Snapdragon 675: Qualcomms erstes Cortex-A76-SoC wird in 11LPP gefertigt

Nicolas La Rocco 28 Kommentare
Snapdragon 675: Qualcomms erstes Cortex-A76-SoC wird in 11LPP gefertigt

Qualcomms Angebot an Mobile Platforms der 600er Baureihe wird zum 4G/5G Summit mit dem Snapdragon 675 um eine hinsichtlich Gaming-Leistung, Kamera-Features und KI-Fähigkeiten optimierte Variante ergänzt. Die Unterschiede zum Snapdragon 670 sind größer, als der Name vermuten lässt: Der Snapdragon 8150 wirft seine Schatten voraus.

Mit dem Snapdragon 675 will Qualcomm Mikroruckler in gewissen Spielen um bis zu 90 Prozent im Vergleich zum Snapdragon 670 reduzieren. Spiele wie PUBG, Honor of Kings, QQ Car Racing, Knives Out und weitere Titel sollen durch Optimierungen aufseiten der Entwickler und Qualcomm flüssiger auf der neuen Mobile Platform laufen.

Spieleentwickler können ihre Titel mit dem Snapdragon Profiler sowie dem Snapdragon Heterogeneous Compute SDK und Snapdragon Power Optimization SDK für das SoC optimieren und das Optimum aus Leistung, Verbrauch und Wärmeentwicklung finden. Qualcomm unterstützt mit OpenGL 3.2 und Vulkan aktuelle APIs und hat Optimierungen für Engines wie Unreal Engine 4, Unity, Messiah und NeoX vorgenommen.

Kryo-CPU der vierten Generation

Besonders interessant macht den Snapdragon 675 die Kryo-CPU der vierten Generation. Hinter dieser Bezeichnung verbergen sich neue Kerne des Typs Kryo 460, die auf ARMs Cortex-A76-Kern basieren, den Qualcomm das erste Mal als Basis für eine eigene CPU verwendet. Die Kryo 360 des Snapdragon 670 und 710 sowie die Kryo 385 des Snapdragon 845 basieren noch auf dem Cortex-A75-Kern. Mit der Premiere einer vollständig neuen CPU in einem Chip der oberen Mittelklasse weicht Qualcomm zudem das bisherige Vorgehen auf, zuerst das High-End-Segment auf eine neue CPU-Generation umzustellen. In dem für Anfang Dezember erwarteten Snapdragon 8150 als Nachfolger des Snapdragon 845 dürfte ebenfalls eine Kryo-4xx-CPU auf Basis des Cortex-A76 stecken, dort jedoch voraussichtlich mit weitaus höheren Taktraten.

Die zwei Performance-Kerne des Snapdragon 675 taktet Qualcomm mit bis zu 2,0 GHz, für die auf dem ARM Cortex-A55 basierenden Efficiency-Kerne, die ebenfalls Kryo 460 heißen, jedoch „Silver“ statt „Gold“, liegt der Maximaltakt bei 1,7 GHz. Laut Qualcomm sorgt die neue CPU für 30 Prozent schnellere Spiele-, 20 Prozent schnellere Musik-App- und 15 Prozent schnellere Social-Media-App-Starts sowie 35 Prozent schnelleres Browsen. Die neue GPU Adreno 612 ist leicht unterhalb der Adreno 615 aus dem Snapdragon 670 und der Adreno 616 aus dem Snapdragon 710 positioniert.

Samsung Foundry übernimmt Fertigung in 11LPP

Der langjährige Fertigungspartner Samsung ist auch für den Snapdragon 675 verantwortlich. Der Chip wird allerdings nicht in 10LPP oder dem älteren 10LPE und 14LPP gefertigt, sondern setzt auf 11LPP. Der Zwischenschritt zu 10LPP ermöglicht im Vergleich zu 14LPP eine bis zu 15 Prozent höhere Leistung bei bis zu 10 Prozent weniger Chip-Fläche, ist aber etwas günstiger zu produzieren als 10LPP.

Snapdragon 660 Snapdragon 670 Snapdragon 675 Snapdragon 710
Fertigung 14LPP 10LPP 11LPP 10LPP
CPU 4 × Kryo 260 @ 2,2 GHz
4 × Kryo 260 @ 1,84 GHz
2 × Kryo 360 @ 2,0 GHz
6 × Kryo 360 @ 1,6 GHz
2 × Kryo 460 @ 2,0 GHz
6 × Kryo 460 @ 1,7 GHz
2 × Kryo 360 @ 2,2 GHz
6 × Kryo 360 @ 1,7 GHz
GPU Adreno 512 Adreno 615 Adreno 612 Adreno 616
DSP Hexagon 680 Hexagon 685
ISP Spectra 160 Spectra 250 Spectra 250L Spectra 250
Modem Snapdragon X12 Snapdragon X15

Porträtmodus lässt sich mit HDR kombinieren

Der Spectra-250L-Bildprozessor des Snapdragon 675 kann als Neuerung Daten von bis zu drei statt zwei regulären Kameras sowie einer zur Tiefenberechnung verarbeiten, sodass Smartphone-Hersteller zum Beispiel eine Kombination aus Weitwinkel, Super-Weitwinkel und Teleobjektiv verbauen können. Snapdragon 660, 670 und 710 können hingegen mit maximal zwei Kameras gepaart werden. Durch die Erfassung von Tiefeninformationen berechnet der Snapdragon 675 einen Bokeh-Effekt mit unscharfem Hintergrund. Dieses bereits bekannte Feature lässt sich bei dem neuen SoC mit HDR kombinieren. Auch auf der Vorderseite des Smartphones können mehrere Kameras für Selfies mit Bokeh-Effekt verbaut werden. Zudem unterstützt der Chip die 3D-Gesichtserkennung zum Absichern des Smartphones. Im Vergleich zum Snapdragon 670 soll der Signalprozessor (DSP) diese Aufgabe bis zu dreimal schneller abwickeln.

Neben 4K-Videoaufnahmen mit 30 FPS waren Zeitlupenaufnahmen mit Qualcomms 600-Serie bisher in 1080p mit bis zu 120 FPS oder in 720p mit 240 FPS möglich. Hier kommt mit dem Snapdragon 675 ein neuer Modus für 720p mit 480 FPS hinzu. Die Aufnahme von 4K mit 60 FPS bleibt dem Flaggschiff Snapdragon 845 vorbehalten.

Eigenständige NPU erst im Snapdragon 8150

Die erweiterten KI-Fähigkeiten des Chips werden durch ein Zusammenspiel von CPU, GPU und DSP abgewickelt. Qualcomm spricht von der dritten Generation AI Engine, mit der jedoch anders als bei Apple oder Huawei noch keine eigenständige Neural Processing Unit für diese Aufgaben gemeint ist. Diese soll erst mit dem für Anfang Dezember erwarteten Snapdragon 8150 Einzug halten. In der aktuellen Variante ist das Feature „Style Transfer with AI“ für die Kamera neu. Ein Foto lässt sich darüber schnell mit Effekte versehen, sodass es im Anschluss etwa wie ein Aquarell aussieht.

Endgeräte mit Snapdragon 675 sollen im ersten Quartal 2019 auf den Markt kommen.

ComputerBase hat Informationen zu diesem Artikel von Qualcomm unter NDA erhalten. Die einzige Vorgabe war der Veröffentlichungszeitpunkt. Der Bereitstellung dieser Materialien war die Teilnahme an einer Presseveranstaltung Ende Oktober in Hongkong vorausgegangen. Die Kosten für An- und Abreise sowie Unterkunft wurden von Qualcomm getragen.