Ford Sync 3 ausprobiert : Mit Dual‑Core und Dual‑Mikro zum besseren Infotainment

, 70 Kommentare
Ford Sync 3 ausprobiert: Mit Dual‑Core und Dual‑Mikro zum besseren Infotainment

Mit Sync 3 hat Ford seinen Infotainment-Baukasten deutlich aufgebohrt. Zum Mobile World Congress im Februar nach Europa gebracht, kann das System seit dem Sommer in den Bauklassen Mondeo, S-Max, Galaxy sowie zuletzt auch dem Kuga und Edge bestellt werden. Die großen Veränderungen sind die neue aufgeräumte Benutzeroberfläche mit Apps im Fokus, die deutlich höhere Leistung sowie die Integration von Android Auto und Apple CarPlay. Im neuen S-Max Vignale ausprobiert, überzeugte auch die gute Spracherkennung über zwei Mikrofone im Dachhimmel.

Zwei Cortex-A15 von Texas Instruments

Die trägen Single-Core-Zeiten alter Sync-Systeme sind dank eines von Texas Instruments beigesteuerten Dual-Core-SoCs der OMAP-5-Baureihe endlich vorbei. Zwei ARM Cortex-A15 als CPU, eine PowerVR SGX544 MP2 als GPU sowie 2 GByte Arbeitsspeicher genügen, um die Geschwindigkeit der Bedienung auf das Niveau manches Mittelklasse-Smartphones zu heben. Längere Wartezeiten wie noch zuvor gibt es jetzt nur noch selten, wenn zum Beispiel eine Navigationsroute vorbereitet wird.

Ford nutzt einen 8 Zoll großen Touch-Bildschirm und verbaut diesen im oberen Bereich der Mittelkonsole. Die Auflösung liegt mit leicht antiquierten 800 × 480 Pixeln im unteren Bereich, einzelne Pixel sind schon bei etwas näherer Betrachtung erkennbar. Kein Vergleich zu den hochauflösenden Displays von Mercedes-Benz oder Audi. Dafür punktet das matte Display mit einer hohen Helligkeit, einer sehr guten Ablesbarkeit aus Perspektive des Fahrers und kaum vorhandenen Reflexionen – alles Eigenschaften, die im Automobil wichtiger sind als der nächste Pixelrekord.

Erkennbare Pixel auf dem 8-Zoll-Touchscreen
Erkennbare Pixel auf dem 8-Zoll-Touchscreen

Die Finger gehen immer wieder vom Lenkrad

Die Bedienung von Sync 3 erfolgt anders als bei den Systemen von Audi, BMW oder Daimler fast ausschließlich über den Touchscreen. Die am Lenkrad vorhandenen Tasten sind nur für einzelne Subfunktionen gedacht, die in das Display des Kombiinstruments vor dem Fahrer ausgelagert werden. Dazu zählen etwa die letzte gewählte Rufnummer, das letzte Reiseziel oder die beliebtesten Radiosender. Durch die Menüpunkte des vollen Sync 3 auf dem Hauptbildschirms lässt sich nicht navigieren. Weil Sync 3 im konkreten Beispiel während einer stark frequentierten Fahrt durch Berlin Mitte ausprobiert wurde, war der ständige Griff zum Bildschirm stark ablenkend.

Cockpit des Ford S-Max Vignale
Cockpit des Ford S-Max Vignale
Zentrales Display für Subfunktionen
Zentrales Display für Subfunktionen
USB-Anschlüsse für Smartphones
USB-Anschlüsse für Smartphones

Damit das nicht passiert, sollte besser zur Sprachbedienung gewechselt werden, die über einen Knopf am Lenkrad ausgelöst wird. Anders als Siri von Apple oder Googles Assistent setzt Sync 3 jedoch weiterhin feste Sprachmuster voraus. Einfach drauf losreden und das System den Befehl interpretieren lassen, funktioniert deshalb nicht. Sobald Fords Sprachbedienung aktiviert wird, erscheint auf dem Touchscreen eine Liste der wichtigsten Befehle, andere wiederum gilt es vorher zu wissen. Denn auf Knopfdruck sucht Sync 3 auch Sonderziele wie Cafés, Tankstellen oder Parkhäuser. Dabei muss aber möglichst penibel auf den von Ford vorgegebenen Wortlaut geachtet werden. Während zum Beispiel „Ich will einen Kaffee“ Cafés in der Nähe sucht, versteht das System „Kaffee trinken gehen“ nicht und weist den Befehl mit Unverständnis ab.

