3/4 Samsung Galaxy S6 (edge) im Test : Reset. Try Again. Win.

, 244 Kommentare

Kamera

Die rückwärtige Kamera des Samsung Galaxy S6 löst 16 Megapixel auf einem vergleichsweise kleinen 1/2,6"-Sensor im Bildformat 16:9 auf und ist mit Blende f/1.9 ein Stück weit lichtstärker als seine Mitstreiter im Fotovergleichstest. In Szenen mit wenig Licht stehen dem neuen Flaggschiff ein LED-Blitz zur Aufhellung und ein optischer Bildstabilisator zur Verfügung, der längere Belichtungszeiten aus der Hand ermöglicht.

Kamera-Vergleich
Samsung Galaxy S6 (edge) Apple iPhone 6 Plus HTC One M9 LG G Flex 2
Hauptkamera Auflösung 16,0 MP 8,0 MP 20,0 MP 13,0 MP
Sensorgröße 1/2,6" 1/3" 1/2,3" 1/3"
Sensorformat 16:9 4:3 10:7 4:3
Blendenzahl f/1.9 f/2.2 f/2.4
OIS ×
Video 2160p 1080p 2160p
Zeitlupe 120 FPS 240 FPS 120 FPS
Frontkamera Auflösung 5,0 MP 1,2 MP 4,0 MP 2,1 MP
Video 1440p 720p 1080p

Den Tag über zeigt das Galaxy S6 meist ausgewogene Farben und eine angemessene Bildschärfe bei nahen sowie fernen Motiven. Zu den Rändern hin lässt letztere allerdings sichtbar nach. In gewissen Lichtsituationen lässt sich zudem etwas chromatische Aberration in den extremen Randbereichen erkennen (zum Beispiel auf Bild 33). Im Vergleich zu seinen Mitstreitern, besonders aber verglichen mit dem Apple iPhone 6 Plus, fallen die Bilder insgesamt etwas kontrastärmer und die Farben weniger stark gesättigt aus. Die mit dem Apple iPhone 6 Plus aufgenommenen Bilder sind lebendiger.

Sobald die Dämmerung einsetzt, greift das Galaxy S6 neben längeren Verschlusszeiten auf eine höhere Empfindlichkeit zurück. Bereits ab ISO 200 nimmt das Rauschen des 1/2,6"-Sensors spürbar zu und büßt wahrnehmbar an Auflösungsvermögen ein. Spätestens ab ISO 400 und damit bereits sehr früh, sind starke Detailverluste durch hohes Bildrauschen hinzunehmen. Das gilt besonders für Aufnahmen bei Dunkelheit.

Samsung Galaxy S6 (edge) im Test – Kamera

Wenn bei Dunkelheit eine Lichtquelle mit auf das Foto gelangt, die deutlich heller als der restliche Bildausschnitt ist, gewichtet der interne Belichtungsmesser diese Lichtquelle stärker, damit sie nicht komplett weiß wird (Bild 117). Dieses Verhalten ist korrekt, allerdings hat dies zur Folge, dass andere Bildbereiche unterbelichtet werden. Solche dunkel geratene Bildbereiche sollten wie beim Apple iPhone 6 Plus durch die interne Bildnachbearbeitung automatisch bis zu einem gewissen Grad aufgehellt werden. Beim Samsung Galaxy S6 ist dies allerdings nicht der Fall. Hier wird ebenso wie beim HTC One M9 und beim LG G Flex 2 viel Potenzial verschenkt.

In Räumen mit warmer Lichtquelle zeigt der automatische Weißabgleich eine wiedererkennbare Tendenz: Die Fotos haben einen starken Gelbstich. Im Einzelfall hängt dieses Verhalten aber stark von der Art der Lichtquelle ab. Die Beispielfotos aus dem Parkhaus (Bild 165 und 169) zeigen einen nicht ganz so stark ausgeprägten Gelbstich wie etwa Aufnahme 229. Bei der Konkurrenz sieht es ähnlich aus.

Modi der Kamera-App
Modi der Kamera-App

Unterm Strich kann das Samsung Galaxy S6 durch eine gute Bildqualität bei ausgewogener Belichtung überzeugen, in allen anderen hier aufgeführten Situationen schwächelt es jedoch mal mehr, mal weniger stark. Die Konkurrenz macht es abgesehen vom iPhone 6 Plus aber nicht besser. Samsung hat auf der Habenseite zudem eine sehr schnelle Kamera stehen. Denn wie von Samsung versprochen ist die Kamera in unter einer Sekunde einsatzbereit, bietet einen flotten Autofokus und löst deshalb auch sehr schnell aus. Im Home-Button des Galaxy S6 (edge) ist nicht nur ein deutlich besserer Fingerabdrucksensor verbaut, der bereits durch Auflegen funktioniert, die Taste dient auch als Verknüpfung zur Kamera, die durch doppeltes Drücken von jedem Bildschirm aus und auch bei ausgeschaltetem Display aufgerufen werden kann. Im neuen Pro-Modus lässt sich ähnlich wie bei der Lumia-Kamera von Microsoft in Echtzeit Einfluss auf Weißabgleich, Belichtungszeit, ISO und Fokus nehmen.

