Red Faction Guerilla: Abriss-Simulator erfolgreich re‑mars‑tered

Wolfgang Andermahr et al. 55 Kommentare
Red Faction Guerilla: Abriss-Simulator erfolgreich re‑mars‑tered

tl;dr: Red Faction Guerilla gibt es seit heute in der „Re-Mars-tered“-Version mit verbesserter Grafik. Im Test überzeugt die Kombination aus überholter Technik und Gameplay, auch wenn sich mit dem matschig-braunen Mars erst angefreundet werden muss. Technisch überraschend ist: Der neue Teil läuft schneller als der alte.

Re-“Mars“-tered mit schönerer Grafik

Red Faction Guerilla gilt als der beste Teil einer Spieleserie, in der man so viel kaputtmachen kann wie in keinem anderen Spiel. Sei es per Sprengstoff oder einfach per Riesenhammer, quasi alle Gebäude und sonstige Aufbauten lassen sich zerstören. Red Faction Guerilla ist der dritte von insgesamt vier Teilen und am 2. Juni 2009 erschienen. Jetzt bringt THQ Nordic ein Remaster des Spiels auf den Markt.

Das hört auf den passenden Namen Red Faction Guerrilla Re-Mars-tered, der die mittlerweile angestaubte Grafik ein wenig auf Vordermann bringen soll. Davon abgesehen bleibt das Spiel unverändert. Damit stellt sich neben der Frage zur Technik auch jene, ob denn Red Faction Guerilla heutzutage immer noch so gut funktioniert wie vor neun Jahren. ComputerBase hat beides getestet.

Wer das Original besitzt, erhält die Re-Mars-tered umsonst

Wer Red Faction Guerilla bei Steam besitzt, erhält die Re-Mars-tered-Edition automatisch und kostenlos. Alternativ kann das Spiel bei Steam oder GOG auch separat für regulär 19,99 Euro gekauft werden – derzeit gewähren beide Shops allerdings 50 Prozent Rabatt. Neben der PC-Version gibt es auch eine Umsetzung der Neuauflage für die PlayStation 4 (Pro) und die Xbox One (X).

Die Grafik: Alt vs. Neu

THQ Nordic spricht bei Red Faction Guerilla Re-Mars-tered von „nativer 4K-Unterstützung auf dem PC“, einer „vollständig überarbeiteten Grafik mit besseren Texturen und Grafik-Features“, einer „verbesserten Schattendarstellung“ sowie „überarbeiteten Shadern und Postprocessing“.

Wer die Grafik von Ur- und Remastered-Ausgabe miteinander vergleicht, dem fallen sofort die deutlich hübscheren Texturen auf. Diese spielen bei Red Faction Guerilla Re-Mars-tered in einer ganz anderen Liga und können auch bei 3.840 × 2.160 Pixeln überzeugen. Die verbesserten Texturen verändern den optischen Gesamteindruck des Spiels deutlich, ohne dass es unpassend oder künstlich wirkt. Alle anderen Verbesserungen haben dagegen kleinere Auswirkungen. Apropos Texturen: Eine Grafikkarte mit 3.072 MB Speicher ist auch für Ultra HD ausreichend. In niedrigeren Auflösungen gibt es selbst mit nur 2.048 MB keinerlei Probleme.

Davon abgesehen lässt sich auch gut die verbesserte Beleuchtung erkennen, die in manchen Szenen mehr und in anderen weniger auffällt und insgesamt einen realistischeren Eindruck hinterlässt. Die Schatten sehen ebenfalls besser aus. In der Originalversion wurden sie auf manchen Oberflächen offenbar nicht korrekt oder gar nicht berechnet.

Auch das Original unterstützt bereits Ultra HD

Die erwähnte native 4K-Unterstützung von Red Faction Guerilla Re-Mars-tered ist allerdings Definitionssache. Auf dem PC hat bereits das Original Ultra HD problemlos darstellen können, auch wenn die Texturen nicht in der hohen Auflösung vorlagen.

Eine weitere Änderung betrifft die Kantenglättung. Red Faction Guerilla unterstützt Multi-Sampling-AA in den Stufen 2 × und 4 ×, das brauchbar arbeitet, Flimmern aber nicht gänzlich verhindert. Red Faction Guerilla Re-Mars-tered verzichtet dagegen auf MSAA und nutzt einen modernen Postprocessing-Algorithmus. Dieser arbeitet qualitativ sehr ähnlich zum MSAA. In Full HD flimmert es also noch etwas, was in höheren Auflösungen aber abnimmt. Ändern oder abschalten lässt sich die Kantenglättung nicht.

