3/4 ObsCure II im Test : US-Teenie-Horror für den PC

, 17 Kommentare

Grafik

Die Grafik von ObsCure II kann es nur bedingt mit der Pracht aktueller Shooter aufnehmen. Das muss sie aber auch nicht. In der vorliegenden Aufmachung genügt der Titel sämtlichen genretypischen Anforderungen, so dass die grafische Umsetzung grundlegend dazu beiträgt, dass man ObsCure II den Teenie-Horror-Plot atmosphärisch abnimmt und tatsächlich in das Geschehen abtauchen kann. Auch mit Blick auf die Genrekonkurrenz von Resident Evil 4 und dem Psycho-Schocker Silent Hill muss sich ObsCure II nicht verstecken. Einzig die sich teilweise wiederholenden Texturteile stoßen bei längerem Spielen dann doch sauer auf – ein Umstand, den die Macher mit etwas mehr Mühe sicher hätten vermeiden können.

Auf dem Testsystem lief ObsCure II in der maximalen Auflösung (1600*1200) mit 80 bis 90 Bildern pro Sekunde erwartungsgemäß flüssig und dürfte auch auf deutlich älteren Systemen keinerlei Performance-Probleme verursachen.

Sound

Wenn ein Genre maßgeblich von der soundtechnischen Umsetzung lebt, dann wohl das Survival-Adventure. Umso wichtiger, dass ObsCure II auch in Sachen Audio voll auf der Höhe ist. Was im ersten Teil passend zum Plot noch von den College-Rockern von Sum 41 realisiert wurde, leistet dieses Mal nicht minder hochwertig das Boston String Quartet sowie der Kinderchor der Pariser Oper – Gänsehaut-Effekte am Fließband und ein passender Soundtrack sind da garantiert.

Kamera

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Kameraführung, die entscheidend für Überblick, Spielspaß und Atmosphäre ist. Hier weist ObsCure II aber leider frappierende Defizite auf, die für große Unübersichtlichkeit sorgen und auf Dauer aufregen können. So gibt es beispielsweise keinerlei Möglichkeit, die Kamera hinter seinem Protagonisten festzustellen. Gerade bei Raumwechseln startet man außerdem zumeist mit einer besonders schlechten Einstellung des Blickwinkels – ein unschöner Umstand, da gerade hier die meisten Gegner zu erledigen sind. Und auch sonst weiß die Kameraführung nicht zu glänzen, so dass man oft wichtige Gegenstände übersieht und, sofern diese entscheidend für den Fortgang der Geschichte sind, dadurch für Minuten in einem Abschnitt gefangen ist.

Künstliche Intelligenz

Die Künstliche Intelligenz (KI) zeigt sich in ObsCure II von einer mittelmäßigen Seite. Während die Monster gerne mal an Hindernissen hängen bleiben oder öfter daneben hauen, strapazieren vor allem die von der KI gesteuerten Mitspieler die Nerven des Spielers. Gerade im Umgang mit Schlagwaffen (Baseball- oder Icehockeyschläger) wird der große Radius der Waffen den NPCs häufig zum Verhängnis. Da diese sich nicht im Ausweichen oder Abstand halten verstehen, kriegen sie meistens den für das Monster gedachten Schlag ab und quittieren diesen mit einem entsprechenden Kommentar. Auch beim Umgang mit schwereren Waffen – zum Beispiel der Schrotflinte – verstehen sich die Kumpanen exzellent darin, die maximale Streuung vom eigentlichen Ziel abzulenken. Einzige Abhilfe bietet hier der Elektroschocker, mit dem man die Gegner vergleichsweise gezielt und ohne großartiges Zielen niederstrecken kann.

Friendly Fire: KI quittiert Schlag mit Golfschläger
Friendly Fire: KI quittiert Schlag mit Golfschläger

Coop-Modus

Der Coop-Modus von ObsCure bedeutete schon zu Zeiten des ersten Teils einen nennenswerten Unterschied zur Genre-Konkurrenz. So kann auch im zweiten Teil jederzeit ein zweiter menschlicher Spieler in die Geschehnisse eingreifen und den von der KI gespielten Part des jeweilig aktiven Duos übernehmen. Anders als im ersten Teil müssen sich die beiden Spieler nun nicht mehr zwingend einen Bildschirm teilen: An kniffligen Stellen kann eine Person nach Absprache die Führung übernehmen, während der andere Spieler warten muss, bis eben jene durch Spieler Nummer Eins wieder abgegeben wurde. Dadurch bietet der Coop-Modus einige neue Aspekte bei dem Weg durch die jeweiligen Areale, was in der Tat sehr positiv ist. Auch wenn durchweg Genre-untypisch, könnte man an dieser Stelle aber bemängeln, dass es keinen echten gemeinsamen Modus gibt, wie man ihn beispielsweise aus dem RPG-Bereich kennt.

Um ObsCure II im Coop-Modus zu spielen, bedarf es eines Gamespads.

Synchronisation

Die Synchronisation gestaltet sich löblich, da es keine gibt. Die Stimmen wurden im Original belassen, was sehr zur Atmosphäre beiträgt. Man sollte als Spieler jedoch nicht den Fehler machen, die deutschen Untertitel zu aktivieren. Diese hinken nicht nur den Stimmen hinterher, sondern sind teilweise derart falsch beziehungsweise sinnentfremdet übersetzt, dass man meinen könnte, ein Grundschüler wäre mit der Aufgabe betraut worden.

Auf der nächsten Seite: Fazit