Prime Day: Verdi ruft Amazon-Mitarbeiter zum Streik auf

Fabian Vecellio del Monego 226 Kommentare
Prime Day: Verdi ruft Amazon-Mitarbeiter zum Streik auf
Bild: Verdi

Die Gewerkschaft Verdi ruft Amazons Lagerarbeiter am Dienstag, pünktlich zum diesjährigen Prime Day, zu Arbeitskämpfen auf: Die Angestellten fordern im sechsten Jahr in Folge einen Tarifvertrag. Betroffen sind dieses Mal neben zahlreichen deutschen Niederlassungen auch Polen und Spanien.

Immer noch kein Tarifvertrag

Der Zeitpunkt scheint klug gewählt: Am werbeträchtigen Prime Day, an dem der Onlineversandriese Amazon stündlich mit neuen Angeboten und Rabatten lockt, wollen zahlreiche deutsche Lagerarbeiter streiken. Während am gestrigen Montag noch nach Vorschrift gearbeitet wurde, sollen die Beschäftigen laut Verdi heute in zahlreichen deutschen Außenstellen die Arbeit niederlegen. Betroffen sind unter anderem Bad Hersfeld, Leipzig, Graben, Rheinberg und Koblenz. In Spanien soll bis Mittwoch gestreikt werden.

Hintergrund ist der bereits seit 2013 bestehende Konflikt um einen Tarifvertrag für die bundesweit rund 16.000 Beschäftigten des Versandhändlers, der sich bislang jedoch jeglichen Verhandlungen mit Verdi entzieht. Zuletzt äußerte sich eine Unternehmenssprecherin, dass Amazon auch ohne Tarifverträge ein fairer Arbeitgeber sein könne.

Amazon stehle sich aus der Verantwortung

Konkret geht es beim angekündigten Streik um einen geforderten Gesundheitstarif. Die langen Schichten, Arbeitswege und die monotonen wie schweißtreibenden Aufgaben sorgen laut Verdi-Vorstandsmitglied Stefanie Nutzenberger für zahlreiche gesundheitliche Probleme: „Die Botschaft ist klar: Während der Onlineriese sich bereichert, wird an der Gesundheit der Beschäftigten gespart“. Amazon vernachlässige seit Jahren seine Verpflichtungen gegenüber den Arbeitnehmern und verweigere ihnen das Recht auf festgeschrieben Regeln.

Zudem betonen die Gewerkschaftler den Erfolg der zahlreichen vergangenen Streiks: Amazon habe in den vergangen Jahren Lichtverhältnisse und Luftzufuhr an den Arbeitsplätzen verbessert. Darüber hinaus stiegen zuletzt Löhne und Gehälter regelmäßig. Der amerikanische Konzern rühmt sich auch damit, als gesundheitsfördernde Maßnahme sogenannte Obsttage geschaffen zu haben.

Nach eigenen Angaben keine Verspätungen zu erwarten

Bezüglich des geplanten Streiks zeigt sich Amazon unbesorgt. Bereits bei den letzten Streiks hätten die Arbeitsniederlegungen keine Auswirkungen gehabt. Dies sei auch diesmal so, erklärte eine Sprecherin: „Die Pakete kommen an“.