4/5 Xiaomi Mi5 im Test : Flaggschiff aus Glas und Metall mit Snapdragon 820 aus China

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Dynamische Fotos mit realistischen Farben

Xiaomi stattet die rückwärtige Kamera des Mi5 mit einen kleinen 1/2.8"-Sensor aus, der eine Auflösung von 16 Megapixel bietet. Mit Blende f/2.0 ist ein gutes Öffnungsverhältnis für alltägliche Zwecke gegeben. Auch die mit lediglich 4 Megapixel auflösende Frontkamera greift auf diese Blende zurück. Die zum Kleinbildformat äquivalente Brennweite des Xiaomi Mi5 beträgt 28 mm und ermöglicht damit, wie von allen Smartphones gewohnt, weitwinklige Aufnahmen.

Vides in Ultra HD oder mit 120 FPS

Videos werden in 2160p mit 30 Bildern die Sekunde aufgezeichnet. Zeitlupenaufnahmen sind bei reduzierter Auflösung mit 720p und der vierfachen Menge an Bildern in derselben Zeit möglich. In der Nacht steht ein Dual-LED-Blitz zur Verfügung, der bei wenig Licht aushelfen soll. Die Kamera-App ist schnell einsatzbereit und leicht zu bedienen, optisch erinnert die Software dabei an Apples iOS. Auch die Aufnahme von Fotos gelingt zügig.

Xiaomi Mi5
Xiaomi Mi5

Durch die geringe Pixelgröße von lediglich 1.12 µm sind allerdings selbst Aufnahmen am Tag nicht frei von Artefakten, was sich anhand von leicht krisseligen Strukturen in der 100-Prozent-Ansicht bemerkbar macht. Die Bildschärfe der Fotos ist im Allgemeinen, vor allem gemessen an der Leistung anderer Smartphones, trotzdem sehr hoch, auch wenn sie zum Rand hin leicht abfällt.

Ansonsten weiß die Kamera des Xiaomi Mi5 durch ihre realistische Farbwiedergabe und einen guten Dynamikumfang am Tag zu überzeugen. Denn auch wenn ein Foto zugunsten eines korrekt belichteten Himmels ausfällt, ist in den dunklen Bildpartien des Motivs wegen des hohen Dynamikumfangs oder dem nachträglichen Aufhellen der Aufnahmen immer noch genügend Zeichnung erkennbar.

Kamera-App
Kamera-App

In gewöhnlichen Kunstlichtsituationen schlägt sich das Xiaomi Mi5 verhältnismäßig gut. Zwar nimmt die Bildschärfe aufgrund der höheren ISO-Empfindlichkeiten bedingt durch die schwache künstliche Beleuchtung ab, Details werden jedoch in noch ausreichender Form abgebildet (Bild 31 in der Bildstrecke). Während der automatische Weißabgleich tagsüber zuverlässig funktioniert, kann es bei Kunstlicht zu leichten Ungenauigkeiten kommen.

Entfernte Motive bei Nacht besser ohne Blitz

Ein interessantes Verhalten bringt das Xiaomi Mi5 in der Nacht zum Vorschein. Wird ein und dasselbe Bild in einem Experiment jeweils mit und ohne Blitz aufgenommen (Bild 33 und 34 in der Bildstrecke), ändern sich die Parameter Belichtungszeit und Empfindlichkeit zwar nicht, aber das Foto, welches mit dazugeschaltetem Blitz entstanden ist, weist bei Motiven auf Distanz ein wesentlich höheres Bildrauschen auf.

Xiaomi Mi5 im Test – Kamera

Das Gegenteil ist bei Nahaufnahmen der Fall. Hier ist der Blitz ein Segen, auch wenn er gleichzeitig dazu führt, dass dahinterliegende Elemente zu dunkel abgebildet werden. Abgesehen davon bietet der Dual-LED-Blitz keine gleichmäßige Ausleuchtung des Bildfelds und sorgt gelegentlich für Farbverfälschungen am Bildrand (Bild 42 in der Bildstrecke), weshalb er nur bewusst eingesetzt werden sollte.

Eine Besonderheit der Kamera im Mi5 ist der optische Bildstabilisator: Dieser arbeitet mit vier anstatt üblicherweise zwei Achsen und soll so Wackler, vor allem bei Videoaufnahmen in Bewegung, besser ausgleichen können als andere Smartphones.

Allgemein zeigen die Videoaufnahmen des Mi5 sehr kräftige Farben und starke Kontraste, die teils etwas übersättigt wirken. Auch nach verschiedenen Aufnahmen konnte hinsichtlich der Stabilisierung allerdings kein klarer Unterschied zu einem anderen Smartphone mit OIS festgehalten werden. Zum Vergleich im Beispielvideo wurde ein Apple iPhone 6 Plus herangezogen.

Xiaomi Mi5 vs. Apple iPhone 6 Plus – Videostabilisierung

Auch im Flaggschiff fehlt LTE Band 20

Standesgemäß stattet Xiaomi das Topmodell mit einer Fülle aktueller Übertragungsstandards aus. LTE gibt es nach Cat12 mit bis zu 600 MBit/s im Down- und 150 MBit/s im Upstream. Hinzu kommen NFC, Bluetooth 4.2, WLAN nach ac-Standard und A-GPS sowie GLONASS zur Standortbestimmung. Für die Strom- und Datenverbindungen wird auf USB Typ C zurückgegriffen. Dank des eingebauten Infrarotsenders lässt sich das Mi5 zudem als Fernbedienung für andere Geräte nutzen. Der SIM-Schacht beherbergt bis zu zwei SIM-Karten.

Im Testzeitraum wurde das Smartphone im Netz von o2 im Ruhrgebiet getestet. Das Smartphone leistete sich keinen außergewöhnlichen Aussetzer bei Telefonie oder mobilem Internet, beispielsweise U-Bahn-Schächte und Autobahnfahrten stellten das Mi5 erwartungsgemäß vor Probleme.

Kein LTE Band 20 schränkt nach wie vor ein

Da die Smartphones von Xiaomi nicht für den europäischen Markt bestimmt sind, fehlt auch beim Topmodell das in Deutschland weit verbreitete LTE Band 20. Das Band 20 auf der 800-MHz-Frequenz nutzen vor allem o2 und Vodafone in ländlichen Gebieten zur Abdeckung größerer Distanz. Alternativ, aber nur schwach ausgebaut, greifen die Provider auf das 2.600-MHz-Spektrum zurück. Die Deutsche Telekom nutzt stattdessen 1.800 MHz und kann den Wegfall von Band 20 noch am ehesten kompensieren.

3.000 mAh treffen auf Full HD

Für Energie sorgt ein 3.000-mAh-Akku, der im Zusammenspiel mit der vergleichsweise niedrigen Display-Auflösung auf gute Laufzeiten hoffen lässt. Im Alltag hält das Smartphone beim Abgleich mehrerer E-Mail-Konten, der Nutzung von Instant Messaging, sozialen Medien und Surfen sowie rund einer halben Stunde Telefonie in der Tat bis zu zwei Tage durch.

Im PCMark liefert das Smartphone ein schwaches Ergebnis ab: knapp 6 Stunden stehen auf der Uhr, konkurrierende Flaggschiffe wie das Galaxy S7 bieten deutlich mehr. Mit fast 9 Stunden ist das Ergebnis im Video-Dauertest deutlich besser, absetzen kann sich das Mi5 damit allerdings nicht.

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