Konnektivität

Samsung verbaut auch ohne Qualcomm alle aktuellen Übertragungsstandards im Galaxy S6 (edge). Einzig auf den theoretisch schnelleren LTE-Downstream von bis zu 450 Mbit/s, den Qualcomm im Dezember des letzten Jahres für den Snapdragon 810 nachgereicht hatte, müssen Käufer verzichten. Da im derzeit schnellsten deutschen Mobilfunknetz der Telekom ohnehin maximal nur bis zu 300 Mbit/s möglich sind, ist dies weniger ausschlaggebend. Genutzt wurde das Galaxy S6 (edge) im Berliner Netz von O2 in den Stadtbezirken Prenzlauer Berg, Mitte, Friedrichshain, Kreuzberg, Neukölln und Steglitz. Die Smartphones überzeugen mit schnellen Wechseln zwischen verschiedenen Übertragungsstandards wie HSPA oder EDGE, beispielsweise nach dem Verlassen der U-Bahn, und bieten zudem eine gute Gesprächsqualität. Zu Abbrüchen von Telefonaten oder unerklärlichen Empfangsproblemen kam es im Testzeitraum nicht.

Nano-SIM-Fach
Nano-SIM-Fach

Durch die Umpositionierung des Lautsprechers ist das Galaxy S6 (edge) endlich auch als gutes Freisprech-Telefon einsetzbar. Bisher war der Lautsprecher auf der Rückseite verbaut und verstummte, sobald das Smartphone auf den Tisch gelegt wurde. Die Klangqualität kann fast mit der des iPhone 6 und 6 Plus mithalten, Samsungs Lautsprecher verzerrt bei den allerhöchsten Lautstärkestufen aber früher. Dennoch ist der Klang für einen Smartphone-Lautsprecher insgesamt ausgewogen.

Unverändert gegenüber dem Vorgänger Galaxy S5 fallen die unterstützten WLAN-Standards aus. Diese sind mit 802.11 a/b/g/n/ac und Wi-Fi Direct erneut komplett. Medien lassen sich kabellos per Miracast oder mit Kabel per MHL über die USB-Schnittstelle übertragen. Für die im Test schnelle Positionsbestimmung in Google Maps sind A-GPS und GLONASS verantwortlich, während Bluetooth 4.1 die Koppelung mit anderen Geräten und Datenübertragung über kurze Strecken ermöglicht. Wie beim HTC One M9 ist zudem Infrarot für die Nutzung als Universalfernbedienung verbaut. Micro-USB 3.0 bietet das Galaxy S6 (edge) ebenso wie den Schutz gegen Wasser und Staub im Gegensatz zum Galaxy S5 nicht mehr.

Laufzeiten

Weil das Galaxy S6 (edge) kleiner geworden ist, musste Samsung auch die Nennladung das Akkus reduzieren. Von vormals 2.800 mAh sind beim Galaxy S6 2.550 mAh und beim Galaxy S6 edge 2.600 mAh übrig geblieben. Während man sich mit dem Galaxy S5 je nach Nutzung noch zum Abend des zweiten Tages retten konnte, ist das S6 (edge) meistens schon am Mittag des zweiten Tages leer. Wer viel mit dem Galaxy S6 (edge) fotografiert, kann mehr als die Hälfte des Akkus auch innerhalb von vier bis fünf Stunden erschöpfen. Im Video-Dauertest mit einem 720p-Stream von YouTube und einer Display-Helligkeit von 200 cd/m² (Modus: AMOLED-Foto) hält das Galaxy S6 438 Minuten und das Galaxy S6 edge 465 Minuten durch. Das Galaxy S5 kam bei gleichen Bedingungen, aber mit Android 4.4 KitKat noch auf eine Laufzeit von 522 Minuten.

Im Peacekeeper-Benchmark von Futuremark, der das Rendering von Webseiten, WebGL, HTML5-Video und weiteren Tests misst, wendet sich das Blatt und beide Galaxy S6 setzen sich an die Spitze des Testfeldes. Beide Telefone schneiden besser ab als direkte Gegner wie das Apple iPhone 6, HTC One M9, LG G3 oder Sony Xperia Z3. Nur das HTC One max mit ebenfalls rund achteinhalb Stunden kann hier mithalten.

Sehr gut sieht es für das Galaxy S6 (edge) auch in dem neu aufgenommenen PCMark aus, der eine Mischung aus Web-Browsing, Videowiedergabe sowie Öffnen, Editieren und Speichern von Textdokumenten und Bildern simuliert. Dank etwas höherer Nennladung schneidet auch in diesem Test das Galaxy S6 edge mit über sieben Stunden besser als das normale Galaxy S6 ab, das vor dem HTC One (M8) den zweiten Platz belegt, gefolgt vom Motorola Moto G (2014) und HTC One M9.

Während HTC beim One M9 trotz vorhandener Schnellladefunktion auf das dafür benötigte Ladegerät verzichtet, liefert Samsung das Galaxy S6 (edge) mit dem Modell EP-TA20EWE aus, das bei 9,0 Volt 1,67 Ampere oder bei 5,0 Volt 2,0 Ampere liefert. Die Vorteile der Schnellladefunktion sind beim Galaxy S6 (edge) sofort ersichtlich: Im eingeschalteten Zustand von einem Prozent ausgehend ist nach einer halbe Stunde bereits eine Kapazität von 52 Prozent erreicht. Nach 80 Minuten ist das Galaxy S6 (edge) voll aufgeladen. Alternativ lassen sich beide Smartphones auch kabellos laden. Samsung unterstützt den Qi-Standard des Wireless Power Consortium sowie die Power Matters Alliance, die sich im Januar dieses Jahres wiederum mit der Alliance for Wireless Power (A4WP) und deren Standard Rezence zusammengeschlossen hat.

Auf der nächsten Seite: Fazit