Beuteboxen: Niederlande gehen gegen Glücksspiel-Boxen vor

Max Doll 79 Kommentare
Beuteboxen: Niederlande gehen gegen Glücksspiel-Boxen vor
Bild: Waqas Mustafeez | CC BY 2.0

Beuteboxen sind nach dem Schock über Star Wars: Battlefront 2 nachhaltig negativ in der Aufmerksamkeit von Spielern und Behörden verankert worden. Die Niederlande haben nun einen genaueren Blick auf zehn auf einer Streaming-Plattform „beliebtesten“ Spiele mit Beutebox-Systemen geworfen und vier davon als Glücksspiel eingestuft.

Die betrachteten Spiele verstießen gegen gesetzliche Bestimmungen für Glücksspiele und Wetten, schreibt die niederländische Glücksspiel-Behörde Kansspelautoriteit (Google Translate). Untersucht wurden die Spiele mit einem Analysewerkzeug, das bereits bei herkömmlichem Glücksspiel eingesetzt wurde.

Glücksspiel ohne Lizenz

Ausschlaggebend war für die Bewertung nicht nur, dass der Inhalt der Kisten ausschließlich durch den Zufall bestimmt wird, sondern die „Preise“ auch außerhalb des Spiels gehandelt werden können und dadurch einen direkten Wert besitzen. Der Entfall dieser Verkaufsoption, mit der sich Gewinne direkt in Geld tauschen lassen, dient Anbietern normalerweise als Schlupfloch, durch das sie bestehende Gesetze und Regeln umgehen können.

Ein solches Spiel anzubieten, setze den Besitz einer Glücksspiel-Lizenz voraus, schreibt die Behörde. Die Anbieter der betroffenen Spiele haben nun zwei Monate Zeit, um Änderungen vorzunehmen und dem Gesetz Folge zu leisten. Ab dem 20. Juni, droht die Behörde, werden Zwangsmaßnahmen eingeleitet, die von Geldstrafen bis hin zum Verbot des weiteren Vertriebs der Spiele reichen können.

Aber auch die sechs übrigen Titel werden kritisch betrachtet. Die Untersuchungen hätten gezeigt, dass eine grundsätzliche Verbindung zwischen Beuteboxen und dem Entstehen einer Sucht bestehen könne. Anbieter ruft die Kansspelautoriteit daher auf, suchtfördernde Elemente wie die unmittelbare Gratifikation, visuelle Effekte oder die Möglichkeit zum Öffnen von Boxen in schneller Folge aus Spielen zu entfernen, „um zu zeigen, dass Beuteboxen harmlos sind“. Gegenüber NOS.nl (Google Translate) hielt die Vorsitzende der Kansspelautoriteit dementsprechend fest, dass Beuteboxen wie Glücksspiele konzipiert würden.

Populäre Spiele betroffen

Obwohl die Behörde selbst keine Namen nennt, konnte NOS.nl an die Namen der vier neu klassifizierten Spiele gelangen. Es handelt sich laut der Seite um große Namen: Betroffen sind FIFA 18, Dota 2, PlayerUnknown's Battlegrounds und Rocket League. Prinzipiell wird aber jedes Spiel, das Beuteboxen und eine Option zum Handel von Gegenständen etwa über Valves Marktplatz anbietet, von der neuen Einstufung betroffen sein.

Niederlande nicht alleine

Mit diesem Vorgehen stehen die Niederlande nicht alleine dar; der durch Battlefront 2 ausgelöste Weckruf hat Lootboxen weltweit auf die Agenda von Staaten katapultiert. In den USA hat die Empörung zumindest in einigen Bundesstaaten das Bewusstsein der Behörden geschärft. Strikte Gesetzesvorschläge zur Regulierung der Lootbox-Systeme sind bereits eingebracht worden. In Deutschland erwägt die Jugendschutzkommission ein Verbot.