Huawei MateBook X Pro im Test: Edles Notebook mit James-Bond-Kamera 2/4

Nicolas La Rocco 114 Kommentare

James-Bond-Webcam

Das Highlight zur Vorstellung des MateBook X Pro war nicht etwa, wie es aussieht, welche CPU oder GPU in dem Gerät steckt, sondern die Webcam. Huawei geht wie zuletzt Lenovo den Weg der mechanischen Sperre, damit die Kamera nicht nur per Software deaktiviert ist, sondern auf keinen Fall mitgucken kann. Während Lenovo mit ThinkShutter einen simplen mechanischen Schieberegler vor die Kamera setzt, hat Huawei mit der in der F-Tastenreihe zwischen F6 und F7 versteckten Webcam geradezu ein James-Bond-Gadget entwickelt. Einmal kurz auf die Taste gedrückt und die Kamera ploppt aus dem Gehäuse, und genauso schnell verschwindet sie dort auch wieder.

Diese durchaus raffiniert umgesetzte Konstruktion hat allerdings nicht nur Vorteile. Anwender haben aufgrund des ungünstigen Winkels der Kamera dieselben Probleme wie beim Dell XPS 13. Der Blickwinkel von unten auf den Anwender und dessen Nasenlöcher kann durchaus unvorteilhaft sein. Außerdem sind aufgrund der Position häufig die Fingerknöchel des Anwenders zu sehen. Mit einer Auflösung von nur einem Megapixel ist auch die Bildqualität nicht sonderlich gut aber noch zweckerfüllend. Videokonferenzen in 720p-Auflösung sind mit dieser Auflösung dennoch möglich.

ThinkShutter hat den besseren Winkel

Huawei liefert mit einer in der Tastatur versenkbaren Webcam die derzeit technisch spannenste Lösung für mehr Privatsphäre, im Alltag funktioniert Lenovos ThinkShutter-Kamera aufgrund des Winkels aber besser. Alleine auf die Bildqualität bezogen nehmen sich Huawei und Lenovo aber nichts. Das MateBook X Pro schlägt in diesem Punkt jedoch eindeutig das Dell XPS 13 (9360) der Redaktion (siehe Bildergalerie oben). Da Huawei klare Priorität auf das formatfüllende Displays gelegt hat, hätte die Frontkamera weder im oberen Rahmen noch im unteren Bereich wie bei Dells XPS 13 untergebracht werden können. Insofern ist die Umsetzung im speziellen Fall kaum zu kritisieren.

Großes Touchpad

Dank Abmessungen von 7,7 × 12,5 cm bietet das MateBook X Pro eines der größten Touchpads im Windows-Segment. Selbst dem Trackpad des kleinen MacBook Pro (13,5 × 8,4 cm) kommt das Notebook gefährlich nahe. Die Gleiteigenschaften des Huawei-Touchpads aus Glas sind ausgezeichnet. Der Mauszeiger lässt sich butterweich über den Bildschirm bewegen, und auch Windows-10-Gesten, die den Einsatz mehrerer Finger benötigen, können dank der großen Fläche präzise ausgeführt werden.

Irritierend ist indes die mit Bedienung des Touchpads einhergehende Geräuschkulisse. ComputerBase war schon zum ersten Hands-On des Notebooks im Rahmen des MWC aufgefallen, dass das Touchpad bei Berührung selbst ohne Auslösen des Klicks leicht klackert. Das Geräusch wird durch Auflegen des Fingers respektive dessen Gewicht ausgelöst und ist jedes Mal leise zu hören und im Finger zu spüren, wenn das Touchpad ohne Klicken bedient wird. Da dieses Geräusch bei bisher allen ausprobierten MateBook X Pro zu vernehmen war, ist ein Fehler nur beim Testgerät auszuschließen.

Zugegeben: Man muss im Alltag schon genauer hinhören und für die Wahrnehmung allgemein empfindlich sein, allerdings war es beim Testgerät das Erste, was mit Einrichtung des Notebooks sofort aufgefallen war. Dramatisch schlimm ist das Klackern nicht, es mindert nur etwas den ansonsten hochwertigen Eindruck des Notebooks.

Flache Tasten, gutes Tippen

Nichts zu meckern gibt es hingegen an der Tastatur, die trotz ihrer optischen Ähnlichkeit zu den MacBook-Tastaturen auf das nervige Apple-Klackern verzichtet. Die Tasten haben gut einen Millimeter Hub, bevor sie ohne harten Anschlag im Gehäuse versinken. Abgesehen von der versteckten Webcam und deren zusätzliche „F-Taste“ kommt die Tastatur im Standardlayout daher. Die Hintergrundbeleuchtung fällt über alle Tasten verteilt gleichmäßig aus und lässt sich in zwei Stufen einstellen. Wie gut sich die Tastatur auf lange Sicht schlagen und gegen Krümel und Co. wehren wird, konnte im Test nicht ermittelt werden. Apple musste zuletzt Fehler bei der Konstruktion eingestehen und aufgrund der filigranen Bauweise der aktuellen MacBook-Tastatur ein Serviceprogramm starten.

Schneller Fingerabdrucksensor

Ein Highlight der „Eingabegeräte“ ist der An- und Aus-Schalter, in dem Huawei den Fingerabdrucksensor für die biometrische Anmeldung via Windows Hello unterbringt. Anders als zuletzt bei dem enttäuschenden Fingerabdrucksensor des ThinkPad X1 Carbon G6 erfolgt die Erkennung hier bei jedem Versuch schnell und zuverlässig.

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