Lenovo X230 im Test: Dem ThinkPad nicht würdig

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Patrick Bellmer
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Das Lenovo X230 im Detail

Die Optik macht deutlich: Beim X230 handelt es sich nicht um ein Gerät, das durch sein Design Käufer gewinnen soll. Wo derzeit durchgestylte Ultrabooks in der Werbung nach Aufmerksamkeit haschen, will Lenovo mit inneren Werten und pfiffigen Ideen punkten – ganz im Stile der ThinkPad-Reihe und des Vorgängers X220.

Von diesem hat das neue Modell eine Menge übernommen, so beispielsweise das 12,5 Zoll messende Display, das es je nach Wunsch in unterschiedlichen Ausführungen gibt. Im Testgerät, das die Einstiegskonfiguration darstellt, löst es mit 1.366 × 768 Pixeln auf und basiert auf einem TN-Panel. Nicht nur, dass die Blickwinkel ein wenig enttäuschen: Weder bei der Homogenität (71 Prozent) noch beim Kontrast (158:1) oder bei den Farbraumabdeckungen kann die Anzeige überzeugen, im Gegenteil: Hier dürfte der Griff zu Varianten mit IPS-Panel die bessere Wahl sein. Lediglich die matte Oberfläche weiß zu gefallen.

Homogenität
Homogenität
Nicht immer ausreichend helles Display
Nicht immer ausreichend helles Display

Besser sieht es im Innern des X230 aus. Lenovo verlässt sich hier auf Intels aktuelle Ivy-Bridge-Garde, in diesem Fall auf einen i5-3210M mit zwei Kernen und in der Spitze 3,1 Gigahertz. Abgesehen von vPro versteht dieser sich auf alle wichtigen Produktivfunktionen und die Leistung reicht für die meisten Arbeitseinsätze mehr als aus. Limitierend wirkt im Zweifelsfall eher die GPU vom Typ HD 4000. Ohne eigenen Speicher gilt auch für die integrierte Grafik: Fürs Arbeiten reicht es, zum Spielen eher nicht.

Performance-Vergleich

Mehr Freiraum bieten Arbeits- und Massenspeicher. Während man bei ersterem mit vier Gigabyte für die meisten Aufgaben gut versorgt ist, im Zweifelsfall aber einen zweiten Riegel nachrüsten kann, stehen bei zweiterem 500 Gigabyte zur Verfügung. Die schnelle HDD kommt in puncto Übertragungsgeschwindigkeit zwar bei Weitem nicht an moderne SSDs heran, setzt sich bei den bisher getesteten 2,5-Zoll-Magnetplatten aber an die Spitze. Ungewöhnlich: Auf ein optisches Laufwerk verzichtet Lenovo.

Crystal Disk Mark

Gefallen finden die Schnittstellen, die Lenovo über insgesamt vier von sechs Gehäuseseiten verteilt hat. Dreimal USB, VGA, DisplayPort, Audio, Express Card 54, Kartenleser und Ethernet, dazu ein Anschluss für eine Dockingstation. Leider befindet sich ein großer Teil der Anschlüsse rechts und links unterhalb der Handballenablage, was bei exzessiver Nutzung derer für Platzprobleme sorgen kann. Drahtlose Verbindungen sind via WLAN und Bluetooth möglich, zudem verbaut Lenovo ein Mobilfunkmodem, das in UMTS- und HSPA-Netzen arbeiten kann; gegen Aufpreise ist auch ein LTE-taugliches Pendant erhältlich. Dank GPS-Modul kann jederzeit auch der eigene Standort genau ermittelt werden.

