Mehr als Angry Birds: Ernsthaft mobil spielen

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Max Doll
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The Room Two

The Room liefert genau das, was der Name verspricht: Einen ziemlich kleinen Raum, wenngleich einen, der es in sich hat. Statt eines Ausgangs fällt das Auge nur auf faszinierende Maschinen und Mitteilungen eines Unbekannten, angeordnet auf verschiedenen Tischen. Dort fügt sich Rätsel an Rätsel, Kasten an Kasten und schließlich Raum an Raum, sauber ineinander geschachtelt und zusammengehalten nur durch vage Hinweise eines Unbekannten.

The Room Two

Durch die räumliche Enge bedingt sind die Knobeleien auf der Suche nach einer Tür zwar nicht einfach, aber immer lösbar, zumal die Räume Schritt für Schritt nach dem Schloss-und-Schlüssel-Prinzip erkundet werden. Unfair wird The Room nur selten durch gut versteckte Puzzelteile, die etwas akribischeres Suchen erforderlich machen. Abseits solcher Momente hält das Adventure den Spiefluss, optional mit nach einiger Zeit eingeblendeten und zunehmend präziseren Hilfestellungen, stets im Gang.

Die konzeptionell voll integrierte Steuerung stützt das Spielgeschehen in jeder Hinsicht. Drehen, bewegen, anordnen: Das alles läuft über den Touchscreen und gibt ein gewisses „Mittendrin“-Gefühl, gerade weil die vielen Maschinen, welche stets im Licht, d.h. im Zentrum der Aufmerksamkeit stehen, geschickt Entdeckertriebe wecken. Es fällt daher ebenso schwer den Raum zu verlassen wie das Spiel aus der Hand zu legen.

Das Wissenwollen und die Faszination des Mysteriösen in der Dunkelheit dienen als Aufhänger, die faszinierenden Apparate mit vielen Zahnrädern und Mechaniken als Klebstoff und die Steuerung, welche Besonderheiten und Möglichkeiten des Touchscreens zu nutzen weiß, schließlich als Sahnehäubchen. Am Ende zu wissen, was, frei nach Goethes Faust, den Raum im Innersten zusammenhält: Unbezahlbar.

Fazit

Sechs Spiele mit sechs verschiedenen Konzepten münden in einem positiven Fazit: Ja, Mobile-Spiele sind ernstzunehmende Zeitfresser mit einer Menge Unterhaltungspotential. Das mag manchen Leser wenig überraschen, im Allgemeinen neigen die Perlen jedoch dazu, unter einer Lawine gesichtsloser Free-to-Play-Massenware oder aber der dreißigsten Kopie des aktuellen Überraschungshits – zuletzt Flappy Birds – erschlagen zu werden.

Hilfestellung in den App Stores, deren Aufbau den angemessenen Umgang mit der unglaublichen Masse an Programmen vermissen lässt, fehlt zumeist – gerade wenn selbst fragwürdige Transaktionsmonster wie Dungeon Keeper mit vier von fünf Sternen bewertet werden.

Die richtigen Spiele einmal aufgespürt, warten interessante Konzepte auf den Spieler. Erst recht, wenn wie in Superbrothers oder The Room die Besonderheiten der Touch-Steuerung produktiv für das Spieldesign aufgegriffen werden. Beide Titel nutzen die eingeschränkten technischen Möglichkeiten als Ausgangslage für innovative Ansätze. Ein Spagat, der generell auch dann gut gelingt, wenn klassische Genrekonzepte in das Mobile-Segment transportiert werden.

Autumn Dynasty schneidet hier als eigenständige, anspruchsvolle Interpretation hervorragend ab, während Modern Combat 4 in gewissem Sinne einen Exotenstatus hat. Das Spiel ist gut gemacht, technisch ansprechend und natürlich artgerecht dynamisch, aber es weckt keine Begeisterung: Schlicht ein weiteres Call of Duty für das Smartphone mit einer Extraportion Mikrotransaktionen.

Dass die Spieldauer aller getesteten Titel zumeist weit unter 10 Stunden bleibt, wird durch niedrige Preise im einstelligen Bereich wieder ausgeglichen. Während Googles Playstore die teils deutlich günstigeren Angebote macht, bietet iTunes die größere und exklusivere Auswahl.

Ein weiteres Fazit: Gerade wenn „Handyspiele“ mehr bieten als Schlangen oder Vögel zu steuern, erscheint das Smartphone schnell nicht mehr als das geeignete Wiedergabegerät. Insbesondere das trotz 5-Zoll-Diagonale immer noch kleine Display unserer LG G2 war dem Spielgenuss wenig zuträglich. Da die getesteten Titel, wenngleich als solche nutzbar, mehr als nur Pausenfüller sind, empfiehlt sich für die gehobenen Vertreter der „Mobile Games“ der Griff zum Tablet.

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