "wess' Brot ich fress', des Lied ich sing" ... in der Forschung ist die Wirkung dieses Spruches eben BIAS.