Lego Boost im Test: Komplexe Roboter aus Klötzchen für Kinder 2/3

Michael Schäfer 34 Kommentare

Kindgerechte Software

Im Anschluss an die Installation der Software auf dem Tablet kann der Spaß beginnen. Nachdem anhand eines kleinen Videoclips die kreativen Möglichkeiten von Boost gezeigt wurden, wird dem Nutzer das System anhand drei kleinerer Einführungsmodelle nähergebracht. Die Einführung kommt ohne Text aus und ist in so kleinen Schritten aufgebaut, dass auch Kinder sie nachvollziehen können.

Dabei muss der „Move Hub“ per Bluetooth mit dem Tablet verbunden werden, was automatisch über die App geschieht. Ein manuelles Paaren ist nicht möglich, da beim Einrichtungsvorgang ein PIN-Code abgefragt wird, der nicht in den wenigen zum Set gehörenden Unterlagen hinterlegt ist. Dass sich der Hub bereits nach einer kurzen Zeit ohne Verwendung abschaltet um Strom zu sparen, war in der Regel kein Problem, nach dem Einschalten bestand die Verbindung automatisch wieder. Es gab aber Ausnahmen. Auf der anderen Seite ließ sich der Hub nicht selten auch durch längeres Drücken nicht ausschalten.

Lego Boost – Screenshots

Abzüge in der B-Note

An manchen Stellen hinterlässt die grundsätzlich überzeugende App einen unfertigen Eindruck, was man von Lego in dieser Form nicht gewohnt ist. So lässt die Performance teilweise zu wünschen übrig. Nach einem Menüwechsel dauert es oftmals bis zu fünf Sekunden, bevor weiter ausgewählt werden kann. Wird ein Modell erneut gebaut, findet sich der Nutzer im jeweiligen Abschnitt meist im Bereich der Ablaufpläne wieder. Hier kann zwar auf die jeweilige Bauanleitung gewechselt werden, die weitere Nutzung der App wird jedoch durch den Zwang der Bluetooth-Verbindung zum Hub samt angeschlossenen Sensoren und Motoren zunächst blockiert – auch wenn dies für den Zusammenbau nicht notwendig ist.

Mehr Ablaufpläne, weniger Programmierung

Lego spricht bei Boost von einer symbolbasierten „Programmierung“, das ist jedoch wie bereits bei Mindstorms etwas übertrieben. Letzten Endes handelt es sich auch hier lediglich um eine Art Ablaufplan, in dem verschiedene Symbole mit unterschiedlichen Funktionen zusammengesetzt und abgelaufen lassen werden. Mit einer komplexen Programmierung im Sinne von Variablen, Schleifen oder gar OOP hat dies nur wenig zu tun – auch wenn mehrere Stränge parallel ausgeführt und komplexe Anordnungen in Unterroutinen ausgegliedert werden können. Ein Sichern der erstellten Pläne ist nicht möglich, es wird in jedem Abschnitt die zuletzt erstellte Routine angezeigt.

Der Zielgruppe entsprechend hat Lego die Art der Zusammensetzung und der Funktion gegenüber Mindstorms EV3 zudem für das angegebene Alter angepasst und vereinfacht.

Drei Modelle zum Aufwärmen, dann geht es los

Die Einführung in die Welt von Lego Boost erfolgt über drei kleine Modelle, bei denen jeder abgeschlossene Abschnitt den nächsten freischaltet. Das Schwierigkeitsniveau ist niedrig, das Augenmerk liegt verstärkt auf dem Kennenlernen des Systems und der Funktionsweise der einzelnen Sensoren. Die Bauschritte sind einfach gehalten, meist werden lediglich ein bis zwei Teile hinzugefügt – Gleiches gilt für die Ablaufpläne. Das kann für Erwachsene zu einer Geduldsprobe werden, aber auch Kindern sollten die Entwickler hier ein wenig mehr zutrauen.

Größere Modelle in Tippelschritten

Nachdem sich Kinder mit dem System ein wenig vertraut gemacht haben, stehen auch die größeren Modelle zur Verfügung. Da diese die Einführungsmodelle in Sachen Komplexität weit übersteigen, sind die Konstruktionen in kleine Abschnitte unterteilt und werden somit immer weiter ausgebaut. So werden beim Robotermodell zunächst der Rumpf und der Kopf assembliert und anschließend programmiert. In den weiteren Abschnitten kommen dann das Fahrwerk und die Arme hinzu.

Gleichzeitig fügt jeder Abschnitt neue Programmierelemente hinzu. So werden Kinder zu Beginn nicht mit den Möglichkeiten des Systems überfordert, sondern können auf ihre Erkenntnisse und Erfahrungen aus den vorangegangenen Abschnitten oder anderen Modellen aufbauen. Erschwert wird dies jedoch dadurch, dass viele Steuerelemente nur für bestimmte Modelle vorhanden sind.

Auch dass Zusammensetzen der einzelnen Ablauf-Elemente erfolgt kindgerecht: Zunächst wird mit einem Fingersymbol der jeweils benötigte Teil angezeigt, und der Finger wandert auf den zentralen Teil des Bildschirms – hier wird jedes Kind verstehen, was es machen muss. Dies wird bei jedem weiteren Element so fortgeführt. Nach dieser kleinen Einführung der neuen Möglichkeiten kann das Modell beliebig mit den verfügbaren Steuerelementen getestet werden.

Im weiteren Verlauf können die Basismodelle an kleinen Stellen weiter ausgebaut werden, zum Beispiel eine Schießvorrichtung am Roboter. Am Ende werden alle bisher benötigten Programmierelemente in einem freien Bereich zusammengetragen.

Komplexe und stabile Modelle

Auch wenn Lego Boost zunächst bunter und weniger technisch erscheint als der große Bruder Mindstorms, ist es erstaunlich, welche komplexen Modelle mit dem Set erschaffen werden können. Die Expertise der Lego-Entwickler und ihre Liebe zum Detail werden abermals deutlich. Oftmals überraschen sie den Nutzer auch mit der Verwendung der jeweiligen Komponenten: So sorgt der Entfernungsmesser bei der „Guitar 4000“ dafür, dass über den Steg vier vorher festgelegte Akkorde abgespielt werden können. Gleichzeitig wird der Motor in dem Modell als Widerstand genutzt, der so steuert, wie laut ein gespielter Ton ausgegeben werden soll. Darüber hinaus sind die Konstruktionen sehr stabil ausgelegt und überstehen auch einmal robustere Umgangsformen.

Die hohe Qualität der Modelle zeigt sich aber auch in der Bauzeit, welche selbst bei erfahrenen Bauherren rund 60 bis 90 Minuten betragen kann. Hier ist es gut, dass Lego den Zusammenbau in mehrere grobe Abschnitte aufteilt – das fördert den Spielspaß und die Entwicklung.

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