Mainboards für Ryzen: Platinen mit AMDs B450-Chipsatz erreichen den Handel

Jan-Frederik Timm 177 Kommentare
Mainboards für Ryzen: Platinen mit AMDs B450-Chipsatz erreichen den Handel

Ab sofort sind neben den neuen X470-Platinen für AMD Ryzen auch erste Mainboards mit günstigerem B450-Chipsatz im Handel verfügbar. AMD hatte dessen Markteinführung zum Start von Ryzen 2000 für Juli in Aussicht gestellt. Relevante Unterschiede zum Vorgänger suchen Anwender auch in diesem Fall aber vergebens.

X470, B450, X370, B350: kaum Unterschiede

Denn ganz offiziell beläuft sich die einzige Änderung zwischen X470 und X370 respektive B350 und B450 auf eine geringere Idle-Leistungsaufnahme, denn dort schnitt die 300er-Serie nicht gut ab. Im Test zum Start von Ryzen 2000 konnte ComputerBase das aber nicht nachvollziehen.

Ansonsten unterstützen sowohl X470 und B450 als auch X370 und B350 alle Turbo-Modi der neuen sowie der alten Ryzen-Prozessoren inklusive XFR 2 und Precision Boost Overdrive, sofern implementiert. Alte Mainboards benötigen dafür zwar ein BIOS-Update, jene wurden von den Herstellern jedoch bereits für alle relevanten Platinen ausgerollt.

Für den Anwender möglicherweise wesentliche Unterschiede zwischen X- und B-Serie bestehen bei der Anzahl der PCIe-2.0-Lanes, der USB-3.0- sowie der SATA-Ports. Auch ist die B-Serie offiziell nicht für SLI zertifiziert. Weitere Unterschiede können sich allerdings aus der Umsetzung der Mainboard-Hersteller ergeben, die die B-Serie tendenziell auf Platinen mit weniger Ausstattungsmerkmalen einsetzt.

Die I/O-Schnittstellen der Chipsätze und CPUs
X470/X370 B450/B350 A320 Ryzen 1000/2000 (CPU)
PCIe 3.0 0 0 0 24 (20*/18**)
PCIe 2.0 8 6 4 0
USB 3.1 Gen 2 (10 Gbit/s) 2 2 1 0
USB 3.0 6 2 2 4
USB 2.0 6 6 6 0
SATA 6 Gbit/s 8 6 6 2**
SATA-Raid 0/1/10 0/1/10 0/1/10
Übertakten Ja Ja
CrossFire / SLI ja / ja ja*** / – ja*** / –
*bei X470/X370/B450/B350/A320 sind 4 PCIe-Lanes für Chipsatzanbindung belegt
**SATA-Ports kosten 2 weitere PCIe-Lanes des SoC
***CrossFire-Support durch eigene Lösungen der Mainboard-Hersteller

Das erste im Handel erhältliche B450-Mainboard ASRock B450M-HDV im ATX-Format bietet für 100 Euro zum Beispiel nur zwei RAM-Slots und soll lediglich Prozessoren mit einer TDP von 65 Watt beherbergen können. Das günstigste ATX-Mainboard mit X470, das MSI X470 Gaming Plus, bietet für 130 Euro hingegen vier RAM-Slots und keine Beschränkung bei der CPU.

Mit dem Asus Prime B450M-A führt der Handel bereits eine preisliche Alternative im Micro-ATX-Format, kann sie aber noch nicht liefern. Auch hier gibt es vier DIMM-Slots. Beim TUF B450M-Plus Gaming kostet die vergleichbare Ausstattung 15 Euro mehr. Das Prime B450M-K im Micro-ATX-Format bietet hingegen auch nur zwei DIMM-Slots zum Preis von 92 Euro. Das ebenfalls bereits gelistete ROG Strix B450-I Gaming setzt wiederum auf das Mini-ITX-Format mit zwei Slots, hier werden auch für B450 gut 200 Euro verlangt – das entspricht dem Preis des ROG Strix X470-I Gaming. Produktseiten auf den Webseiten der Hersteller gibt es zu allen Modellen noch nicht.

Der Chipsatz ist bei Ryzen zweitrangig

Der Blick auf die technischen Eckdaten der Chipsätze und die im Handel angebotenen Modelle und deren Preise macht deutlich: Bei Mainboards für AMD Ryzen sollten Anwender beim Chipsatz nicht strikt nach X- und B-Serie filtern, sondern über die Ausstattung der Platine und deren Preis gehen. Denn anders als bei Intel mit der Z-Serie, beherrschen bei AMD auch die B-Modelle Übertaktung mittels Multiplikator.

Mainboards mit B-Chipsatz sind tendenziell günstiger und weniger gut ausgestattet, mit mehr Modellen am Markt werden sich beide Produktgruppen aber schnell auch preislich stark überlagern. Allein die Eigenschaft X-Chipsatz rechtfertigt einen Griff zu diesen Platinen dann aber nicht. Und in Anbetracht der unwesentlichen Veränderungen von 300er- auf 400er-Serie können Anwender auch immer den Kauf einer „älteren“ Platine in Erwägung ziehen.

Allerdings ist hier Vorsicht geboten: Soll auf älteren Platinen ein Ryzen 2000 (Test) zum Einsatz kommen, benötigen sie ein BIOS-Update. Ist das ab Werk nicht installiert, bedarf es einer Ryzen-1000-CPU um es aufzuspielen, mit einem Ryzen 2000 geht der Rechner erst gar nicht an.

Vielen Dank an ComputerBase-Leser Lorenzo für den Hinweis zu dieser Meldung.

Update 09.07.2018 15:58 Uhr

Offensichtlich waren Händler, die bereits Anfang Juli Mainboards für AMD Ryzen mit B450-Chipsatz angeboten und teilweise direkt aber Lager verkauft haben, zu früh dran. Mittlerweile sind die Angebote nicht mehr im Preisvergleich oder bei den Händlern zu finden. Auch bei den Herstellern sind die für kurze Zeit online bereits ausgestellten Platinen wieder verschwunden. Laut einem Nutzer auf Reddit liegt das an AMD: Der Hersteller hätte jegliche Kommunikation zu und den Verkauf von B450-Platinen bis zum 31. Juli untersagt.

In Anbetracht der Tatsache, dass die Chipsätze und ihre Funktionen bereits seit Wochen bekannt sind, überrascht das. Nicht auszuschließen ist allerdings, dass AMD die Markteinführung parallel zum Start noch kleinerer Ryzen-CPUs vollziehen will, um die Einstiegskosten für eine Plattform mit Ryzen 2000 öffentlichkeitswirksam zu senken.