AMD Ryzen 3 1300X und 1200 im Test: Vier Zen-Kerne gegen Intels Dual-Core-i3 2/5

Wolfgang Andermahr et al. 382 Kommentare

Spiele-Benchmarks in 720p, 1.080p und 2.160p

Als Mainboards kamen das Asus Z270-A (BIOS: 0906) für Kaby Lake, das Asus ROG Strix X299-E (BIOS: 0501) für Skylake-X und das Asus ROG Crosshair VI Hero (BIOS: 1401 mit AGESA 1.0.0.6) für AMD Ryzen zum Einsatz. Als Grafikkarte war die Asus GeForce GTX 1080 Ti Strix OC (Test) verbaut. Abgesehen vom Speicher liefen sämtliche Komponenten mit den offiziell vorgesehenen Frequenzen und Einstellungen.

Acht Spiele, drei Auflösungen und jeweils zwei Messwerte pro Prozessor

Als Spiele wurden Battlefield 1 im Multiplayer-Modus, Dawn of War III, F1 2016, Ghost Recon: Wildlands, Prey, Project Cars, Rise of the Tomb Raider sowie Total War: Warhammer genutzt. Alle wurden auf einem mit allen Updates versehenen Windows 10 ausgeführt.

Sämtliche Prozessoren und Speicher wurden in den Auflösungen 1.280 × 720, 1.920 × 1.080 sowie 3.840 × 2.160 bei maximaler Detailstufe unter DirectX 11 getestet. Damit wurden drei verschiedene Lastszenarien (CPU-lastig, ausgeglichen, GPU-lastig) sowie realitätsferne und realitätsnahe Einstellungen getestet. Die Ergebnisse werden als Durchschnitts-FPS sowie als in FPS umgerechnete 99,0th Percentile Frametimes angegeben.

FPS in der Analyse

Man konnte bereits ahnen, dass der Ryzen 5 1400 und der Ryzen 3 1300X in Spielen ähnlich abschneiden würden. So bietet ersterer als Mehrwert SMT, was aber nur ab und zu eine Hilfe ist. Das Ryzen-3-Flaggschiff kann dagegen die höheren Taktraten auffahren, so dass die Differenz der beiden CPUs nur bei maximal drei Prozent liegt – zu Gunsten des Ryzen 5 1400. In 3.840 × 2.160 schafft es der Ryzen 3 1300X das Bild umzudrehen und liefert ein Prozent mehr FPS. In der hohen Auflösung bringt eine höhere Taktrate offenbar mehr als SMT. Schlussendlich ist es ein Gleichstand.

Apropos Gleichstand. Dieser gelingt dem Ryzen 3 1300X auch gegen den Core i3-7350K. Je nach Auflösung ist dieser ein bis vier Prozent schneller, was aber zu vernachlässigen ist. Gegenüber der alten AMD-Generation, dem FX-8370, liefert der Ryzen 3 1300X vier bis sieben Prozent höhere Spieleleistung. Wer dagegen mehr Geld ausgeben möchte für zum Beispiel einen Ryzen 5 1600X mit zwei weiteren Kernen, erhält einen deutlichen Sprung von durchschnittlich rund 30 Prozent mehr FPS.

Dem Ryzen 3 1200 fehlt es dann wie dem Ryzen 5 1400 an Takt. Entsprechend liegt der Abstand der Einsteiger-CPU zum größeren Bruder bei bis zu 10 Prozent. Für das Konkurrenzmodell Core i3-7100 von Intel reicht es daher nicht ganz. Dieses ist rund fünf Prozent zügiger unterwegs und auch der FX-8370 ist minimal schneller.

Frametimes in der Analyse

Im Vergleich zu den Durchschnitts-FPS-Werten fallen die Benchmarks der Frametimes im Verhältnis zur Konkurrenz zu Gunsten AMDs aus. Der Ryzen 3 1300X kann den geringen Rückstand in der Spieleleistung bei den Abständen der einzelnen Frames wieder wettmachen. Der Abstand zwischen der AMD-CPU und dem Core i3-7350K liegt bei maximal einem Prozent. Und zwar je nach Auflösung zu Gunsten Intels oder AMDs. Auch der Ryzen 3 1200 rückt näher heran und ist ein Prozent langsamer bis genau gleich schnell wie der Core i3-7100. Bei den Frametimes wächst der Abstand der neuen Prozessoren zum Ryzen 5 1600X an. Dieser liefert bis zu 40 Prozent schnellere Frametimes als der Ryzen 3 1300X und um bis zu 50 Prozent bessere Frametimes als der Ryzen 3 1200.

