Kindle Paperwhite 2018 im Test: Mit Wasserschutz und Audible wieder vorne mit dabei

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Michael Schäfer 64 Kommentare

Geringe Quellenwahl immer noch größter Kritikpunkt

Da Amazon nach wie vor nicht nur als Verkäufer von E-Book-Readern auftritt, sondern vor allem die dazugehörigen Inhalte an den Nutzer bringen will, verwundert es nicht, dass der Online-Händler (von einer rudimentären und kaum erwähnenswerten PDF-Funktion einmal abgesehen) nur seine eigenen Bücherformate unterstützt. Die Zeiten, in denen Nutzer des weit verbreiteten freien Standards E-Pub hierbei das Nachsehen besaßen, sind jedoch schon lange vorbei.

Da immer mehr Händler und Verlage auf ein sogenanntes „weiches“ DRM-Verfahren setzen, lassen sich diese Bücher ohne Weiteres per Software in ein von Amazon unterstütztes Format wandeln. Dies funktioniert in der Praxis in den meisten Fällen sehr gut. Somit können Besitzer eines Kindle nicht selten das Beste beider Seiten für sich nutzen. Nur bei der Unterstützung des Verleihdienstes der öffentlichen Bibliotheken „Onleihe“ besitzen sie das Nachsehen.

Vielfältiges Quellenangebot

Amazon-Kunden verfügen zur Befüllung des Readers über vielfältige Möglichkeiten: Neben den selbst gekauften Büchern können ebenso Bücher über die Flatrate Kindle Unlimited bezogen werden, die sich jedoch nur für Vielleser eignet – auch wenn Inhalte der großen Verlage dort immer noch Mangelware sind. Bei Nutzung fallen Gebühren von rund 10 Euro pro Monat an. Prime-Mitglieder können zudem auf Prime Reading und die Kindle-Leihbücherei zurückgreifen, die jedoch über ein deutlich kleineres Sortiment verfügen.

Die Bibliotheksübersicht beim Kindle Paperwhite 2018
Die Bibliotheksübersicht beim Kindle Paperwhite 2018

Inhalte lassen sich dabei aus der jeweiligen Quelle einfach per Download in die eigene Bibliothek übertragen und anschließend in Sammlungen sortieren oder nach verschiedenen Vorgaben filtern. Darüber hinaus können Anwender sich in der neuen Software-Version 5.10.1.2 auf dem Homescreen eine Bücherauswahl auf Basis ihrer bisherigen Lesehistorie anzeigen lassen, was besonders bei größeren Büchersammlungen durchaus hilfreich sein kann.

Die Anzeige von „Fun Facts“ und zusätzlichen Tipps kann dagegen nur als kleines Schmankerl gesehen werden.

Hohe Lesequalität

Spätestens beim Lesen von Inhalten werden erneut die Stärken des Paperwhite deutlich. Auch wenn andere Hersteller mittlerweile in Sachen Darstellungsqualität sichtbar aufholen, stellt der Kindle in seinem Preissegment nach wie vor die Messlatte dar.

Dank der Kombination aus der eigenen Schrift Bookerly und dem sehr guten Schriftsatzsystem werden Texte in allen Schriftgrößen scharf dargestellt. Das von Amazon eingesetzte Kerning sorgt darüber hinaus für einen ruhigen und harmonischen Abstand zwischen den einzelnen Buchstaben.

Das Thema Ghosting spielt beim neuen Paperwhite im Grunde keine Rolle, selbst ohne Neuausrichtung aller Pixel bei jedem Seitenwechsel sind keine Überbleibsel vorangegangener Seiten erkennbar. Dieser erfolgt trotz der schon etwas älteren Hardware nach wie vor zügig.

