Steam Machine und Link: Für Valves Wohnzimmer-Ambitionen wird es ernst

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Nicolas La Rocco (+3)
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Leistung und Darstellungsqualität

Valve hat gezeigt, dass das Spiel Left 4 Dead 2 unter SteamOS mit OpenGL schneller laufen kann als unter Windows 7 mit DirectX 11. Und mit Vulkan steht für Linux wie mit DirectX 12 für Windows eine noch deutlich effizientere API an. Im Schnitt über zahlreiche aktuelle Titel ist das von Valve aufgezeigte Kräfteverhältnis aber nicht das vorherrschende.

Für die folgenden Tests hat die Redaktion die Steam Machine von Alienware kurzer Hand mit Windows 10 bestückt, die Hardware dabei aber unverändert gelassen. Als Treiber für Windows wurde der GeForce 358.50 installiert, während SteamOS mit dem GeForce 352.30 ausgestattet ist. Die Grafikdetails wurden auf beiden Plattformen im Menü identisch eingestellt. Ziel war es, spielbare FPS zu erlangen.

Gleich zu Beginn der Messungen unter SteamOS fällt auf, dass sich die vertikale Synchronisation (VSync) nicht abschalten lässt. Der entsprechende Menüpunkt ist in den Spielen zwar vorhanden, wird aber ignoriert. Damit sind Spieler auf die VSync-Implementierung des jeweiligen Spiels angewiesen. Bei den Testreihen gab es mehrere Spiele, die unter 60 FPS gleich auf 30 FPS zurück schalten. Das sind Konsolenspieler gewohnt, PC-Spieler aber nicht. Unter Windows 10 lässt sich bei diesen Titeln ohne die Synchronisation die Geschwindigkeit um 35 Prozent erhöhen – natürlich in Verbindung mit den bekannten Darstellungsproblemen.

Performancerating – SteamOS
    • Windows 10 @ VSync aus
      157,6
    • Windows 10 @ VSync an
      116,5
    • SteamOS (Linux, OpenGL)
      100,0
Einheit: Bilder pro Sekunde (FPS), Geometrisches Mittel

Wird VSync zur besseren Vergleichbarkeit auch unter Windows 10 aktiviert, laufen die ausgewählten Spiele unter Windows 10 mit DirectX im Schnitt 17 Prozent schneller als mit SteamOS und OpenGL. Ob das an der OpenGL-Portierung des Spiels oder der Leistung des Treibers im jeweiligen Titel liegt, ist unklar.

In den Einzelspielen zeigt sich, dass SteamOS durchaus gleich schnell agieren kann wie Windows 10. Das ist in Counter-Strike: GO, Defense Grid 2, Metro: Last Light Redux, Torchlight 2 sowie Trine 2 der Fall. Abgesehen von Metro: Last Light ist dies aber möglicher Weise VSync geschuldet, da in allen diesen Titeln die Bildausgabe durch die Synchronisation gebremst wird. In anderen Spielen hat SteamOS deutlich das Nachsehen. Das ist in Bioshock: Infinite, Borderlands: The Pre Sequel und dem Strategiespiel Company of Heroes 2 der Fall.

Diagramme
Bioshock: Infinite – 1.920 × 1.080
  • High-Preset:
    • Windows 10 @ VSync aus
      66,0
    • Windows 10 @ VSync an
      60,0
    • SteamOS (Linux, OpenGL)
      43,0
Einheit: Bilder pro Sekunde (FPS)

Grafisch gibt es zwischen der Version für Windows und der für SteamOS in der Regel keine relevanten Unterschiede zu erkennen. Die Beleuchtung ist zwar selten dieselbe, welche Variante die bessere ist, ist allerdings Geschmackssache. Aber es gibt Ausnahmen.

In Metro: Last Light Redux fällt schon in den Grafikoptionen unter SteamOS auf, dass einige Funktionen nicht zur Verfügung stehen. Das bestätigt sich im Spiel. Tessellation wird unter Linux ebenso wenig angeboten wie Tiefenunschärfe.