Solche Spracheingaben frei aus dem Leben interpretieren Android Auto und Apple CarPlay um ein Vielfaches besser, nicht nur bei Sonderzielen, sondern durch die Bank – das ist die große Stärke beider Anbieter. Das gelingt aber auch deshalb besonders gut, weil Ford zwei sehr gute Mikrofone im Dachhimmel verbaut, die selbst bei maximaler Belüftung und bewusst leiser Sprache noch alles korrekt erkennen. Auch die Navigation – sei es Apple Maps oder Google Maps – sieht schicker aus.

Zwei Mikrofone im Dachhimmel
Zwei Mikrofone im Dachhimmel

Apple und Google erhalten keinen Datenzugriff

Android Auto und CarPlay können jedoch nicht auf die Einstellungen und kritische Funktionen des Fahrzeugs zugreifen. Im Grunde genommen sind beide Systeme in einem Ford für 20.000 Euro die gleichen wie in einem Rolls-Royce für 400.000 Euro – das wiederum ist die (noch vorhandene) Schwäche beider Anbieter. Das wird sich so bald auch nicht verändern, wie Don Butler, Executive Director für Connected Vehicle und Services bei der Ford Motor Company, im Gespräch mit ComputerBase erklärte. Auf die Einstellungen und kritische Funktionen des Fahrzeugs sollen Apple und Google vorerst keinen Zugriff erhalten – das bleibt Sync 3 vorbehalten. Das trifft, abgesehen vom benötigten Minimum, auch auf die während der Fahrt vom Pkw generierten Daten zu.

Mehr Apps durch die AppLink Mobility Challenge

Wer auf die Klimatisierung, Ausrichtung der Sitze und andere Optionen des Fahrzeugs sowie Apps direkt im Sync-Menü zugreifen will, nutzt nicht Android Auto oder Apple CarPlay, sondern das auf BlackBerrys QNX basierende und als Standard gesetzte System von Ford selbst sowie die per AppLink ins Cockpit gespiegelten Apps des Smartphones. Ford spricht von zahlreichen Smartphone-Apps, die gespiegelt werden können, die Realität sieht jedoch recht trist in Deutschland aus. Neun Apps zählt die deutsche Ford-Website für Android und iOS, davon noch weniger mit bekannten Namen. Mit Spotify zählt zumindest die für viele wichtigste Musik-App zur Auswahl.

Ford Sync 3
Ford Sync 3
Apple CarPlay
Apple CarPlay
Google Android Auto
Google Android Auto

Dass das App-Angebot aktuell noch mau ist, obwohl Sync 3 seit Monaten verfügbar ist, ist auch Ford bewusst. Deshalb will das Unternehmen mit Veranstaltungen wie der jüngst in Berlin abgehaltenen AppLink Mobility Challenge junge Start-Ups und Programmierer auf die Plattform locken. Diese können ihre bestehenden Apps mit wenigen Zeilen Code so erweitern, dass sie sich per AppLink von Android oder iOS in das Sync-System von Ford spiegeln und auch per Sprache bedienen lassen. Für die Entwicklung stellt Ford im Rahmen dieser Challenges mehrere der ansonsten sehr teuren Technical Development Kits (TDK) zur Verfügung, die Infotainment und Bordelektronik des Fahrzeugs im kompakten Format auf den Schreibtisch bringen, Fahrsituationen emulieren können und sich per Computer ansprechen lassen.

Fazit: Gut und ab 200 Euro zu haben

Sync 3 ist ein großer Schritt nach vorne innerhalb des Ford-Konzerns. Das neue System ist vor allem schneller und bringt mit Android Auto und Apple CarPlay beliebte Plattformen der beiden großen Smartphone-Hersteller ins Auto. Sync 3 kostet je nach gewähltem Ford, also Mondeo, S-Max, Galaxy, Kuga oder Edge, zwischen 200 und 1.675 Euro Aufpreis – jeweils auf Basis der jeweiligen Basisvariante.

Aufpreis für Sync 3
Fahrzeug (Basismodell) Aufpreis Sync 3 Umfang
Edge 200 Euro Sync 3, 9 Lautsprecher
Galaxy 575 Euro Sync 3, 8 Lautsprecher
Kuga 1.675 Euro Sync 3
Mondeo 575 Euro Sync 3, 8 Lautsprecher
S-Max 575 Euro Sync 3, 8 Lautsprecher

Bei höheren Ausstattungslinien fällt der Preis in der Regel niedriger aus, weil ein hochwertiges Audiosystem bereits im Fahrzeug vorhanden ist. Durch das Hinzufügen von Navigation oder DAB-Empfang kann der Preis aber auch wieder steigen.

Dieser Artikel war interessant, hilfreich oder beides? Die Redaktion freut sich über jede Unterstützung in Form deaktivierter Werbeblocker oder eines Abonnements von ComputerBase Pro. Mehr zum Thema Anzeigen auf ComputerBase.