Damnation im Test : Schnelle Colts, schnelle Langeweile

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Damnation im Test: Schnelle Colts, schnelle Langeweile

Zünftige Western-Action mag im Fernsehen zumindest eine Zeit lang „so in“ gewesen sein – doch auf dem PC gibt es bis heute herzlich wenig Titel, die sich an das eigentlich interessante Teil-Genre heranwagen. Mit „Damnation“ geht die Spieleschmiede Blue Omega in Kooperation mit Publisher Codemasters genau diesen Schritt, wobei das Ganze mit einer gehörigen Portion Steampunk unterhoben wird. Das Ergebnis verspricht mit einer ungewöhnlichen Mischung aus Action-„Tomb Raider“ und „Wild Wild West“ zumindest theoretisch einige launige Stunden vor dem Bildschirm. Ob sich dies auch praktisch bewahrheitet, soll in diesem Test geklärt werden.

Plot & Leveldesign

Irgendwo hat die große Geschichte in „Damnation“ eine falsche Abbiegung genommen: Statt dass die Dekaden des „wilden Westens“ zusehens im Auslaufen begriffen wären und allgemeiner Reichtum und die pure Zufriedenheit Einzug hielten, findet sich ein Großteil der mitten im industriellen Sprung befindlichen USA unter dem Joch eines schrägen Industriemagnaten namens Prescott, der allerlei Macht- und Geldbefugnisse in seinem omninösen Rüstungsunternehmen mit dem bezeichnenden Kürzel „PSI“ (für Prescott Standard Industries) zu bündeln sucht und dazu auch vor den Werkzeugen eines lupenreinen Diktators nicht zurückschreckt.

In dem sich daraus entwickelnden Bürgerkrieg vollführt „Damnation“ dann wiederum einen kleinen Rekurs auf die wahre Geschichte. Doch kämpfen hier nicht etwa die Nord- gegen die Südstaaten, sondern unter eine neuartige Droge gesetzte PSI-Kämpfer gegen die letzten verbliebenen, tapfer kämpfenden Rebellen – PSI-Dominanz vs. Freiheit, sozusagen. Zu letzterer Gruppe gehört auch der muskelbepackte Protagonist des Spiels namens Hamilton Rourke, der nicht nur den größenwahnsinnigen Prescott versohlen sondern nebenbei auch noch seine in PSI-Gefangenschaft geratene Verlobte retten will. Umso besser also, dass Rourke neben jeweils zwei KI-Mitstreitern auch auf lange Kampferfahrung als Kriegsveteran zurückgreifen kann, was den „Umgang“ mit den vielen irren aber mäßig kompetenten Gegnern (siehe auch Abschnitt „KI“) nennenswert erleichtert.

Plot: Die letzten Rebellen sehen sich einer Übermacht gegenüber
Plot: Die letzten Rebellen sehen sich einer Übermacht gegenüber

In puncto Missionsdesign merkt man „Damnation“ an, dass die Macher durchaus versucht haben, für Abwechslung zu sorgen. Zwar nimmt sich die Umgebung prinzipiell stets gleich aus – kluftige, hohe Karten mit kargen Siedlungen müssen von A nach B erkundet werden – doch wird die Hangel- und Spring-Action durch wechselndes Terrain, unterschiedliche Ziele und immer wieder vorkommende Passagen, für die auf ein Motorrad zurückgegriffen werden muss, aufgelockert. Und auch das indianisch angehauchte „Durchblick-Feature“, bei dem der Spieler über Tastendruck ebenso Sentinel-gleich wie unter Verwendung einer Wärmebildkamera die nächsten Abschnitte durchblicken kann, sorgt in den ersten Minuten für Abwechslung. Dies führt dazu, dass das Missions- und Leveldesign zumindest anfänglich für ein Mehr an Motivation sorgt und die technischen Schwächen des Spiels zumindest teilweise in den Hintergrund treten lässt.

Im weiteren Verlauf verfällt allerdings sowohl die Handlung als auch der Grad an Abwechslung zusehends in einen behäbigen, vorhersehbaren Trott, der wiederum das Auge für die technischen Unzulänglichkeiten von „Damnation“ schärft. Hier hätte eventuell eine weniger lineare, etwas weniger trashige Story und ein im Endeffekt doch vielfältigeres Design der Missionen gut tun können.

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