Der Tempel des Osiris : So spielt sich Lara Croft aus der Vogelperspektive

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Der Tempel des Osiris: So spielt sich Lara Croft aus der Vogelperspektive

Tomb Raider“ gepaart mit einem Hauch von „Diablo“ – passt das zusammen? Ja, das tut es! Diese überraschende Feststellung konnte 2010 im Zusammenhang mit „Lara Croft and the Guardian of Light“ getroffen werden. Denn auch wenn echte Lara-Fans wegen der Vogelperspektive und dem arcadigen Gameplay die Nase rümpften: Der ungewöhnliche Ableger der ehrwürdigen „Tomb Raider“-Reihe kam mit einer Mischung aus Koop-Action, Adventure und Puzzle gut an.

Für den 9. Dezember steht mit „Lara Croft und der Tempel des Osiris“ die Fortsetzung des beliebten „Guardian of Light“ in den Startlöchern. Wir haben den Titel angespielt und die Frage gestellt: Trägt das Prinzip auch im Jahr 2014?

Lara Croft and the Temple of Osiris – 4-Spieler-Coop

Auf einen Blick

Schon in den ersten Minuten von „Lara Croft und der Tempel des Osiris“ (TdO) wird klar, dass die Entwickler von Crystal Dynamics nicht an den Grundfesten rütteln. Nach wie vor blickt der Spieler deswegen aus der „Diablo“-typischen Vogelperspektive auf das Geschehen, wobei Lara Croft selbstverständlich zentral das Geschehen bestimmt. Und nach wie vor geht es für Lara und bis zu drei Mitstreiter darum, mit Waffengewalt allerlei Gegner aus dem Weg zu räumen, kleine Rätsel zu lösen und zwischendurch auch immer wieder in Jump-'n'-Run-Manier zu überleben.

Wie schon im Vorgänger, ist die Story auch in TdO nur Beiwerk, das dafür sorgt, dass die Spielmechanik zusammengehalten wird. Dieses Mal verschlägt es Lara Croft – typisch Ärchäologin – nach Ägypten. Dort trifft sie nicht nur auf einen Konkurrenten, sondern auch auf die beiden Halbgötter Horus und Isis. Doch damit ist der übernatürlichen Wesen leider nicht genug: Auch der Gott Seth treibt in der weitläufigen Tempelanlage, die als Setting dient, sein Unwesen. Und natürlich hat Seth vor allem ein Ziel: Die Eindringlinge zu vernichten und sich zu altem Ruhm aufzuschwingen. Nur gut, dass Lara sich sowohl mit ihrem Konkurrenten, als auch mit Horus und Isis verbünden kann. Gemeinsam versuchen sie, Seth den Garaus zu machen, indem mit Osiris ein weiterer, altehrwürdiger Gott der ägyptischen Mythologie wiedererweckt wird.

Diese überhaupt nicht ambitionierte Story plätschert in der laut Publisher Square Enix zwischen rund acht bis zehnstündigen Kampagne nebenher und wird in kurzen Videosequenzen und Abschnitten erzählt, in denen die Stimme von Lara Croft ertönt und im Dialog mit ihren Mitstreitern erläutert, was gerade wie und weshalb passiert.

Der eigentliche Fokus aber liegt wie im Vorgänger auf der Action und der Zusammenarbeit. Während Lara und ihr Archäologen-Konkurrent sich mit allerlei Waffen durch die Dungeons schießen, verfügen Horus und Isi über magische Fähigkeiten, die die Schießprügel ihrer aus der Gegenwart stammenden Freunde ergänzen. Isis etwa nutzt einen mächtigen Stab, mit dem er nicht nur einen Schild erzeugen, sondern auch Gegner per Strahl traktieren kann. Darüber hinaus lassen sich Seile spannen, sodass drei Charaktere einen Abgrund überwinden können. Der vierte muss dann seinerseits per Greifhaken über die Gefahr gelotst werden – eine Mechanik, mit der sich die Spieler auch gegenseitig abseilen können. Und auch als Sprengmeister müssen sich die Charaktere betätigen, da Durchgänge zu Schaltern und Zugänge zu Schätzen und Schaltern immer wieder von Felsen und anderem Unrat verbaut sind.

Die Hauptaufgabe lautet im Zusammenhang mit solchen Tätigkeiten, zu überleben. Die Gefahren sind dabei vielfältig, denn neben allerlei Schluchten, Stacheln und Klippen warten in den Tombs von TdO auch wieder zahlreiche Fallen und natürlich allerlei Gegner. Gekrönt wird die Flut der Widersacher immer wieder durch kleine und große Bossgegner, zu denen im spielbaren Abschnitt ein riesiges Krokodil und ein beweglicher Skelettkrieger gehörten.

All das macht deutlich, wie sehr auch TdO auf das Koop-Element angewiesen ist: Ohne menschliche Mitspieler macht der Titel keinen Spaß. Trotzdem ist es möglich, alleine zu spielen. In diesem Fall übernimmt der Spieler Lara, die, um die Spielmechanik meistern zu können, zusätzlich über den wichtigen Stab des Isis verfügt.

