Audi und Volvo: Android als vollständiges Pkw-Betriebssystem zur I/O

Nicolas La Rocco 91 Kommentare
Audi und Volvo: Android als vollständiges Pkw-Betriebssystem zur I/O
Bild: Audi

Android Auto entwickelt sich zur Google I/O 2017 zu einem vollständigen Betriebssystem für Fahrzeuge. Audi, Google und Volvo haben einen Tag vor der Entwicklerkonferenz in Mountain View eine tiefere Integration des Android-Betriebssystems in den Pkw angekündigt. Mit dem Q8 Sport Concept wird Audi ein Konzeptfahrzeug zeigen.

Im ComputerBase-Test von Android Auto vor anderthalb Jahren gab es erste Anzeichen dafür, dass Android Auto in Zukunft auf tieferliegende Funktionen des Fahrzeugs zugreifen können wird. In den Entwickleroptionen waren zum Beispiel Menüeinträge für den nächsten Service, zur Pannenhilfe, zum Reifenluftdruck oder Füllstand des Wischwassers zu finden. Umgesetzt worden sind diese versteckten Funktionen bis dato nicht, das wird sich zur morgen startenden Google I/O allerdings ändern.

Android ohne Android Auto

Google wird Android zur I/O als Betriebssystem für Fahrzeuge unabhängig vom Smartphone präsentieren, wie aus Ankündigungen von Audi, Google und Volvo hervorgeht. Android wird nicht mehr als Android Auto vom Smartphone auf eines der Fahrzeug-Displays projiziert, sondern läuft selbstständig auf der Hardware des Pkws.

Audi wird Android im Q8 Sport Concept zeigen. Zu den heute angekündigten Funktionen zählen Spotify, Google Play Music und der Google Assistant. Die Darstellung der Dienste findet auf dem zentral im Armaturenbrett angebrachten MMI-Touch-Display statt. Android für Autos kann jetzt aber auch ein zweites Display ansteuern. Android Auto ist auf ein Display im Fahrzeug beschränkt. Das Virtual Cockpit vor dem Fahrer lässt sich ebenfalls dafür verwenden, um Informationen aus Android darzustellen.

Das Google-Betriebssystem ist vollständig in das markenspezifische Infotainmentsystem von Audi integriert, sodass das UI-Design von Audi erhalten bleibt und neben der üblichen Navigation über die Datenbank von HERE auch Google Maps im Virtual Cockpit angezeigt werden kann. Eine neue Zentrale für Benachrichtigungen soll eingehende Nachrichten und Anrufe übersichtlich im Cockpit anordnen. Google bringt dadurch eine besondere Stärke des Smartphone-Betriebssystems in den Pkw.

Kürzere Update-Zyklen und mehr Apps

Audi verspricht sich durch die Nutzung von Android im Auto kürzere Update-Zyklen und eine deutlich größere Vielfalt an Diensten sowie eine breite internationale Verfügbarkeit von Anwendungen. Neue Apps sollen schnell als zusätzliche Connect-Dienste in das Fahrzeug gelangen, sofern die Anforderungen von Audi und Google erfüllt werden. Anders als im Play Store führt Google zumindest bei Android Auto eine manuelle Prüfung jeder App vor der Freigabe durch.

Volvo sieht Flexibilität für Entwickler

Volvo spricht von einer Weiterentwicklung des Android-Betriebssystems, die komplett in das Fahrzeug eingebunden sein wird und dadurch Zugang zu zahlreichen Apps und Diensten bietet. Auch die Schweden sehen die Flexibilität für Entwickler als einen Vorteil durch den Wechsel zu Google, außerdem könne laut dem Fahrzeughersteller das Nutzererlebnis durch zusätzliche Personalisierungsmöglichkeiten verbessert werden.

Henrik Green, Senior Vice President Research & Development bei der Volvo Car Group, sieht Android im Pkw als umfangreiches Grundgerüst, auf das Volvo mit seiner bekannten Benutzeroberfläche aufbauen könne. Zusätzlich werde der Konzern „hunderte beliebte Apps und das beste integrierte Erlebnis“ anbieten.

Neue Volvo-Modelle mit Android als Betriebssystem sollen innerhalb der nächsten zwei Jahre auf den Markt kommen. Für die I/O wird Volvo den aktuellen Stand der Entwicklung in einem XC60 vorführen. In bestehende Volvo-Modelle soll über ein Update des Sensus-Navigationssystems die Umgebungssuche per Google Local Search integriert werden, um Points of Interest (POI) in der Umgebung anzusteuern.