🦄.to, ❤️🍺.ws: Emoji-Domains sind ihrer Zeit weiterhin voraus

Frank Hüber 77 Kommentare
🦄.to, ❤️🍺.ws: Emoji-Domains sind ihrer Zeit weiterhin voraus

Mit dem Siegeszug der Emoji machen diese nun auch vor Domains nicht mehr Halt. Die größten Vorteile von Emoji-Domains sind insbesondere, dass sie einfach zu merken und vor allem noch verfügbar sind – im Gegensatz zu kurzen URLs gängiger Top-Level-Domains.

Die Emoji-Domains haben jedoch noch ein paar Hürden zu nehmen, denn derzeit unterstützen viele Browser noch keine Emoji und Top-Level-Domains wie .com, .net oder .org ist es verboten, entsprechende Domains zu registrieren. Investoren sehen in Emoji-Domains auch deshalb ein lukratives Geschäft, da die gesamte Menschheit ein einheitliches Emoji-Keyboard benutzt, während sich sonstige Sprachen und Schriftzeichen unterscheiden. Zudem werden Gefühle vermittelt, was sie für Unternehmen interessant macht – etwa Budweisers ❤️🍺.ws, die bereits jetzt funktioniert. Die Domain 🦄.to wird derzeit für rund 6.000 US-Dollar angeboten. Zudem werden bereits jetzt Domains mit sich mehrfach hintereinander reihenden, identischen Emoji verkauft.

Emoji-Domains gibt es seit 2001

Neu sind Emoji-Domains allerdings nicht. Die ersten Emoji-Domains, ♨️.com (xn—j6h.com), ♨️.net (xn—j6h.net), ☮️.com (xn—v4h.com), ♂️.com (xn—g5h.com) wurden bereits am 19. April 2001 registriert – bevor überhaupt Smartphones oder andere Geräte über eine Emoji-Tastatur verfügten oder Browser sie unterstützten. Hierdurch erklären sich auch die kryptischen URLs, die damals zum Erstellen und Umwandeln der Emoji notwendig waren.

Viele Dienste und Browser sind noch nicht bereit

Doch auch im Jahr 2018 sind viele Dienste noch nicht bereit für eine Emoji-Domain. Twitter und iMessage etwa erkennen die URLs nicht, Facebook und Gmail wandeln die Emoji in Bilder um, so dass eine URL ebenfalls unbrauchbar wird. HTML5 unterstützt bereits Emoji, ebenso der Browser Safari von Apple. Chrome und Firefox zeigen hingegen den Code statt der Emoji an, so dass aus i❤️.ws im Browser http://xn--i-7iq.ws/ wird.

Verwechslungsgefahr und Sperre durch die ICANN

Aus diesem Grund hat die Internet Corporation for Assigned Names and Numbers (ICANN), die die Vergabe von einmaligen Namen und Adressen für die Top-Level-Domains wie beispielsweise .com, .net und .org koordiniert, die Benutzung von rund 8.000 Zeichen im Jahr 2008 innerhalb von URLs verboten – inklusive Emoji. Auch aus der Sorge heraus, Nutzer könnten die zahlreichen Emoji zu leicht verwechseln und so Opfer von Phishing-Angriffen werden, lässt die ICANN an dieser Position festhalten (PDF). Mit immer neuen Emoji werde dies zudem immer schwieriger. Schon jetzt stehen auf Smartphones mehr als 1.500 Emoji zur Auswahl, mit Unicode 11.0 kommen 157 weitere hinzu.

Weitere Länder öffnen sich den Emoji-Domains

Länderspezifische Domains und Domain-Registrierungsstelle müssen sich jedoch nicht an diese Vorgabe der ICANN halten, so dass Emoji-Domains dennoch verfügbar sind. So folgen beispielsweise die Länder hinter den Länderkürzeln .ws (Western Samoa), .la (Laos), .ai (Anguilla) und .to (Tonga) nicht dieser Maßgabe und bieten die Möglichkeit, Emoji-Domains zu registrieren. Erst Ende Januar 2018 hat zudem das Kürzel .fm (Federated States of Micronesia) angekündigt, Emoji freizugeben. An diesem Kürzel sind insbesondere Musiker, deren Fans und Labels interessiert, wie die Domains Southwest.fm und CarrieUnderwood.fm verdeutlichen. Als Grund für die Öffnung wird die starke Verbreitung von Emoji bei den Verbrauchern genannt, weshalb man sich diesem Markt öffne. Mehr als 20.000 Emoji-Domains sollen innerhalb rund eines Jahres unter dem Länderkürzel .ws registriert worden sein, so Imad Kawar, President of Global Domains International, der Registrierungsstelle der .ws-Domains.

Eine Auswahl von Emoji für Domains im Gespräch

Weitere Registrierungsstellen dürften diesem Trend mit zunehmender Bedeutung der Emoji folgen, unter Umständen überdenkt dann auch die ICANN ihre Haltung. Ein Vorschlag, der bislang noch kein Gehör fand, liegt in der Einigung auf eine feste Auswahl von Emoji, die für Domains genutzt werden darf, anstatt alle Emoji freizugeben, um die Verwechslungsgefahr gering zu halten.

Henne-Ei-Problem

Problematisch bleibt jedoch, dass sich auch Browser und Dienste den Emoji-Domains anpassen müssen, was diese jedoch nur tun, wenn ihre Verbreitung dies rechtfertigt und sich Stellen auf einen Standard geeinigt haben. Nicht zuletzt aus diesem Grund gibt es auch Skeptiker, die in einprägsamen, klassischen Domains weiterhin die Zukunft sehen, statt in Emoji, die vor allem für das Marketing interessant seien. Zudem seien Domains unwichtiger als früher, da Nutzer ohnehin immer häufiger Suchmaschinen nutzen, um auf Websites zu gelangen.