iOS-Umstrukturierung: Mehr Qualität bedeutet Kulturwandel bei Apple

Frank Hüber 61 Kommentare
iOS-Umstrukturierung: Mehr Qualität bedeutet Kulturwandel bei Apple
Bild: picjumbo_com | CC0 1.0

Apples Strategie, nur ein Mal im Jahr große Neuerungen in iOS zu implementieren, wird immer mehr zum Verhängnis für die Qualität. Neue Details über die geplante Umstrukturierung geben Einblicke in den notwendigen kulturellen Wandel, den Apple vollziehen muss.

Bereits Ende Januar wurde bekannt, dass Apple intern die Entwicklung an iOS umstrukturiert haben soll, um den Fokus stärker auf Qualität als auf neue Funktionen zu legen und zunächst bekannte Probleme und Fehler zu beseitigen. Dafür sollen geplante Neuerungen wie ein neu gestalteter Home Screen, ein überarbeitetes CarPlay und eine neue Foto-App, die vorschlägt, welche Fotos sich der Benutzer gerade ansehen möchte, verschoben werden. Intern sollen Entwickler nicht mehr fest an den jährlichen Update-Rhythmus und Feature-Listen gebunden sein, sondern mehr Freiheiten haben, Projekte zu verschieben, wenn diese noch nicht den Qualitätsanforderungen genügen.

Apps stürzen ab, iPhone X zeigt Anrufe nicht

Apple gesteht durch diesen Schritt auch ein, was viele Nutzer in den letzten Monaten bereits bemerkt haben, nämlich das die Software immer mehr Fehler und unvollständige beziehungsweise nicht zu Ende gedachte Funktionen enthält. So häufen sich Berichte, dass sich Apps unerwartet beenden und das iPhone X Anrufe verspätet anzeigt. Apple hat bereits im letzten Jahr Funktionen kurzfristig zurückgehalten, die bereits angekündigt waren. Unter anderem die nun wieder aufgetauchte Funktion, dass Textnachrichten über die Cloud auf allen Geräten synchronisiert werden, oder Benutzer über iMessage Geld an Gesprächspartner senden können.

Tausende Entwickler arbeiten an einem Zeitplan

Der Schritt, den Entwicklern mehr Zeit zu geben, wird als kulturelle Veränderung der Unternehmensphilosophie von Apple gesehen. In den letzten Jahren war das Unternehmen nämlich immer bestrebt, jährlich möglichst viele und beeindruckende neue Funktionen vorzustellen, die zum Kauf motivieren und Apple als Innovationstreiber erscheinen lassen, mit dem andere Unternehmen bei der Entwicklung nicht mithalten können. Dass diese Strategie aufzugehen schien, zeigen auch die Upgrade-Zahlen von iOS: Rund 90 Prozent aller iOS-Anwender nutzen eine der letzten beiden iOS-Hauptversionen, also iOS 11 oder iOS 10, während bei Android – auch aufgrund von spät zur Verfügung gestellten Updates durch die Smartphone-Hersteller – nur rund 30 Prozent Android 8.0 und Android 7.0 einsetzen. Anders als bei Apple entwickeln die Teams bei Google die Anwendungen jedoch unabhängig vom Betriebssystem und sind mit Updates nicht an die Veröffentlichung einer neuen Android-Version gebunden. Bei Apple arbeiten hingegen tausende Entwickler an einem Zeitplan, was unausweichlich zu Verzögerungen und Problemen führt.

iOS 12 „Peace“ und macOS 10.14 „Liberty“

iOS 12, das im Herbst 2018 erscheinen soll und intern unter dem Codenamen „Peace“ geführt wird, soll von diesen Veränderungen bereits profitieren. Im Vordergrund steht dabei die Einführung der universellen Apps für iOS und macOS, durch die eine Anwendung auf allen Betriebssystemen genutzt werden kann. Das dafür notwendige macOS 10.14 soll intern den Codenamen „Liberty“ tragen. Apple soll bereits daran arbeiten, eigene iOS-Apps wie etwa die Smart-Home-Zentrale „Home“ auf den Mac zu bringen.

Neue Animoji und auch für FaceTime

Mit iOS 12 soll es zudem neue Animoji geben, die dann auch auf ein neues iPad mit Face ID kommen sollen. Gleichzeitig sollen die Animoji in FaceTime zur Verfügung stehen, so dass Nutzer in Videoanrufen animierte Charaktere nutzen können. Auch die „Nicht stören“-Funktion soll grundlegend überarbeitet werden und dem Nutzer mehr Möglichkeiten zur Konfiguration geben.

Neue Funktionen für das iPad erst 2019

Größere Neuerungen für das iPad soll es hingegen erst wieder im Jahr 2019 geben. Unter anderem dann jedoch mit der Funktion, mehrere Fenster in einer App zu nutzen und zwischen diesen wie zwischen Tabs zu wechseln und die Option, zwei Fenster einer App nebeneinander zu nutzen. Neue Funktionen für den Apple Pencil sollen allerdings auch verschoben worden sein.