Vive Tpcast & Tracker Kurztest: Feuerwehrmann spielen und kabellose Ballerorgie

Nicolas La Rocco 51 Kommentare
Vive Tpcast & Tracker Kurztest: Feuerwehrmann spielen und kabellose Ballerorgie

Kabel rein, Brille auf – das gibt es zur CES bei HTCs Vive nicht mehr. Jetzt heißt es: Brille auf und sofort in die Virtual Reality einsteigen. ComputerBase konnte in Las Vegas das Zubehör Tpcast für kabelloses VR ausprobieren und sich in kürzester Zeit von den Vorteilen überzeugen lassen. Auch der Vive Tracker funktioniert gut.

Das größte Hindernis aktueller VR-Lösungen ist nicht die Auflösung, sondern das Kabelgedöns, das man während dem Spielen notgedrungen noch hinter sich herziehen muss. Die Immersion gelingt bei vielen Spielen bereits jetzt sehr gut, wird aber direkt gestört, sobald das Kabel auch nur leicht am Hinterkopf des Spielers zieht.

Die Vive wird endlich kabellos

Mit dem Tpcast gibt es für rund 200 Euro noch im ersten Quartal ein Zubehör für die Vive, das mit dem Kabelsalat Schluss macht. Anstatt direkt zum PC laufen die Kabel jetzt über eine sehr kurze Strecke von der Vive in das Tpcast, ein WiGig-Modul für das über den Oberkopf verlaufende Band der Vive. Dieses kommuniziert über eine drahtlose Gigabit-Verbindung mit einer Sender/Empfänger-Einheit, die ähnlich wie die Lighthouses der Vive in rund zwei Metern Höhe mit Blickrichtung zur Spielfläche aufgehängt werden muss. Von dieser Einheit aus werden die Signale dann wie zuvor zum PC geleitet.

Ob das auch wirklich latenzfrei funktioniert, war eine der Fragen, die sich zur Vorstellung des Tpcast gestellt wurde. Die Antwort fällt kurz und eindeutig aus: Ja! Während mehrerer schneller Ballerorgien kam es kein einziges Mal zu einem Ausfall des Systems. Das Spielgeschehen fühlte sich in der Brille steckend nicht anders als mit einer kabelgebundenen Vive an. Wer blind eine Vive mit Tpcast anzieht, kann nicht unterscheiden, ob Tpcast oder eine unveränderte Vive aufgesetzt wurde.

Der Akku stört nicht

Der Akku des Tpcast ist für eine Spieldauer von 90 bis 120 Minuten ausgelegt, für die meisten VR-Sessions sollte das ausreichend sein. Die Energiequelle kann entweder an den Hinterkopf des Spielers geschnallt, oder wie beim Ausprobieren zur CES, in der hinteren Hosentasche des Spielers verschwinden, wo er unauffällig ist und nicht stört.

Anschließend lässt sich völlig losgelöst in die virtuelle Realität einsteigen, die letzte Hürde der Immersion ist endlich gefallen. Von HTC selbst wird es eine kabellose Umsetzung der Vive allerdings nicht in naher Zukunft geben, die Bühne will der Hersteller Drittanbietern wie Tpcast überlassen. Auch Intel arbeitet an einer auf WiGig basierenden Lösung. Dennoch steht indirekt eines schon jetzt schon fest: Die nächste Generation VR-Brillen wird es höchstens noch optional mit Kabelstrippe geben.

Der Vive Tracker arbeitet präzise

In derselben Spielesession konnte auch der neue Vive Tracker ausprobiert werden. Dieser wird an einem physischen Objekt befestigt, das so mit wenig Programmierarbeit in die virtuelle Realität transferiert werden kann. Im konkreten Fall handelte es sich um ein Sturmgewehr, an dessen Mündung der Vive Tracker befestigt wurde.

Programmierern bleibt damit noch die Arbeit, ein 3D-Modell der Waffe anzufertigen, dieses ins Spiel zu bringen und den Knöpfen verschiedenen Funktionen zuzuordnen. Bei dem Sturmgewehr ist der Abzug wie erwartet für Schüsse vorgesehen, der Umschalter zwischen Halbautomatik und Automatik war jedoch für das Nachladen anstatt den Wechsel der Feuermodi ausgelegt. Aus der Mündung der Waffe verläuft bei dem getesteten Modell ein Kabel zum aufgesetzten Tracker, das der Energieversorgung über einen in die Waffe integrierten Akku dient. Dieser verlängert die Laufzeit des mit sechs Stunden Spielzeit ohnehin bereits üppig ausgelegten Trackers.

Hinsichtlich der Präzision steht der Tracker den zwei beigelegten Controllern der Vive in Nichts nach. In Richtung Gegner gerichtet gelingen Oberkörper- und Kopfschüsse schon nach wenigen Minuten Eingewöhnungszeit mit dem Sturmgewehr. In diesem Punkt zeigt das schon im Test überzeugende Lighthouse-Tracking der Vive wieder seine volle Fähigkeit.

Eine Runde Feuerwehrmann spielen

Es müssen aber nicht immer Ballerorgien mit platzenden Schädeln sein, mit dem Vive Tracker lassen sich auch Leben retten – zumindest in der Simulation. Das Institute for Intelligent Systems Research and Innovation (IISRI) der Deaking Universität Australien führt in Las Vegas ein Trainingssystem für Feuerwehrmänner und Frauen vor.

Ein auf ein Hohlstrahlrohr aufgesetzter Vive Tracker bringt die Feuerwehrausrüstung in die virtuelle Realität. Um den Wasserdruck zu simulieren, ist der Feuerwehrschlauch mit einem Zugsystem verbunden. Wird der Absperrhebel betätigt, aktiviert sich das Zugsystem und simuliert den Wasserdruck des Hohlstrahlrohrs.

Feuerwehrjacke mit Zugsystem
Feuerwehrjacke mit Zugsystem
Simulation in vollem Gange
Simulation in vollem Gange

Spannender als jeder Kopfschuss

Im konkreten Beispiel muss der Spieler einen Küchenbrand löschen, der kurz davor steht, auf das gesamte Haus überzugreifen. Um das Feuer und die daraus resultierende Hitze zu simulieren, wird dem Spieler noch eine speziell präparierte Feuerwehrjacke angezogen, die sich in mehreren Zonen erwärmen kann. Bis zu 70 Grad Celsius kann die Jacke warm werden. Das kann zwar noch kein echtes Feuer nachstellen, bringt den Spieler oder Trainierenden aber schon ordentlich ins Schwitzen. Die Immersion gelingt äußerst gut und letztendlich ist das kurze Abenteuer als Feuerwehrmann auch spannender als zum x-ten Mal stupide rumzuballern.