Mobvoi TicWatch Pro im Test: Smartwatch mit Zwei-Schicht-Display und Pulsaversion 2/2

Jan Lehmann 24 Kommentare

Mäßige App und bekanntes Wear OS

Die Mobvoi TicWatch Pro setzt auf Googles neues Wear OS. Auch unter neuem Namen bleibt das Betriebssystem aber weiterhin das ehemals bekannte Android Wear. Das System zeigt also bekannte Strukturen sowie Funktionen. Auch die NFC-Bezahlfunktion wird über Google (Pay) realisiert, das seit Sommer auch in Deutschland unterstützt wird.

Werden die Grundeinstellungen und Ziffernblätter in der Wear-OS-App vorgenommen, gibt Mobvoi dem Träger eine eigene Fitness-App an die Hand und bedient sich nicht der Google-Fit-App. Doch die Mobvoi-App ist in vielen Punkten schlicht mangelhaft. Da sie jedoch vom Hersteller bereitgestellt wird, stützt sich dieser Test auf die dazugehörige App, ungeachtet des Aspektes, dass die Vitalwerte auch an Dritt-Apps wie Google Fit weitergegeben werden können.

App, System und Smartwatch harmonieren nicht

Mobvoi TicWatch Pro: Verschiedene Schrittzahlen
Mobvoi TicWatch Pro: Verschiedene Schrittzahlen

Der erste überaus negative Faktor ist der Herzfrequenzsensor, der im normalen Betrieb keine automatischen Messungen vornimmt. Jedes bisher getestete Wearable führt dies in festgelegten Intervallen selbstständig durch. Bei der TicWatch Pro muss der Träger hingegen stets eine manuelle Messung durchführen. Damit nicht genug: Startet man die Messung via Widget vom Ziffernblatt aus, misst die Uhr zwar den Wert und zeigt ihn auf dem Ziffernblatt an, doch wird der Wert in der App nicht registriert. Einzig der Umweg über das Menü und die Nutzung der hier abgelegten Herzfrequenzfunktion ergeben einen festen Wert. Ein umständliches Prozedere, das selbst unter dem Gesichtspunkt der Energieeinsparung nicht tragbar ist.

Auch bei der Synchronisation patzt die TicWatch Pro und das gleich doppelt. Die zurückgelegten Schritte werden von der Uhr zumeist erst nach mehreren Sekunden registriert. Noch fataler ist hingegen der Fakt, dass Uhr und App mehrfach verschiedene Wert ausgaben. Während des zwölftägigen Tragens war dieses Phänomen kein Einzelfall und trat bei der abendlichen Auswertung mit beispielsweise 11.128 (App) zu 11.142 (Uhr) Schritten gleich dreimal auf.

Der mäßige Gesamteindruck zieht sich durch die ganze App. Die Vitalanzeige in Form von drei Ringen, die sich zunehmend füllen, kommt obendrein äußerst bekannt vor. Im Übrigen bietet die App keinerlei Zusatz-Features und beschränkt sich lediglich auf eine detaillierte Tagesanzeige sowie die Wochen- und Monatsübersichten. Selbst Kleinigkeiten wie Gewichts- oder Schlafanalyse oder zumindest eine ansatzweise Darstellung jener fehlen. Ebenso eine automatische Aktivitätserkennung.

Somit muss der Träger selbst tätig werden und das Training manuell starten. Zur Auswahl stehen dabei Laufen, Spaziergang, Drinnenlaufen, Radfahren und Freestyle. Bei Ersteren wird während der Sportübungen zudem die GPS-Ortung aktiviert – im Nachgang kann das Ganze noch begutachtet werden. Zudem können Ziele vordefiniert werden. Erfreulich ist darüber hinaus, dass während der Sportübung das monochrome Display mehr Auskünfte anzeigt. Hier erscheinen nun auch Anzeigen für Herzfrequenz, Trainingsdauer, verbrauchte Kalorien und zurückgelegte Strecke.

Mobvoi TicWatch Pro: Übungsansicht
Mobvoi TicWatch Pro: Übungsansicht
Mobvoi TicWatch Pro: Aktivitätsübersicht App
Mobvoi TicWatch Pro: Aktivitätsübersicht App

Bei der Trainingsauswertung zeigt die App indes ein völlig anderes Bild und reißt den bisher schlechten Eindruck herum. Mit einem Überfluss an Daten erhält der Träger hier eine umfassende Auswertung. Während der Ertüchtigung ist neben dem GPS auch die Herzfrequenzmessung automatisch aktiviert. Die Auswertung zeigt Parameter zur Herzfrequenz, Geschwindigkeit, Schrittfrequenz, Schrittlänge, Entfernung und Strecke. Die Trainingsanalyse überzeugt auf ganzer Linie, doch wirft sie zugleich die Frage auf, warum beim restlichen System so gepatzt wurde. Ebenfalls erfreulich ist, dass Datensicherung und -weitergabe an einen Server deaktiviert werden können.

