2/4 Wileyfox Swift im Test : Das Smartphone für schlaue Füchse

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Umfangreiches Cyanogen OS

Dass Cyanogen OS dem Nutzer viele Option zur Hand gibt, wird auch beim Durchforsten der Einstellungen deutlich. Zum einen können Nutzer viele optische Veränderungen an Cyanogen OS vornehmen, zum anderen hat das Entwicklerteam ein paar Standardapps ersetzt oder bestehende Anwendungen um neue Funktionen erweitert. Außerdem widmet sich Cyanogen OS den Punkten Datenschutz und Sicherheit.

Cyanogen OS orientiert sich an Stock-Android
Cyanogen OS orientiert sich an Stock-Android

Los geht es mit den Themes für das Smartphone. Wileyfox hat ein eigenes Theme für Cyanogen OS beigelegt, das sich durch andere Symbole und leicht veränderte Farben vom Standard-Theme unterscheidet. Wer will, kann sich aber auch selbst eine bunte Mischung aus beiden Welten sowie Elementen von weiteren Themes, die sich über einen Store laden und kaufen lassen, erstellen. Nutzer können Einfluss auf die Symbole in der Statusleiste, die Schriftart, die Symbole der Homescreens, die Navigationsleiste, die Hintergrundbilder, die Steuerelemente, die Töne und sogar die Boot-Animation des Smartphones nehmen. Die Optionen sind schier endlos.

Optionen für Themes
Optionen für Themes

Auch, wie viele Optionen in Menüs zu finden sein sollen, ist dem Nutzer überlassen. Sollen zum Beispiel weniger Schnelleinstellungen dargestellt werden, ist es kein Problem, dies selbst zu definieren. Wer einen Eintrag für Screenshots in dem Menü des Ein/Aus-Schalters benötigt, kann sich diesen auf Wunsch dort hinterlegen. Hinter dem Ring in der Navigationsleiste lassen sich bis zu drei Apps für den Schnellzugriff ablegen.

Viele Optionen finden sich erst nach längerem Gebrauch

Von vielen dieser Optionen erfährt der Nutzer erst nach längerem Gebrauch des Swift und von Cyanogen OS. Das Konvolut aus Menüs, Untermenüs und noch tieferen Untermenüs will erst einmal durchblickt werden, alle Einstellungen auf einen Schlag auswendig zu lernen, scheint fast unmöglich, dafür sind es einfach viel zu viele.

Datenschutz und Anrufer-Sperrliste
Datenschutz und Anrufer-Sperrliste

Der sogenannte Privacy Guard, der im deutschen Cyanogen OS einfach nur Datenschutz heißt, setzt auf Wunsch Einschränkungen bei den Berechtigungen von Apps um. Weil Cyanogen OS in der auf dem Swift installierten Version 12.1.1 noch auf Android 5.1.1 Lollipop basiert, bietet das Betriebssystem diese Optionen noch nicht ab Werk. Im Privacy Guard kann der Nutzer selbst entscheiden, auf welche Daten nachträglich installierte Apps und auch Systemapps zugreifen dürfen.

PIN Scramble erschwert das Ablesen

Interessant ist die PIN Scramble für den Sperrbildschirm. Dahinter versteckt sich eine Funktion, um die Zahlen der PIN nicht immer an derselben Stelle anzuzeigen. Einem Angreifer wird es so etwas schwerer gemacht, anhand des Bewegungsprofils des Fingers zu erkennen, welche PIN eingegeben wurde. Die Zahlen selbst bleiben allerdings sichtbar, sodass die PIN bei genauer Beobachtung der Eingabe trotzdem einsehbar ist. Liegt das Gerät aber zum Beispiel auf dem Schreibtisch, lässt sich eine zuvor eingegebene PIN nicht mehr durch Fettabdrücke auf dem Display eingrenzen.

PIN Scamble und Ordner-Sperre
PIN Scamble und Ordner-Sperre

Auf den Homescreens abgelegte Ordner lassen sich durch Sperrmuster mit Wischgesten schützen, sodass wichtige Apps und Daten nur für den Besitzer einsehbar sind, sollte das Smartphone einmal einer anderen Personen gegeben werden.

Der Truecaller ist nicht empfehlenswert

Die Telefon-App ist mit dem Dienstleister Truecaller verbunden, der ein digitales Telefonbuch mit derzeit rund zwei Milliarden Einträgen pflegt. Truecaller soll einerseits Spam-Anrufe automatisch unterbinden und andererseits das eigene Telefonbuch aus Kontakten ersetzen, indem auf eine große Datenbank von Truecaller zugegriffen wird.

