Yoga Tab 3 Pro im Test : Lenovos Tablet mit Pico-Beamer kann mehr als Netflix

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Yoga Tab 3 Pro im Test: Lenovos Tablet mit Pico-Beamer kann mehr als Netflix

Das Lenovo Yoga Tab 3 Pro darf durchaus als massentaugliche Verfeinerung einer ursprünglich leicht verrückten Idee gesehen werden. Als direkter Vorgänger der Produktfamilie besetzte das Yoga Tab 2 Pro eine absolute Nische: Es misst 13,3-Zoll und trägt einen Pico-Beamer. In der dritten Generation schrumpft das Tablet auf 10,1-Zoll – der Beamer wird leistungsfähiger, der hochauflösende Bildschirm und eine starke Ausstattung bleiben.

Eines kann man Lenovo, mittlerweile mit 6,3 Prozent Marktanteil an dritter Stelle bei den Tablet-Verkäufen im letzten Quartal, gewiss nicht vorwerfen: Innovationslosigkeit. Das Unternehmen vermarktet die interne Querdenkerei unter dem Hastag #goodweird. Für Konzept, Entwicklung und offensichtlich auch eine gehörige Portion Marketing verpflichtete Lenovo 2013 den Schauspieler Ashton Kutcher, der laut eigener Aussage „an jedem einzelnen Detail des besten Tablets der Welt“ auch als Ingenieur seine „Hände schmutzig“ machte.

Ich denke, wir haben das beste Tablet der Welt gebaut

Ashton Kutcher, Lenovo

Jung, energiegeladen und mobil präsentiert Lenovo das Yoga Tab 3 Pro und seine skateboardende und feiernde Käuferschaft in einem Werbespot. Mit flexibler Multimode-Nutzung und Instant-Projektions-Kunst. Dolby-Atmos-Sound, 10,1-Zoll-QHD-Bildschirm, Spritzwasserschutz und mehr als 18 Stunden Laufzeit bewirbt Lenovo die Schlüsseleigenschaften des Tablets. Es sei das ultimative Video-Tablet, ließ Lenovo zur Vorstellung auf der IFA 2015 verlauten. Dick aufgetragen, oder wie viel kommt auch im Tablet-Alltag an?

YouTube-Video: YOGA Tab 3 Pro - Product Video

Vier Kerne von Intel und ein riesiger Akku

Mit dem Atom x5-Z8500 setzt Lenovo auf Intels aktuelle SoCs in 14 nm. Zusammen mit 2 GB Arbeitsspeicher kann das Lenovo Yoga Tab 3 Pro einen soliden Antrieb vorweisen, auch wenn es sich nicht an die Leistungsspitze schwingt. Schon auf dem Papier machen die 2.560 × 1.600 Pixel des 10,1-Zoll großen IPS-Displays einen scharfen Eindruck. 32 GB interner Speicher und 13 Megapixel bei der Hauptkamera sind keine Standardgrößen für ein Tablet. Der 10.200 mAh Akku (iPad Air 2: 7.340 mAh) fassende Akku profitiert von dem Platzangebot im Griff des Tablets.

Lenovo Yoga Tab 3 Pro 10 Lenovo Yoga Tablet 2 Pro
Software:
(bei Erscheinen)
Android 5.1 Android 4.4
Display: 10,10 Zoll
2.560 × 1.600, 299 ppi
IPS
13,30 Zoll
1.440 × 2.560, 221 ppi
IPS
Bedienung: Touch
SoC: Intel Atom x5-Z8500
4 × Airmont, 2,24 GHz
14 nm, 64-Bit
Intel Atom Z3745
4 × Silvermont, 1,86 GHz
22 nm, 64-Bit
GPU: Intel HD Graphics
600 MHz
Intel HD Graphics
778 MHz
RAM: 2.048 MB
LPDDR3
Speicher: 32 GB (+microSD)
Kamera: 13,0 MP
AF
8,0 MP
f/2,2, AF
Sekundär-Kamera: Nein
Frontkamera: 5,0 MP
AF
1,6 MP
AF
GSM: Nein
UMTS: Nein
LTE:
Nein
Variante
Ja
WLAN: 802.11 a/b/g/n/ac 802.11 b/g/n
Bluetooth: 4.0
Ortung:
GPS, GLONASS
Variante
A-GPS, GLONASS
Nein
Weitere Standards: Micro-USB 2.0
SIM-Karte:
Akku: 10.200 mAh
fest verbaut
9.600 mAh
Größe (B×H×T): 247,0 × 179,0 × 4,70 mm 333,2 × 223,0 × 2,60 mm
Schutzart: IP21
Gewicht: 665 g 950 g
Preis: ab 444 € / – 499 € / –