Sensoren und Laufzeiten

Bei der Sensorgenauigkeit zieht sich das durchwachsene Bild fort. Die Schrittzählung gelingt der Smartwatch zwar sehr gut, doch hat die Uhr Probleme mit der Genauigkeit beim Pulsmessen.

Beim Testparcours des Herzsensors werden drei Szenarien getestet. Dafür werden Messungen in einer Ruhephase, während des Sports und nach dem Sport mit Referenzwerten eines Brustgurtes (Polar H7) verglichen. Bei der TicWatch Pro zeigt sich hierbei ein bekanntes Bild. Mit Ausnahme des Wertes während des Sports werden die beiden übrigen Werte korrekt gemessen. Der Sportwert weicht demgegenüber mit 2,85 Prozent (144 zu 140) stark ab.

Gute Laufzeit, mit einem großen Aber

Die Laufzeit der TicWatch Pro ist für eine vollwertige Smartwatch mit durchschnittlich 60 Stunden überaus gut, doch müssen dabei die entsprechenden Aspekte mitberücksichtigt werden. Durch das zweischichtige Display und den Wegfall der automatischen Herzfrequenzmessung spart die Uhr einiges an Energie.

Laufzeiten
Angaben in Stunden
    • Fitbit Versa
      127,0
      Hinweis: ohne „Always-on“
    • Pebble Steel
      116,0
      Hinweis: E-Paper-Display
    • Pebble Time
      107,0
      Hinweis: Color-E-Paper-Display
    • Mobvoi TicWatch Pro
      60,0
      Hinweis: Dual-Layer, manuelle HR
    • Samsung Gear S3 classic
      58,0
      Hinweis: ohne „Always-on“
    • Sony Smartwatch 3
      48,0
    • LG G Watch R
      46,0
    • Asus ZenWatch 3
      45,0
      Hinweis: „Always-on“ deaktiviert
    • Asus ZenWatch
      38,0
    • New Balance RunIQ
      38,0
    • LG G Watch
      36,0
    • Samsung Gear Fit2
      34,0
    • Huawei Watch
      33,0
    • Motorola Moto 360 2nd Gen 42 mm
      31,0
    • Samsung Gear Live
      28,0
    • Skagen Falster
      28,0
    • Motorola Moto 360
      26,0
    • Samsung Gear S2
      25,0
    • Apple Watch Sport 38 mm
      23,0
    • K88H Smart
      21,0
    • X10
      21,0

Im Tagesgeschehen wurde die TicWatch Pro zur Sichtung sämtlicher Benachrichtigungen genutzt. Auf eine Vielzahl wurde zudem geantwortet. Hinzu kamen tägliche Spazier- und Joggingrunden mit dem Hund, die teils auch über die Trainings-App aufgezeichnet wurden. Ab einer Laufzeit von zehn Prozent verfällt die Uhr in einen Stromsparmodus und nutzt vorrangig nur noch das monochrome Display. In diesem Modus hält die Uhr mehrere Tage durch, er kann zudem permanent aktiviert werden. Mobvoi spricht von einer Laufzeit von bis zu 30 Tagen. Geladen wird die TicWatch Pro mittels Kontakten und einfachen Ladedocks.

Mobvoi TicWatch Pro: Ladeschale
Mobvoi TicWatch Pro: Ladeschale

Fazit

Das Fazit zur Mobvoi TicWatch Pro gleicht einer Achterbahnfahrt. Die durchschnittliche Laufzeit von 60 Stunden begeistert, doch stößt der Wegfall einer automatischen Herzfrequenzmessung respektive zumindest eine etwaige Option hierzu sauer auf. Das Aushängeschild der Uhr, das zweischichtige Display, besticht zwar mit einer hervorragenden Lesbarkeit, die Umsetzung mit spärlichen Informationen und Designarmut trüben das Bild jedoch.

Diese Berg-und-Tal-Fahrt zieht sich durch die gesamte Uhr. Die sehr gute Trainingsübersicht wird von einer mangelhaften App, asynchronen Schrittwerten und dem manuellen Starten von Trainingseinheiten überschattet. Im Resultat leistet sich die TicWatch Pro zu viele Schnitzer, als dass sie mit Größen im Wearable-Segment konkurrieren könnte. Ungeachtet des Betriebssystems Wear OS, das der Uhr sehr gut steht, gewohnte Strukturen bringt und einen umfangreichen Bedienkomfort bietet, wirkt die Ticwatch Pro vor allem im App-Bereich unfertig und lieblos zusammengeschustert. Hier sollte Mobvoi dringend nachbessern.

ComputerBase hat die TicWatch Pro leihweise von Mobvoi zum Testen erhalten. Eine Einflussnahme des Herstellers auf den Testbericht fand nicht statt, eine Verpflichtung zur Veröffentlichung bestand nicht. Es gab kein NDA.

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