6/6 Far Cry 2 im Test : In der Savanna ist der Teufel los

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Fazit

Es hätte nicht viel gefehlt und wir wären versucht gewesen, „Far Cry 2“ an dieser Stelle schon vorzeitig zum Spiel des Jahres auszurufen. Denn das Potential dazu ist definitiv vorhanden. Neben einer grandiosen und obendrein auch noch erstaunlich systemverträglichen technischen Umsetzung mit allen zugehörigen grafischen Aspekten und einer hervorragenden Sound- und Sprachumsetzung hat das Spiel auch inhaltlich einiges zu bieten. So wagen sich die Macher an ein sensibles und hoch aktuelles Thema, das von der grundlegenden Ausgestaltung theoretisch dazu hätte beitragen können, dass FC 2 ein bahnbrechender Meilenstein in der Entwicklung von Videospielen hätte werden können. Oder anders gesprochen: Die Verbindung von Realität, Film und Spiel wäre erstmals in einer Weise gelungen, die alles bisher Dagewesene weitgehend in den Schatten gestellt hätte.

Doch leider macht die konkrete Ausgestaltung dieses zunächst so extravaganten Ansatzes das so große Potential in Teilen zunichte. Auch wenn die Hauptmissionen alles in allem recht abwechslungsreich ausfallen, so geht bei der Erfüllung eben dieser doch schnell die Verbindung zum eigentlich übergeordneten Spielziel verloren. Warum fahre ich eigentlich schon wieder nach Punkt X? Wen soll ich da schon wieder ausschalten? Und warum? Und wo und wer ist nun eigentlich dieser „Schakal“? All' das sind Fragen, die man sich im Verlauf des Spiels bis zu einem gewissen Punkt immer wieder stellt und die teilweise wahrscheinlich sogar typisch für die Wirren eines solche Kriegs sind. Gepaart wird dies jedoch mit Gefühlen wie „nicht schon wieder ein Straßenposten“ oder „nicht schon wieder Medizin besorgen“, sodass zumindest bis zur Hälfte die Frage im Raum steht, ob so ein bahnbrechendes Spielprinzip aussieht. Ein wenig relativiert wird dieser Umstand durch die ab der Mitte der Spielzeit zunehmende Dynamik, die mit einem neuen Gebiet und ein paar mehr Eindrücken zum ominösen „Schakal“ einhergeht.

Far Cry 2 im Test

Ein weiterer Punkt, der sauer aufstößt, ist die Todesstille in der Spielewelt von „Far Cry 2“. Warum gibt es nicht mehr Tiere? Man vermisst Löwen in der Savanne, Affen in den Bäumen und Kleingetier, das am Boden herumkraucht. Und warum gibt es nicht mehr menschliche Interaktionspartner? Neben den Bürgerkriegskämpfern hätte man auch ein regimetreues Militär, Zivilisten sowie Mitglieder von NGOs und internationalen Organisationen integrieren können. Und wenn es schon nur zwei richtige Fraktionen gibt: Warum schießen immer alle auf den Spieler? Wäre es nicht möglich gewesen, dass man wenigstens bei APR und/oder UFLL im Ruf steigt und von den jeweiligen Truppen in Frieden gelassen wird? Hier wäre sogar die Entwicklung von zwei Ausgängen im Spiel möglich gewesen, was deutliche Anreize für ein erneutes Durchspielen geliefert hätte.

Aus all' diesen Gründen gelangt man im Rahmen von „Far Cry 2“ schon nach wenigen Stunden Spielzeit (auch aufgrund der ständigen Reproduktion der Inhalte) zu der ernüchternden Feststellung, dass die eigenen Handlungen keinerlei Auswirkungen auf die Umwelt haben und dass es nur darauf ankommt, alle Aufgaben irgendwie zu erfüllen, um am Ende auf „Schakal“ zu treffen.

Das bisherige Fazit zeigt mit all' seinen Fragen und Vorwürfen, dass uns das Vorgehen der Entwickler in vielerlei Hinsicht nicht nachvollziehbar erscheint. Dabei kann nun abschließend schnell der Eindruck entstehen, dass „Far Cry 2“ für Freunde guter PC-Spiele kein lohnendes Objekt der Begierde darstellt. Doch ist diese Annahme falsch. FC 2 stellt trotz dieser Kritikpunkte einen der besten Titel dar, die es in diesem Jahr auf unser Testsystem geschafft haben. Die soeben formulierte, detaillierte Kritik ist vielmehr Ausdruck der Verzweiflung darüber, wie aus einem Beinahe-Überflieger aufgrund von einigen wenigen, eigentlich vermeidbaren Details ein nur noch sehr gutes Spiel gemacht wurde. Abschließend soll auch noch einmal ausdrücklich betont werden, dass sich die storytechnischen Probleme ab der Hälfte der Spielzeit in hohem Maße relativieren, da hier „Schakal“ erneut auftaucht und der Bürgerkrieg mit einigen Wendungen und Zwischenfällen tatsächlich greifbar wird.

Und so bleibt, am Ende dieses Tests angelangt, eigentlich nur noch die Empfehlung, sich selbst ein Bild zu verschaffen. Denn wie schon bei „Assassin's Creed“, bei dem im Verlauf der Handlung ebenfalls ein gewisser Leerlauf einsetzte, ist auch bei „Far Cry 2“ nicht gesagt, dass die genannten Kritikpunkte von jedem Spielertyp genau so empfunden werden. Und wer die erste Zeit bei der Stange bleibt, wird es am Ende der Hatz auf „Schakal“ mit Sicherheit nicht bereuen. Da es leider keine offizielle Demo geben wird, soll für alle Freunde ordentlicher PC-Spiele-Kost, sofern die genannten Kritikpunkte denn erträglich erscheinen, die Empfehlung gewagt werden, hier zuzuschlagen.

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