Facebook: Startschuss für den Kampf gegen Fake News

Andreas Frischholz 121 Kommentare
Facebook: Startschuss für den Kampf gegen Fake News
Bild: Andrew Feinberg | CC BY 2.0

Facebook hat nun doch konkrete Maßnahmen angekündigt, um die Verbreitung von Fake News in dem sozialen Netzwerk einzudämmen. Im ersten Schritt sollen sowohl die Facebook-Nutzer als auch Fact-Checking-Organisationen eingebunden werden.

Wie Mark Zuckerberg schon kurz nach der amerikanischen Präsidentschaftswahl ankündigte, werden dafür die Möglichkeiten zum Melden von Beiträgen überarbeitet. Neben den bereits bestehenden Gründen wie Spam kann ein Beitrag künftig also explizit als „It’s a fake news story“ gekennzeichnet werden. Für Nutzer soll es somit leichter sein, eine gefälschte Nachricht auch als solche zu markieren.

Reporting-Tools für Fake News
Reporting-Tools für Fake News (Bild: Facebook)

Fact-Checker sollen gemeldete Fake News prüfen

Details gibt es nun auch zur Kooperation mit den Fact-Checking-Organisationen. Facebook will mit den Poynter Institut zusammenarbeiten, das zum International Fact-Checking Network (IFCN) zählt. Die Aufgabe: Beitrage prüfen, die Nutzer als Fake News melden.

Bewerten die Fact-Checker eine vielfach gemeldete Nachricht ebenfalls als gefälscht, wird diese auf Facebook mit einem „Umstritten“-Label versehen. Solche Nachrichten können dann zwar immer noch geteilt werden, die Nutzer erhalten aber einen Warnhinweis. Dieser enthält auch einen Link mit einer Erklärung, damit Nutzer nachvollziehen können, warum der Beitrag als Fake News eingestuft wurde.

„Umstritten“-Label für Fake News
„Umstritten“-Label für Fake News (Bild: Facebook)

Nachrichten mit Warnhinweis können zudem auch nicht mehr als „gesponsort“ weiterverbreitet werden und werden auch im Ranking des News-Feeds nicht mehr so hoch eingestuft.

Algorithmus soll Fake News erkennen

Ohnehin will Facebook den News-Feed-Algorithmus dahingehend überarbeiten, dass er Fake News künftig eigenständig erkennen kann. Ein erstes Signal, das das soziale Netzwerk identifiziert hat: Beiträge, die zwar oft gelesen, aber nicht viel geteilt werden, enthalten womöglich irreführende Informationen. Nun soll getestet werden, wie sich dieses Signal in den News-Feed-Algorithmus einbauen lässt.

Darüber hinaus erklärt Facebook erneut, Fake News würden oftmals aus ökonomischen Gründen verbreitet. Die entsprechenden Anbieter zielen auf Klicks und damit einhergehend dann auf Werbegelder. Daher arbeite man weiterhin daran, auch die finanzielle Grundlage zu entziehen.

Streit um politische Regulierung

Was Facebook mit der Ankündigung zeigt: Das soziale Netzwerk sitzt das Problem nicht aus, sondern macht etwas. Nutzer sollen Inhalte sehen, die „authentisch und bedeutungsvoll“ sind, heißt es.

Neben Facebook haben zuletzt aber auch Politiker mehrmals erklärt, dass Handlungsbedarf besteht. Und insbesondere in Deutschland drehte sich die Debatte nun auch um die Frage, ob ein neuer Straftatbestand nötig ist. Entsprechende Forderungen wiederholten zuletzt mehrere Abgeordnete aus den Reihen der Union.

Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) hat sich zwischenzeitig aber gegen ein Gesetz ausgesprochen. Im ARD-Morgenmagazin erklärte er am Mittwoch: „Bei Fake News geht es ja darum festzustellen, was wahr ist und unwahr ist.“ Die Frage ist nun, wer solle das tun. Und seiner Ansicht könnten das weder Facebook noch der Staat sein. „Ich will keine Wahrheitskommission in Deutschland, die darüber entscheidet“, so Maas.

Ohnehin gebe es schon Gesetze, die etwa üble Nachrede und Verleumdung unter Strafe stellen. Wann aber Beiträge die Grenze der Meinungsfreiheit überschreiten, müssten doch Gerichte entscheiden.