Telekom und EWE: 2 Milliarden Euro für den gemeinsamen FTTH-Ausbau

Andreas Frischholz 26 Kommentare
Telekom und EWE: 2 Milliarden Euro für den gemeinsamen FTTH-Ausbau
Bild: Deutsche Telekom

Vor einigen Wochen sickerte es schon durch, nun folgt die offizielle Bestätigung: Die Deutsche Telekom kooperiert mit dem regionalen Netzbetreiber EWE, um im Nordwesten Deutschlands insgesamt eine Millionen FTTH-Anschlüsse auszubauen.

Der Plan sieht vor, dass die Deutsche Telekom und EWE ein Gemeinschaftsunternehmen gründen, an dem beide Parteien jeweils 50 Prozent der Anteile halten. Das neue Unternehmen wird den Sitz in Nordwestdeutschland haben. Die Absichtsunterklärung wurde heute unterzeichnet, losgehen soll es Mitte 2018. Noch muss aber das Bundeskartellamt sein OK geben.

Bis zu zwei Milliarden Euro soll dieses Gemeinschaftsunternehmen in den nächsten zehn Jahren investieren, um den Glasfaserausbau in Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Bremen voranzutreiben. Tätig werden will man vor allem im ländlichen Gebieten, insgesamt sollen bis zu eine Millionen FTTH-Anschlüsse entstehen.

Neue Infrastruktur nicht nur für Telekom und EWE

Die geplante Glasfaser-Infrastruktur wird zwar Eigentum des neuen Unternehmens sein, nutzen können diese aber auch weitere Telekommunikationsanbieter. „Sowohl EWE und die Telekom als auch andere Anbieter werden das neue Netz für den jeweils eigenen Vertrieb nutzen können“, heißt es in der Mitteilung.

Beide Unternehmen versprechen sich viel von der Kooperation. „Mit diesem gemeinsamen Unternehmen rücken wir dem flächendeckenden Glasfaserausbau schneller näher und setzen damit Maßstäbe für eine nachhaltige Breitbandinfrastruktur“, sagt EWE-Vorstand Michael Heidkamp. Und Telekom-Chef Tim Höttges erklärt: „Durch die Kooperation können wir den Glasfaserausbau deutlich wirtschaftlicher gestalten. Gleichzeitig leisten wir so einen wichtigen Beitrag für den Infrastrukturwettbewerb.

Entscheidend sei nun aber, dass künftig auch die Rahmenbedingungen passen. FTTB- und FTTH-Anschlüsse sollten in Zukunft nicht mehr reguliert werden, das wäre eine der Prämissen für das gemeinsame Projekt, so Höttges.

Kooperationen als Wegmarker für die Zukunft

Mit solchen Vorschlägen steht der Telekom-Chef nicht alleine da. Ähnliches forderte zuletzt auch die Monopolkommission in einem Sondergutachten für den Breitbandausbau, auch die alternativen Provider setzen sich für so eine Regulierung ein.

Mit der Kooperation zwischen der Telekom und EWE sind die Verbände ohnehin zufrieden. „Genau so kann es gehen“, sagte etwa Breko-Geschäftsführer Stephan Albers. Beim Glasfaserausbau müssten alle Netzbetreiber stärker zusammenarbeiten, was auch mit gemeinsamen Investitionen einhergehe. „‚Echte‘ Ko-Investitionsmodelle sind ein großer Schritt nach vorn und nehmen die Deutsche Telekom auf die Glasfaserreise mit“, so Albers.

Die Telekom kooperiert auch schon mit Innogy

Für die Telekom ist es derweil nicht die erste Kooperation mit einem regionalen Netzbetreiber, bereits seit Januar mietet der Bonner Konzern das Netz der RWE-Tochter Innogy. Zuletzt kokettierte Telekom-Chef Höttges zudem mit einer Mitgliedschaft bei dem Bundesverband Glasfaseranschluss (Buglas).