4/5 Kindle (2014) im Test : Amazons günstiger E-Book-Reader mit Touchscreen

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Bedienung und Lesen

Das Display des Kindle 6 misst wie beim letzten Modell sechs Zoll bei einer Auflösung von lediglich 600 × 800 Bildpunkten. Wie beim Kindle 4 greift Amazon bei diesem auf die nicht mehr taufrische Pearl-Technologie des Marktführers E-Ink zurück. Auf die Carta- und Regal-Technologie wie beim Paperwhite 2, welche für einen höheren Kontrast und weniger Ghosting-Effekte sorgen sollen, muss der Nutzer demnach verzichten. Zudem schränkt die fehlende Beleuchtung die Nutzung ohne fremde Lichtquelle deutlich ein. Erwartungsgemäß sorgt helles Sonnenlicht für keinerlei Einschränkungen.

Amazon Kindle – Spezialangebote
Amazon Kindle – Spezialangebote

Die Abkehr von haptischen Bedienelementen hin zu einer reinen Touchscreen-Bedienung birgt nicht nur Vorteile: Während diverse Einstellungen nun deutlich schneller von der Hand gehen, wird mancher Nutzer die seitlichen Blättertasten vermissen: Konnte der Reader früher mit dem Daumen auf den Tasten ruhend gehalten werden, ist der Bewegungsaufwand beim Blättern nun größer.

Darüber hinaus hat Amazon das Display des Kindle 6 knapp einen Millimeter tiefer ins Gehäuse versenkt als es zum Beispiel beim Paperwhite 2 der Fall ist. Durch die nur wenig abgeflachten Seiten bleibt der Nutzer mit den Fingern schnell am Rand hängen, was den Bedienungsfluss erheblich mindert. Andere Hersteller zeigen, wie es besser geht. Dafür fühlt sich die Displayoberfläche des neuen Kindle wesentlich glatter an als beim Paperwhite 2.

Bildvergleich

Text wird auf dem Kindle 6 gut dargestellt, teilweise aber etwas ungleichmäßig. Ein mittlerweile über drei Jahre alter Sony PRS-T1 verfügt bei gleicher Auflösung und Display-Technologie über ein teilweise sichtbar besseres Schriftbild, auffällig wird dies gerade bei kleinen Schriften. Zudem verfügt der Sony-Reader aufgrund des gering helleren Hintergrundes über einen höheren Kontrast. Im direkten Vergleich zum Paperwhite 2 sind ebenfalls sofort Unterschiede sichtbar: Aufgrund der höheren Auflösung stellt der Paperwhite Texte nicht nur sichtbar besser sondern auch etwas kleiner als der Kindle 5 dar. Auch der Kontrast ist beim großen Bruder sichtbar besser. Dennoch gestaltet sich das Lesen auf dem neuen Kindle wie von Amazon gewohnt als sehr komfortabel.

Beim Darstellen neuer Seiteninhalte liegen beide Geräte gleich auf, ein großer Unterschied in der Aufbaugeschwindigkeit ist nicht zu erkennen. Dies bedeutet, dass der neue Kindle Seiten schnell wechselt. Für Ghosting-Effekte, also das Durchscheinen alter Inhalte vorangegangener Seiten aufgrund einer nicht gründlichen Neuausrichtung der Farbpigmente, ist der Kindle 6 jedoch deutlich empfänglicher. Dies ist zum größten Teil auf die ältere Pearl-Technologie zurück zu führen. Das Invertieren nach jeder Seite kann diesen Effekt zwar deutlich verringern, ganz verhindern lässt sich dieser jedoch nicht. Ein Zeitunterschied beim Blättern mit einer Invertierung bei jeder neuen Seite wäre wie beim Paperwhite messbar, aber mit bloßem Auge nicht zu erkennen. Lediglich das kurze Schwarzfärben des Bildschirms ist zu bemerken.

Amazon Kindle Ghosting
Amazon Kindle Ghosting

In puncto Einstellungen trennen den Kindle 6 von seinem Vorgänger Welten. Amazon hat dem neuen Ableger alle Eigenschaften des Paperwhite zugutekommen lassen, zu denen Funktionen wie PageFlip oder die am Lesetempo ausgerichtete Restlesezeit des Kapitels oder des ganzen Buches gehören. Übersetzer und die Suchfunktion, welche bei einer bestehenden Online-Verbindung auch auf Wikipedia zurückgreift sowie X-Ray, das dem Nutzer einen Überblick für das aktuell Buch gibt, gehören auch jetzt hier zum Inventar. Vokabeltrainer, Kindersicherung und FreeTime zur Überprüfung der Lesegewohnheiten der eigenen Kinder oder das Unterteilen der Büchersammlung in eigene Kategorien runden die Software ab. Eine genauere Übersicht der jeweiligen Funktionen wurde bereits zum Test des Paperwhite 2 aufgeführt.

Zur Anpassung der Textdarstellung kann neben acht Schriftgrößen auf sieben Schriftarten zurückgegriffen werden. Ebenso lassen sich Zeilenabstand und Seitenränder in jeweils drei vorgegebenen Abständen einstellen.

Amazon Kindle – Einstellungen
Amazon Kindle – Einstellungen
Amazon Kindle – Einstellungen
Amazon Kindle – Einstellungen

PDF-Dateien machen auch auf dem Kindle nur bedingt Spaß. Ein wirkliches PDF-Reflow ist nach wie vor nicht vorhanden, zum Lesen muss also die Zoom-Funktion bemüht werden, was das Unterfangen nicht komfortabel gestaltet. Über Umwege können PDF-Dokumente zumindest ein wenig angepasst werden: Wird das Dokument als Anhang an die eigene Kindle-Email-Adresse mit dem Betreff „convert“ gesendet oder über die bereits erwähnte „Send-To-Kindle“-Applikation geladen, versucht Amazon dieses an den Kindle-Reader anzupassen. Das Ergebnis lässt sich zwar etwas besser lesen, als wirkliches Reflow kann die Option aber nicht überzeugen – bessere Ergebnisse sind teilweise mit der Verwendung von Calibre zu erreichen. Die Dauer, welche vom versenden der Datei bis zum Erhalt auf dem Reader vergeht, kann sich je nach Auslastung des Dienstes als zusätzliches Problem erweisen: Im Test reichte diese Zeitspanne von ein paar Sekunden bis hin zu ein paar Minuten. Ein schnelles „reinschauen“ in ein PDF-Dokument ist somit nur begrenzt möglich.

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