„Lara Croft und der Tempel des Osiris“
„Lara Croft und der Tempel des Osiris“

Dabei ist der klare Koop-Charakter Fluch und Segen zugleich. Mit einer einigermaßen homogenen Gruppe entfaltet TdO nämlich sofort trotz – oder gerade wegen – seines extrem arcadigen Einschlags einige Sogwirkung. Alleine oder mit unterschiedlich kompetenten Spielern aber dürfte der Spielspaß schnell leiden.

Abseits davon, dass TdO die Gruppe mit Gegnerscharen und Jump-'n'-Run-Einlagen unter Druck setzt, wird zwischendurch auch immer wieder die Rätselei bedient. Komplexe Aufgaben darf man in diesem Zusammenhang nicht erwarten. Für kurze, ruhige Momente in denen Köpfchen gefragt ist, reicht es auf den ersten Blick aber allemal. Wichtig wird in dieser Hinsicht sein, ob es den Entwicklern tatsächlich wie angekündigt gelingt, die Rätsel flexibel zu halten, sodass sie mit allen denkbaren Gruppengrößen kompatibel sind.

Auch die obligatorische Jagd nach Schätzen ist denkbar einfach gehalten. Wer bei aller Hektik einen Blick für die Umgebung hat, kann immer wieder Juwelen einsammeln, mit denen am Ende eines Abschnitts Schatztruhen geöffnet werden können. Diese enthalten im Ideafall Ringe oder Amulette: Erstere bringen Vorteile für den jeweiligen Charakter, letztere können die Schlagkraft der ganzen Gruppe erhöhen, indem etwa jedes Mitglied, das sich in der Nähe des Trägers aufhält, einen zusätzlichen Feuerschaden erhält.

Darüber hinaus dienen die gesammelten Juwelen als Wiederbelebungswährung. In dieser Funktion sind sie auch dringend notwendig: Gerade zu Beginn stirbt man häufig, wobei die Gruppe erst dann gescheitert ist, wenn alle Mitglieder das Zeitliche gesegnet haben. Dadurch ergibt sich der Vorteil, dass ein sehr guter Spieler schlechtere Mitspieler „durchpullen“ kann. Denkt man aber an Online-Spiele mit wechselnden Mitspielern, ist eine homogene, möglichst aus Freunden bestehe Party nahezu Pflicht für maximalen Spielspaß.

Ansonsten soll die Ingame-Währung „Juwelen“ aber keine entscheidende Rolle spielen. Kaufoptionen sind laut Publisher Square Enix nicht geplant. Auch ein Tausch von Gegenständen und Waffen unter den Spielern ist nicht vorgesehen. Stattdessen gilt, dass jeder Spieler mit seinem festen Charakter jederzeit in offene Spiele joinen kann und dann über sein individuelles Waffen- und Itemset verfügt. Eine über die Gegenstände hinausgehende Charakter-Entwicklung wird nicht einmal angedeutet, was den Arcade-Charakter von TdO erneut unterstreicht.

„Lara Croft und der Tempel des Osiris“
„Lara Croft und der Tempel des Osiris“
„Lara Croft und der Tempel des Osiris“
„Lara Croft und der Tempel des Osiris“

Ein Lob verdient sich schließlich die technische Umsetzung. „Lara Croft und der Tempel des Osiris“ wird sowohl für den PC als auch für die PlayStation 4 und Xbox One entwickelt. Dieser „Current Gen“-Charakter macht sich bemerkbar: Die als Spielwelt dienende Tempelanlage sieht für Genre-Verhältnisse schick aus und verfügt dieses Mal sogar über eine die Tombs verbindende Oberwelt, die auch einen erneuten Zugriff zu bereits abgeschlossenen oder optionalen Arealen ermöglicht.

Fazit

„Lara Croft und der Tempel des Osiris“ ist mit Sicherheit kein Blockbuster, sondern vielmehr eine solide, aber nicht besonders weitreichende Weiterentwicklung von „Guardian of Light“. Die erste bemerkenswerte Erkenntnis ist, dass es sich hierbei um den einzigen Titel handelt, den Square Enix ins eigentlich so wichtige Weihnachtsgeschäft schickt.

Der zweite wichtige Punkt betrifft das Spiel selbst. In dieser Hinsicht lässt sich nach unserem ersten Kontakt sagen: „Tomb Raider“ aus der Vogelperspektive als arcardige Koop-Action – das funktioniert nach wie vor sehr gut.

Voraussetzung aber ist unserem ersten Eindruck nach auch dieses Mal wieder, dass man über verlässliche, in etwa gleich gute Mitspieler verfügt. Ist dies gegeben, dürfte „Lara Croft und der Tempel des Osiris“ pünktlich zu Weihnachten seinen Zweck erfüllen.

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