Der Truecaller ist zum Glück optional
Der Truecaller ist zum Glück optional

Die Nutzung dieses Dienstes ist freiwillig und das ist auch sehr gut so. Denn obwohl Truecaller durchaus in der Lage ist, Spam-Anrufe zu blockieren, greift der Dienst gleichzeitig auf die Kontakte des Nutzers sowie auf persönliche Daten zu. Datenschutz wird dadurch schnell nur noch zweitrangig, weil alle Daten an Truecaller wandern, ohne dass die Kontakte aus dem persönlichen Telefonbuch darüber informiert werden.

Mit Cyanogen OS 13, das auf Android 6.0 Marshmallow basiert und das das Swift in jedem Fall als Update erhalten soll, kommen noch die sogenannten Mods als weitere Funktion des Betriebssystems hinzu. Mods sind Zusatzfunktionen von Unternehmen wie Microsoft oder Instagram die sich in bestehende Systemapps einnisten dürfen. Auf dem Sperrbildschirm können dann zum Beispiel Instagram-Posts angezeigt, in der Telefon-App Skype-Funktionen genutzt oder in der Kamera Microsofts Hyperlapse ohne App-Wechsel aktiviert werden. Im Laufe der Zeit sollen für Cyanogen OS immer mehr Mods zur Auswahl stehen, sagte Cyanogen zum MWC 2016.

Cyanogen OS 13 auf Basis von Android 6.0 kommt

Cyanogen OS 13 und damit auch Android 6.0 Marshmallow könnten schon im Laufe des nächsten Monats das Wileyfox Swift erreichen, dann stehen die Mods zur Auswahl und dann werden auch gewisse Funktionen, die Cyanogen derzeit noch manuell integriert, wieder aus dem System entfernt, weil Marshmallow diese ab Werk bietet. Damit ist insbesondere das neue System für Berechtigungen unter Android 6.0 gemeint.

Alte Android-Basis und Sicherheitspatch-Ebene
Alte Android-Basis und Sicherheitspatch-Ebene

Die vielen von Funktion in Cyanogen OS sind deshalb einerseits interessant, stehen aber auch schnellen Updates im Weg. Obwohl sich das Betriebssystem in puncto Optik sehr an Stock-Android orientiert, hat es so viele Zusatzfunktion, dass erst einmal CyanogenMod fertig werden muss, damit auf dessen Code basierend wiederum das kommerzielle Cyanogen OS fertiggestellt werden kann. CyanogenMod 13 steht seit wenigen Tagen als erster stabiler Release zum Download bereit, deshalb dürfte Cyanogen OS 13 ebenfalls nicht mehr lange auf sich warten lassen.

Sicherheitspatch-Ebene hinkt hinterher

Unverständlich ist allerdings, warum Cyanogen OS auch bei der Sicherheitspatch-Ebene so weit hinterher hinkt. Das Swift ist hier erst auf dem Stand von Januar, es fehlen somit zwei wichtige Patch-Monate, in denen Google kritische Lücken geschlossen hat.

Leistung ist ausreichend

Als System-on-a-Chip setzt Wileyfox im Swift auf einen vergleichsweise schwachen Qualcomm Snapdragon 410. Der 28-nm-Prozessor ist mit vier CPU-Kernen des Typs Cortex-A53 von ARM und einer eigenen Adreno-306-GPU von Qualcomm bestückt. Der Maximaltakt der CPU liegt bei bis zu 1,2 GHz, die GPU erreicht maximal 400 MHz.

Viel Leistung bietet der kleine Snapdragon-Prozessor nicht, das spiegelt sich auch in den Benchmarks wider, hat aber zum Glück einen weniger dramatischen Einfluss auf die Nutzung im Alltag als die Digramme zunächst vermuten lassen. Einzig die Spieleleistung des Chips ist tatsächlich nur für eher einfache Casual-Games ausreichend.

Was dem Swift im Alltag besonders hilft, um die Leistung nicht unerwartet absacken zu lassen, sind die 2 GByte Arbeitsspeicher, sodass das Smartphone auch bei mehreren offenen Apps nicht sofort ins Straucheln gerät. Wileyfox arbeitet zudem mit einem unauffälligen Trick, um die Leistung im Menü für offene Apps aufrechtzuerhalten: Die Qualität der Darstellung wird einfach reduziert, das Rendering der Elemente ist deshalb weniger rechenintensiv und das Wischen selbst durch viele Apps gelingt schnell.

In puncto Geschwindigkeit im Alltag fühlt sich das Swift vergleichbar zum aktuellen Moto G von Motorola an. Auch dieses Smartphone schneidet im Alltag besser ab, als es die Messwerte zum System-on-a-Chip zunächst vermuten lassen. Hier profitieren beide Smartphones durch das an Stock-Android angelehnte leichte Betriebssystem.

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