Vier Einsatzmodi, alle durchdacht und sinnvoll

Form follows Function lässt sich als Design-Grundsatz der Yoga Tablet-Familie vermuten. Wie alle Vertreter besitzt auch das Yoga Tab 3 Pro eine zylindrische Basis. Die braucht es auch für einen komfortablen Halt, denn mit 660 Gramm ist das Tablet kein Leichtgewicht. Das Sony Xperia Tablet Z4 liegt bei identischer Display-Diagonale bei nur 389 Gramm, auch das Apple iPad Air 2 wiegt mit 437 Gramm deutlich weniger. Tatsächlich spürt man durch den runden Griff gegenüber dem iPad Air 2 kaum einen Unterschied. Auch im Querformat bietet das Tablet einen sicheren und bequemen Halt.

Im Liegen projiziert der Beamer nach vorn
Im Liegen projiziert der Beamer nach vorn
Der Standmodus
Der Standmodus
Eine Aufhängung im Standfuß kann in der Küche praktisch sein
Eine Aufhängung im Standfuß kann in der Küche praktisch sein

Frisch aus der Verpackung zeigt das Yoga Tab 3 Pro zwei Aufkleber auf der Front, von denen einer die verschiedenen Nutzungsmodi verdeutlicht. Der Zylinder erlaubt nicht nur das Halten im Porträt-Format, er dient auch als Scharnier für einen ausklappbaren Standfuß, in welchem die Aussparung für den Arretierungs-Knopf zusätzlich als Aufhängung funktioniert. So kommt das Tablet auf die Nutzungsarten Halten, Stehen, Liegen und Hängen – das Yoga Tab 3 Pro kann in der Tat sinnvoll flexibel eingesetzt werden. Bei den meisten 2-, 3- oder 4-in-1-Produkten ist mindestens ein Aspekt in der Regel nur stiefmütterlich umgesetzt worden.

Der Beamer macht nun die Drehungen des Standfußes mit

Mit dem Aufklappwinkel von bis zu 180° justiert man auch gleichzeitig die Projektionsrichtung Projektionsrichtung des integrierten Beamers. Der 13,3 Zoll große Vorgänger trug den Beamer noch seitlich im Zylinder. Da er nun die Drehungen des Standfußes mitmacht, ergeben sich noch mehr Möglichkeiten bei der Ausrichtung des Bildes und der gleichzeitigen Nutzung beider Bildgeber. An den Enden des Zylinders finden sich jetzt der Startbutton und Bedienknopf für den Projektor. Wurde der Pico-Beamer damit gestartet, ruft ein erneutes Drücken das Menü für die Scharfstellung auf. Der Beamer-Fokus rattert wahrnehmbar, bei dem ansonsten lautlosen Betrieb verwundert das anfänglich. Die Lösung ist trotzdem deutlich besser als der manuelle Schieberegler beim Yoga Tab 2 Pro.

Offiziell sprach Lenovo bei der Vorstellung von einem „Gun metal finish“ Nach dem Auspacken zeigt sich, dass nur der Standfuß aus Aluminium gefertigt ist. Die restlichen Formteile wie die perforierte Lautsprecherleiste auf der Front, der schmale seitliche Rahmen und die Rückseite zeigen mit dünnen Nähten und weniger Temperaturübergang bei Berührung ihre Beschaffenheit aus Kunststoff. Auf der Rückseite besitzt das Lenovo Yoga Tab 3 Pro eine sauber eingeklebte Fläche aus Kunstleder mit gewöhnungsbedürftiger Haptik. Insgesamt ist das ein interessanter Materialmix, der vor optisch eine Einheit bildet.

Die Spaltmaße zwischen Rahmen und Displayglas sind gering, lassen sich jedoch mit dem Fingernagel speziell in der Gegend der Lautstärkewippe weiten. Die Steifigkeit bei Verwindungen ist in Ordnung, aber nicht hervorragend. Auch grober Druck auf die Rückseite ruft keine Wellenbildung auf dem Bildschirm hervor. Die Metallarretierung für den Standfuß macht einen robusten Eindruck und sollte auch mehrfach tägliches Aus- und Einrasten mitmachen. Von der Plastik-Verschlusskappe für den microSD-Einschub lässt sich das leider nicht behaupten, hier sollte man vorsichtiger zu Werke gehen. Der Druckpunkt der Hardwaretasten ist deutlich zu finden, die Lautstärkewippe klappert allerdings etwas in ihrer Fassung.

Im Großen und Ganzen ist das Lenovo Yoga Tab 3 Pro ordentlich verarbeitet, das Sony Xperia Tablet Z4 und Apples iPad bieten allerdings noch etwas mehr Qualität. Die angesprochenen Kritikpunkte sind allerdings keineswegs so grober Natur, als dass für das Tablet ein besonders vorsichtiger Umgang geboten wäre.

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