Das hübschere Re-Mars-tered läuft schneller als das Original

Wenn die Performance zwischen Red Faction Guerilla und Red Faction Guerilla Re-Mars-tered verglichen wird, gibt es eine Überraschung: Bei maximalen Details läuft die hübschere Neuauflage besser als das Original. Und zwar nicht nur ein bisschen, sondern ein gutes Stück. Aus rund 50 FPS im Original werden schnell 70 FPS im Remaster. Zwei mögliche Gründe gibt es dafür: Das MSAA in Red Faction Guerilla ist fordernder als das Postprocessing-AA in Re-Mars-tered. Darüber hinaus ist es gut denkbar, dass letzteres schlicht besser auf moderne Hardware optimiert ist.

Red Faction Guerilla Re-Mars-tered nutzt vermutlich wie das Original die hauseigene Engine Geo-Mod 2.0, nur eben in aufgebohrter Form. Das Grafikmenü sieht fast identisch aus. Interessanterweise gibt es, zumindest auf unserem Testsystem, ähnliche Schwierigkeiten bei beiden Versionen. So war es auf Anhieb nicht möglich, die gewünschte Bildwiederholfrequenz in Ultra HD auszugeben. Zudem passierte es öfter, dass zwar 60 Hz angezeigt, jedoch nur 30 Hz ausgegeben wurden.

Insgesamt wurde die Grafik von Red Faction Guerilla Re-Mars-tered deutlich gegenüber dem Original verbessert und die Optik profitiert davon sichtbar. Dennoch stammt das Spiel eben aus dem Jahr 2009, was auch die Re-Mars-tered-Version nicht verbergen kann. Sie sieht damit ein gutes Stück besser als das Original aus, doch eben nicht wie ein Titel aus dem Jahr 2018. Das war allerdings nicht anders zu erwarten.

Ein FPS-Limit und vier Grafik-Presets

Anders als die Urversion hat Red Faction Guerilla Re-Mars-tered einen FPS-Limiter, der sich nicht abschalten lässt. Zumindest gibt es im Optionsmenü keine Möglichkeit dazu und auch die Konfigurationsdateien zeigen keine entsprechende Einträge. Immerhin liegt das Limit mit runden 111 FPS recht hoch. Besitzer von Monitoren mit 120 Hz, 144 Hz oder mehr werden sich aber natürlich dennoch ärgern. Und die Frage nach dem Warum steht im Raum.

Das Spiel bietet mit „Sehr hoch“, „Hoch“, „Mittel“ und „Niedrig“ vier verschiedene Grafik-Presets. Die primären optischen Auswirkungen betreffen dabei die Schatten, die mit jeder Stufe an Qualität einbüßen. Darüber hinaus zeigen sich Auswirkungen auf Effekte wie zum Beispiel Rauch, was vor allem bei der Zerstörung von Gebäuden auffällt. Bis inklusive des Mittel-Presets halten sich die optischen Auswirkungen jedoch in Grenzen.

Grafik-Presets – 3.840 × 2.160
  • AMD Radeon RX 580:
    • Niedrig-Preset
      111,2
    • Mittel-Preset
      108,1
    • Hoch-Preset
      99,3
    • Sehr-Hoch-Preset
      58,2
  • Nvidia GeForce GTX 1060:
    • Niedrig-Preset
      111,4
    • Mittel-Preset
      100,0
    • Hoch-Preset
      93,0
    • Sehr-Hoch-Preset
      57,0

Die Presets „Niedrig“, „Mittel“ und „Hoch“ zeigen kaum Auswirkungen auf die Performance. Auf einer GeForce GTX 1060 liegt die Leistungsdifferenz zwischen den drei Einstellungen bei gerade einmal 20 Prozent, auf der Radeon RX 580 sind es gar nur zwölf Prozent. Deutlich größer ist dagegen der Performance-Abfall des Sehr-hoch-Presets. Dort verliert die Nvidia-Grafikkarte 39 Prozent bei den FPS, das AMD-Gegenstück 41 Prozent.

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