Qualcomm Centriq 2400: Fragwürdige Hersteller-Benchmarks der Server-CPU

Volker Rißka 17 Kommentare
Qualcomm Centriq 2400: Fragwürdige Hersteller-Benchmarks der Server-CPU
Bild: Qualcomm

Qualcomms Server-Prozessor Centriq 2400 ist bereits seit Monaten theoretisch offiziell verfügbar, doch unabhängige Benchmarks erlaubt das Unternehmen nach wie vor nicht. Stattdessen zeigt der Hersteller eine fragwürdige Auswahl mit skurilen Hardwarekonfigurationen.

Qualcomm holpert in den Server-Markt

Qualcomms Einstand in den Servermarkt ist von negativen Schlagzeilen begleitet, die das Unternehmen aber auch stets mit weiterem Material versorgt. Nach Gerüchten um die komplette Einstellung des Programms, denen Qualcomm widersprach, bleiben dennoch die Abgänge des Chefs der Sparte sowie des Defacto-Chefs der aktuellen und nächsten CPU-Architektur des Qualcomm-Server-Prozessor sowie der Halbierung des Personals in dem Bereich, die die Aussichten nicht rosiger werden lassen.

Benchmarks mit sehr fragwürdigem Setup

Neues Öl ins Feuer gießt Qualcomm mit eigenen Benchmarks, die auf dem GoingArm-Event im Rahmen der ISC 2018 veröffentlicht wurden. Unabhängige Tests der CPU gibt es weiterhin nicht, weshalb ohnehin Vorsicht angebracht ist. Doch sowohl die Auswahl an Tests als auch die Testumgebung und das Konkurrenzsystem lassen massive Fragen aufkommen. Problematisch an den Vergleichen ist zudem stets, dass Qualcomms Centriq 2400 immer nur als Ein-Sockel-Prozessor ausgelegt ist, während alle Mitbewerber-Modelle von AMD, Intel aber auch Cavium zwei oder gar mehr Sockel unterstützen.

In der Präsentation wirbt Qualcomm mit einer 30 Prozent höheren Leistung beim Speicherdurchsatz, den der Centriq 2400 gegenüber einem Intel Xeon Platinum 8168 bieten soll. Doch der Blick in die Systemkonfiguration lässt die Stirn runzeln: Dem Intel-System werden nur vier Speichermodule und insgesamt 64 GByte RAM spendiert, sodass das eigentliche Sechs-Kanal-Speicherinterface gar nicht genutzt werden kann – das Qualcomm-System bekommt hingegen sechs Module für vollen Hexa-Channel-Speed. Die Benchmarks sind damit fast alle kaum nutzbar, denn sie sind zum Großteil auf die Speicherbandbreite ausgelegt. Auch wie Qualcomm auf „104 Kerne“ beim Xeon Platinum 8168 kommt, ist fraglich: Es ist ein 24-Kern-Prozessor mit 48 Threads.

Cavium macht es deutlich besser

Mitbewerber Cavium im ARM-Server-Segment hat mit den Thunder X2 die Kehrtwende geschafft – das zeigt sich auch mit einem etwas offensiveren Umgang, was Samples der erst im Mai dieses Jahres offiziell vorgestellten CPU angeht. Diese haben mit dem Vorgänger aber nur noch den Namen gemein, intern hat sich doch sehr viel geändert. Von nun an auch offiziell unter der Haube von Marvell basieren die ARM-Prozessorkerne im Thunder X2 auf dem Know-How von Broadcom und unterschieden sich deutlich von der ersten Generation. Doch der Bruch hat Cavium geholfen: In den unabhängigen Tests beispielsweise von STH oder Anandtech wird eine gute Leistung bescheinigt, die mit einem niedrigen Preis garniert wird. Die CPUs sind demnach die erste wirkliche Alternative zu AMD und Intel, ein Ziel, das Qualcomm erst noch unter Beweis stellen muss.