Steam Machine – Grafikvergleich mit Windows

Lautstärke & Leistungsaufnahme

Die Steam Machine von Alienware ist mit zwei Radiallüftern ausgestattet, die unter SteamOS mit jeweils etwa 850 Umdrehungen in der Minute drehen. Steht die Konsole am Fernseher, sind die gemessenen 31 Dezibel vom Sofa aus nicht wahrnehmbar. Das gilt auch für die typische Geräuschkulisse von 36 Dezibel unter Last. Für die Kombination aus kompakten Abmessungen und Desktop-Prozessor ist das eine sehr gute Vorstellung

Lautstärke
    • Alienware – SteamOS
      31,0
    • Alienware – Spielelast (Normalfall)
      36,0
    • Alienware – Spielelast (Worst Case)
      40,0
Einheit: dB(A)

Metro: Last Light Redux fiel mit 40 Dezibel aus dem Rahmen, dass weitere Spiele für höhere Drehzahlen sorgen, ist nicht ausgeschlossen. Die Steam Machine ist dann auch beim Spielen hörbar. Die PlayStation 4 ist allerdings vergleichbar laut.

In puncto Leistungsaufnahme ist die Alienware Steam Machine klar den aktuellen Konsolen von Microsoft und Sony überlegen. In den Menüs von SteamOS verbraucht die Steam Machine 30 Watt, bei der PlayStation 4 sind es hingegen bereits 80 Watt und bei der Xbox One sogar 117 Watt. Damit verbrauchen die Spielkonsolen beim Nichtstun so viel wie die Steam Machine in Spielen. Im Worst-Case-Szenario mit Metro 2033: Redux liegt der Verbrauch der Alpha bei 90 Watt, weniger fordernde Spiele wie Defense Grid 2 liegen je nach Anzahl der Gegner zwischen 56 und 78 Watt. Die Verwendung einer Notebook-GPU zahlt sich hier aus.

Alternativen

Alle Messewerte beziehen sich auf eine Konfiguration der Steam Machine von Alienware. Der Hersteller ist allerdings nicht der einzige, der zum Start am 10. November eine Steam Machines anbieten wird. Auch die Liste der anderen Anbieter hat sich gegenüber dem Stand im März aber nicht verändert. Das Spektrum reicht von der kompakten Konsole im ITX-Format bis zum High-End-PC von Falcon Northwest. Das zeigt, dass eine Steam Machine keine vorgegebenen Formfaktor, vorgeschriebene Hardware oder ein Preislimit einhalten muss. Ein PC wird zur Steam Machine, sobald SteamOS installiert ist.

Steam Machines GDC 2015

Für Deutschland relevant sind neben Dell die Produktankündigungen von Alternate, Asus, Gigabyte und Zotac. Laut Valve kommt die Steam Machine von Alternate im November ab 1.100 US-Dollar auf den Markt. Wer allerdings bei Alternate nach „Steam Machine“ sucht, findet nur irrelevante Produkte. Wie der Händler gegenüber ComputerBase mitteilte, werden zurzeit aktuelle Konfigurationen für den November geplant. Asus will den Mini-PC ROG GR8S als Steam Machine ab 700 US-Dollar auf den Markt bringen, zum Deutschlandstart liegen dem Unternehmen aber „aktuell leider noch keine konkreten Infos vor“.

Bei Gigabyte ist der Mini-PC Brix Pro als Steam Machine für 600 US-Dollar geplant. Wie sich der mittlerweile anderthalb Jahre alte PC ohne dedizierte Grafikkarte schlägt, hatte ComputerBase bereits zum Test im April 2014 überprüft. Zotacs Steam Machine heißt SN970 und bietet mit Skylake-CPU und GeForce GTX 970M die modernste Ausstattung auf kleinem Raum. Laut Valve kommt die Konsole im November zum Preis von 1.000 US-Dollar auf den Markt. Zotac selbst will davon auf Nachfrage allerdings nichts wissen. Der Informationsstand habe sich nicht zu dem der Ankündigung im April verändert. Das bedeutet: Offiziell hat die SN970 keinen Preis oder Starttermin.