Das Problem von Selenskyj ist, dass er (gerade deswegen, weil er kein gelernter Politiker ist) manchmal nicht weiß, wann er lieber die Klappe halten sollte. Gerade, wenn man mit dem Präsidenten der Vereinigten Staaten, seinem Vize-Präsidenten, der Presse und einer Vielzahl an Kameras im Oval Office sitzt, sollte man vorsichtig sein, was man sagt und wie man sich verhält.
Ich stimme dem Politikwissenschafter Thomas Jäger zu, dass im Oval Office ein Manuskript abgespielt wurde und Selenskyj in eine Falle gelaufen ist. Die Art und Weise, wie Trump und Vance mit Selenskyj umgegangen sind, erinnerte mich ein wenig an Mafia-Methoden. Die Ukraine ist Trump vollkommen egal. Ihn interessieren nur die Rohstoffe und bevor Russland noch mehr von der Ukraine einnehmen kann, versucht Trump möglichst viele dieser Rohstoffe aus Selenskyj herauszupressen.
Leider ist Selenskyj (teilweise) mit offenen Augen in diese Falle gelaufen. Bei seinem Termin im Oval Office hätte er einen Anzug (anstatt seines schwarzen Pullovers) tragen sollen. Grundsätzlich ist an seinem Outfit nichts einzuwenden, aber es hätte ihm klar sein müssen, dass sich einige (konservative) amerikanische Politiker daran stören werden - was auch geschehen ist. Dann hat er den Rohstoff-Deal (in der vorliegenden Form) bereits vor einigen Tagen akzeptiert. In der Geschäftswelt ist es unhöflich, bei einem bereits akzeptierten Deal am Tag der Unterschrift nochmal nachzuverhandeln. Ich kann Selenskyj vollkommen verstehen, aber auch hier hätte es ihm klar sein müssen, dass er damit bei den Geschäftsmännern Trump und Vance auf Granit beißen wird - was auch geschehen ist.
Trotzdem sind dies keine Gründe, so mit Selenskyj umzugehen und ihn vor laufenden Kameras und der gesamten Welt zu brüskieren. Und wir (Europäer) sollten endlich begreifen, dass sich Trump einen feuchten Dreck für die Ukraine und die Sicherheit Europas interessiert.