Anschlüsse links: USB, VGA, DisplayPort, Express Card 54, USB
Anschlüsse links: USB, VGA, DisplayPort, Express Card 54, USB

Für langjährige Lenovo-Nutzer ein Novum stellt die Tastatur dar. Nach langen Jahren hat der chinesische Hersteller hier einen Neuanfang gewagt und setzt nun auf das weitverbreitete Chiclet-Design. Aber auch unter der Oberfläche des Eingabegeräts hat sich einiges getan, denn vom ehemals oft gelobten hohen Schreibkomfort ist nur wenig übrig geblieben. Denn in Summe ist der Druckpunkt zu hart gewählt, zudem ist dieser auffallend uneinheitlich: Während er bei Ziffern- und Buchstabentasten nahezu identisch ausfällt, ist er bei fast allen anderen Elementen deutlich zu weich. Lediglich Hub und Beleuchtung sind als gut zu bewerten. Regelrecht schlecht ist allerdings das Touchpad. Nicht nur, dass die berührungsempfindliche Fläche schlicht zu klein ist: Zahlreiche Kommandos werden nur unzuverlässig erkannt, vor allem bei der Benutzung von mehr als einem Finger. Eine Alternative stellt hier der bekannte Trackpoint dar, der im Zusammenspiel mit den separaten Tasten ein gutes Bild abliefert.

Anschlüsse rechts: Kartenleser, USB, Ethernet, Audio
Anschlüsse rechts: Kartenleser, USB, Ethernet, Audio

Verbaut ist all das in ein ThinkPad-typisch geformtes Gehäuse – Rundungen sucht man vergeblich, klare Linien und Kanten dominieren. Ob dies gefällt oder nicht, ist wie immer eine Frage des eigenen Geschmacks; ob man sich mit dem eher uneleganten Äußeren im Vergleich zur Konkurrenz aber einen Gefallen getan hat, darf zumindest leicht bezweifelt werden. Vor allem gilt dies aber auch für die Oberflächenbeschaffenheit, die weitaus weniger robust ist, als das Gehäuse auf den ersten Blick vorgaukelt. Denn Kratzer und Schrammen sind selbst bei sorgsamen Umgang mit dem Notebook schnell vorzufinden, vor allem der Deckel zeigt sich sehr empfindlich. Ebenfalls kritikwürdig: Trotz der Dicke des Notebooks zeigt es sich teilweise nur wenig verwindungssteif. Schon bei moderatem Krafteinsatz lassen sich Deckel und Wanne verformen, bei letzterer sind dann auch knarzende Geräusche wahrzunehmen.

Unterseite mit Dock-Anschluss
Unterseite mit Dock-Anschluss

Punkten kann das X230 dafür bei den Laufzeiten. Bei geringer Last werden je nach Benchmark zwischen rund sechs und knapp siebeneinhalb Stunden erreicht – neue Bestwerte. Ein wenig undifferenzierter wird es jedoch bei hoher Auslastung. Während Battery Eater hier mit knapp zwei Stunden eine nur durchschnittliche Ausdauer attestiert, kann sich das Notebook im Powermark mit drei Stunden auf den zweiten Platz schieben. Der Vorgänger X220 kann hier ebenso wie bei der Geräusch- und Temperaturentwicklung nicht mithalten.

Wenig befriedigende Tastatur, kleines Touchpad
Wenig befriedigende Tastatur, kleines Touchpad

Denn sowohl an der Oberfläche als auch im Innern des Gehäuses zeigen sich beim neuen Modell deutliche Verbesserungen. Wo das X220 nach langen Lastphasen mit stellenweise weit mehr als 60 Grad Celsius negativ auffiel, ist man nun deutlich unterhalb der Marke von 50 Grad geblieben. Die CPU, die auch im Leerlauf vom dann nahezu unhörbaren Lüfter gekühlt wird, erreicht in der Spitze lediglich rund 70 Grad.

Temperatur an der Oberseite im Leerlauf
Temperatur an der Oberseite im Leerlauf
Temperatur an der Oberseite unter Last
Temperatur an der Oberseite unter Last
Temperatur an der Unterseite unter Last
Temperatur an der Unterseite unter Last
Temperatur an der Unterseite im Leerlauf
Temperatur an der Unterseite im Leerlauf