3/5 'txtr Beagle E-Book-Reader im Test : Ohne Akku gegen Kindle & Co.

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Übertragen von Inhalten

Das Füllen des Beagle gestaltet sich in der Praxis etwas umständlicher als es von den Entwicklern im Vorfeld propagiert wurde. Bevor mit dem Befüllen begonnen werden kann, muss das jeweilige Gerät, welches die Daten bereitstellen soll, mit der aktuellen 'txtr-Software bestückt werden. Dies sind in unserem Fall das Galaxy Nexus. Um es direkt vorweg zu nehmen: Zwei in der Redaktion vorhandene Galaxy-S-Smartphones hätten wir gerne in den Test mit einbezogen, besonders weil uns die Dauer der Umrechnung der Inhalte im Bezug auf den Einkernprozessor interessiert hätte. Leider ließ sich der Beagle jedoch nicht dazu überreden, eine Bluetooth-Verbindung mit den beiden Geräten einzugehen. Auch mit unserem Nexus 7 und dem Galaxy Tab 10.1 von Samsung wollte dieser auf Teufel komm raus keine Verbindung aufbauen.

Aber auch das Befüllen des Readers machen einem die Entwickler nicht unbedingt einfach: Generell müssen zunächst alle Bücher, welche es zu übertragen gilt, in die Cloud (für die im Übrigen keine Größenbeschränkung gilt) geladen werden. Eine Ausnahme nehmen die im eigenen 'txtr-Store gekauften E-Books ein, welche sich direkt nach dem Kauf in der Wolke wiederfinden. Das Hochladen geschieht momentan ausschließlich über das Web-Formular auf der 'txtr-Seite, keine der Programmversionen unterstützt anscheinend ein Hochladen von Store-fremden Büchern. Befinden sich diese dann in der selbigen, werden sie auf das jeweilige Übertragungsgerät wieder heruntergeladen. Befand sich das Original auf dem gleichen Gerät, muss man es demnach zunächst hoch- und dann wieder herunterladen. Diese Prozedur ist für uns nicht nachvollziehbar. Eine Cloud als Zusatz und bei eigener Wahl ist sicherlich ein sinnvolles Angebot, ein Zwang wie in diesem Fall aber nicht. Uns fielen aber noch weitere Unzulässigkeiten auf. Ohne Online-Verbindung ist es nicht möglich, Bücher auf den Beagle zu transferieren, welche vorher nicht der „Cloud-Prozedur“ unterworfen wurden. Zudem sehen wir den Zwang zum Hochladen von nicht bei 'txtr-gekauften Bücher kritisch, den niemand kann genau sagen, was mit diesen Büchern dort geschieht und welche Informationen 'txtr aus diesen zieht.

Auch fiel uns auf, dass bei fremden Büchern oftmals die Metadaten samt Cover nicht übernommen wurden, womit der Buchtitel fehlte und das Buch als „Unknown Title“ in der Bibliothek geführt wurde. Zwar können über das Webformular Titel und Autor geändert werden, ohne Cover macht sich das Buch aber nicht gerade schön in der Auflistung.

Befinden sich die Bücher dann endlich auf dem jeweiligen Mobilgerät, kann mit dem eigentlichen Übertragen auf den Reader begonnen werden. Neben Android-, iOS- und Windows-RT-Geräten ist das Überspielen von Inhalten zudem auch über Windows- oder OS-X-Rechnern mit einem Bluetooth-Modul möglich. Wir beschränken unseren Test jedoch auf das oben genannte Gerät, da auch mit diesem Prozedere seitens 'txtr geworben wird.

Zuerst müssen beide Geräte miteinander verbunden werden. Dafür wird zunächst der Beagle mit einem etwa fünf sekündiges Drücken des Ein- und Ausschalters in den Paring-Modus gebracht, nach der Meldung „auf Bücher warten“ wird anschließend das Smartphone in den Einstellungen mit dem Reader verbunden. Zur Kontrolle erscheint auf beiden Geräten eine Zahlencode, welcher auf beiden Geräten übereinstimmen muss. Wird dieser bestätigt, ist die Verbindungsprozedur abgeschlossen. Sollte innerhalb einer gewissen Zeit keine Verbindung zustande kommen, wird der Verbindungsversuch abgebrochen.

Verbindungsprozess des txtr Beagle
Verbindungsprozess des txtr Beagle

Hieraus ergibt sich in unseren Augen eine weitere Nachlässigkeit: Sollte sich gerade in diesem Moment in der unmittelbaren Nähe ein weiterer Beagle im gleichen Modus befinden, könnte es passieren, dass sich das Smartphone mit diesem verbinden will. Ohne genaue Kontrolle der Nummer wäre es also durchaus möglich, dass sich der Benutzer anstatt mit dem eigenen, mit einem völlig fremden Beagle verbindet – beabsichtigt oder nicht. Unserer Ansicht nach wäre es sicherer gewesen, eine Nummer auf dem Gerät zu erstellen, welche auf dem Smartphone zur Kontrolle eingegeben werden muss.

Ist die Verbindung erst einmal zustande gekommen, kann mit dem Befüllen begonnen werden. Doch auch hierbei ist Geduld gefragt. Da 'txtr beim Beagle wegen der schwächeren Hardware ein anderes Ziel als herkömmliche Lesegeräte verfolgt, werden alle Bücher beim Übertragen auf den Reader in das Raw-Format vorgerendert, damit sich das Lesegerät anschließend nur noch um das Umblättern kümmern muss und somit das rechenintensive Rendern bei jeder neuen Seite entfällt. Dieses Vorgehen birgt aber auch Nachteile: Zum einen können trotz eines Speichers von vier Gigabyte nur wenige Bücher auf dem Gerät gespeichert werden, zum Anderen ist ein nachträgliches Ändern der Darstellung, wie zum Beispiel das Verändern der Schriftgröße, ohne erneutes Aufspielen nicht möglich. Und dieses kann, je nach Buch, lange dauern – sehr lange. So dauerte bei uns das Übertragen des Klassikers „Die Buddenbrooks“ von Thomas Mann, welcher sich mit ein paar anderen elektronischen Büchern gratis in der Wolke befand und der es alleine als Taschenbuch auf fast 800 Seiten bringt, geschlagene 22 Minuten. Das erneute Aufspielen nach Erhöhung der Schriftgröße (von derer es vier gibt) schlägt dagegen mit über 25 Minuten zu Buche. Somit sind die Entwickler mit dem einst gegebenen Versprechen, dass die Umrechnung nahezu in Echtzeit, also quasi während der Übertragung, stattfindet, meilenweit entfernt: Für das Befüllen des Readers mit drei größeren Büchern kann somit gut und gerne über eine Stunde ins Land gehen – etwas, wofür herkömmliche Lesegeräte nur Sekunden benötigen.

Beagle-Software unter Android
Beagle-Software unter Android

Erwähnt werden sollte auch, dass sich die Applikation „txtr ebooks“ für Android, mit welcher sich auch E-Books direkt lesen lassen, zumindest auf unseren Geräten sehr hakelig und träge präsentierte und mehrmals abstürzte. Dies bestätigen auch zahlreiche Kommentare im Play Store. Gestört hat uns außerdem, dass mit jedem Start der Applikation das Bluetooth-Modul unserer Übertragungsgeräte aktiviert wurde – auch wenn dies bei bloßem Lesen des Buches auf dem Smartphone nicht benötigt und so nur unnötig Energie verbraucht wird.

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