Die Spiele im Detail

In den einzelnen Spielen zeigt sich dann, dass die Prozessoren sich je nach Titel unterschiedlich verhalten können. In manchen Spielen verhalten sich die CPUs genau wie im durchschnittlichen Rating, so dass der Ryzen 3 1300X und der Core i3-7350K – stellvertretend für die Zweikämpfe der Einsteiger-CPUs – gleichauf liegen. Andere Spiele zeigen jedoch teils ein gänzlich anderes Bild.

Rise of the Tomb Raider gehört zum Beispiel zu den Spielen, in denen die Intel-Riege vorne liegt. Trotz Ryzen-Patch liefert der Core i3-7350K bis zu 15 Prozent höhere FPS und bis zu elf Prozent bessere Frametimes. In Battlefield 1 dreht sich das Bild dann jedoch um. Dort bringt dann der Ryzen 3 1300X acht Prozent höhere FPS und 13 Prozent bessere Frametimes.

Interessant sind zudem die Ergebnisse des Ryzen 3 1300X mit denen des Ryzen 5 1400X zu vergleichen. Denn diese zeigen, in welchen das größere Modell von SMT profitieren kann und in welchen nicht. In Dawn of War 3 scheint SMT zum Beispiel fast nichts zu bringen. Der Ryzen 5 1400 schafft es zwar, die höheren Taktraten des Ryzen 3 1300X zu egalisieren. Mehr als einen Gleichstand der CPUs bringt es aber nicht.

Es gibt aber auch noch Extrem-Beispiele. Rise of the Tomb Raider gehört zu den Spielen, die von SMT offenbar gar nicht profitieren beziehungsweise es sogar einen negativen Effekt hat. Der Ryzen 3 1300X kann deshalb die höheren Taktraten voll ausspielen und liefert um sieben Prozent mehr FPS und um zwölf Prozent bessere Frametimes. Ganz anders dagegen Prey. Der Ryzen 5 1400 liefert zwar „nur“ zwölf Prozent mehr FPS ab als der Ryzen 3 1300X, die Frametimes fallen aber 29 Prozent besser aus.

Leistung Anwendungen

In Anwendungen spielen je nach Einsatzgebiet mal ein hoher Takt und mal viele Threads eine Rolle. Auch wenn AMD Ryzen 3 kein SMT bietet, stehen den beiden neuen Prozessoren vier Kerne zur Verfügung, während Intel beim Core i3 lediglich auf zwei Kerne mit vier Threads zurückgreifen kann. In der Theorie sollte das ComputerBase-Rating, in dem Anwendungen mit Unterstützung für viele Kerne und Threads überwiegen, erneut AMD in die Karten spielen.

Anwendungen (Windows)

Den Intel Pentium G4560 haben beide Ryzen-3-Prozessoren in den Anwendungstests unter Windows im Griff. Bei den Core i3 sieht es hingegen anders aus. Diese können sich trotz Dual-Core-Design mit Hyper-Threading gut gegen AMDs Vierkerner behaupten. Während der Core i3-7350K und der Ryzen 3 1300X auf nahezu identischem Niveau liegen, setzt sich der Core i3-7100 genau zwischen diese beiden Modelle und den Ryzen 3 1200. Die beiden Ryzen-3-Prozessoren trennen in den Anwendungs-Benchmarks rund 12 Prozent.

Die Einzeltests weisen jedoch wie gehabt teils sehr unterschiedliche Ergebnisse auf. In Handbrake sind die neuen Ryzen 3 beispielsweise rund 20 Prozent beziehungsweise eine Minute schneller mit dem H.265-Encoding fertig als die Core-i3-Prozessoren. In WinRAR kehrt sich dieses Ergebnis aber beispielsweise genau um.

Die Diagramme zum Selberbauen

Die ComputerBase-Diagramme erlauben es, die Tests auf Wunsch auszublenden. ComputerBase hat das in diesem Fall „default“ mit der alten Version von 3DPM getan. Über den Bearbeiten-Schalter können die weiteren Benchmarks respektive Ausreißer von Ryzen, die sich gegenüber dem Test von Ryzen 7 nicht geändert haben, abgewählt werden.

Anwendungen (Linux)

In Linux liegen die Ryzen-3-Prozessoren von AMD und die Core-i3-Prozessoren von Intel erneut nah beieinander, der Ryzen 3 1300X kann seinen kleinen Rückstand auf den Core i3-7350K unter Windows jedoch wettmachen und liegt nun mit der Intel-CPU gleichauf.

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