Der neue Kindle Paperwhite stellt Texte sehr gut dar
Der neue Kindle Paperwhite stellt Texte sehr gut dar

Themen für schnellere Einstellungen

Dem Nutzer stehen beim neuen Paperwhite 9 verschiedene Schriftarten plus Verlagsschrift zur Verfügung. Zu diesen gehört auch die speziell für Menschen mit Leseschwäche konzipierte Schriftart OpenDyslexic. Alle Fonts lassen sich in 14 verschiedenen Größen anzeigen, darüber hinaus ist die Stärke des dargestellten Textes in fünf Abstufungen einstellbar.

In den Seiteneinstellungen können wie auch von anderen Readern gewohnt jeweils Zeilenabstand, Ränder, Ausrichtung des Textes sowie Darstellung in Hochkant- oder Querformat ausgewählt werden. Neu ist die bereits von PocketBook-Readern bekannte Möglichkeit, Leseeinstellungen als Profile zu speichern, die bei Amazon als „Themen“ bezeichnet werden. Mit „Kompakt“, „Standard“, „Groß“ und „Sehbehinderung“ sind bereits vier verschiedene Profile vorgespeichert.

Themen sorgen für Voreingestellte Leseeinstellungen
Themen sorgen für Voreingestellte Leseeinstellungen
Leseeinstellungen beim Paperwhite 2018
Leseeinstellungen beim Paperwhite 2018
Leseeinstellungen beim Paperwhite 2018
Leseeinstellungen beim Paperwhite 2018

Darüber hinaus bietet die Software natürlich auch weiterhin bekannte Funktionen wie X-Ray, Whispersync, Kindle Freetime sowie Vokabeltrainer und das Duden-Universalwörterbuch.

Hörbuchunterstützung hakt noch

Mit dem neuen Paperwhite ermöglicht es Amazon erstmals im mittleren Preissegment, Hörbücher des Tochterunternehmens Audible per Bluetooth-Verbindung auf entsprechende Ausgabegeräte zu übertragen. In den Grundzügen funktioniert das: Die Verbindung zu diversen Bluetooth-Lautsprechern wurde im Test schnell aufgebaut, mit dem Aufruf eines Hörbuches wird der Audible-Player geöffnet und die Wiedergabe gestartet. Beim Download der Dateien ist es jedoch nicht möglich, Einfluss auf die Audioqualität des Hörbuches zu nehmen, um mit einer geringeren Auflösung auf Wunsch Speicherplatz zu sparen. Hinzu kommt, dass die meisten Hörbücher in den meisten Fällen komplett heruntergeladen werden.

Die Software bietet die grundlegenden Abspielfunktionen: Per Schieberegler kann auf eine gewünschte Position im Hörbuch gesprungen werden, Gleiches gilt für die Auswahl des jeweiligen Kapitels. Ein Vor- bzw. Zurückspulen in Abständen von 30 Sekunden ist ebenfalls möglich. Darüber hinaus können Lesezeichen hinzugefügt und die Wiedergabegeschwindigkeit erhöht werden – die jedoch bereits bei einer Steigerung um das 1,5-Fache das Hörbuch nur noch schwer verständlich wiedergibt.

Eine Verbindung zu einem Bluetooth-Gerät ist schnell hergestellt
Eine Verbindung zu einem Bluetooth-Gerät ist schnell hergestellt
Aktuell werden noch keine Hörbuch-Cover angezeigt
Aktuell werden noch keine Hörbuch-Cover angezeigt
Audible Player beim Paperwhite 2018
Audible Player beim Paperwhite 2018

Es gibt aber Dinge, die noch nicht optimal gelöst sind: So werden in der Bibliotheksübersicht die einzelnen Hörbücher ohne Cover angezeigt, zudem ist ein paralleles Lesen von E-Books und Hören von Hörbüchern nicht möglich. Dies kann beim Erlernen von Fremdsprachen aber durchaus hilfreich sein.

Keine Einbindung separater Audible-Konten

Ebenfalls von Nachteil ist der Umstand, dass aktuell nur auf Hörbücher zugegriffen werden kann, die auch mit dem verwendeten Amazon-Konto gekauft wurden. Nutzer, die ein separates Audible-Konto zu ihrem Amazon-Zugang führen, können daher nicht auf diese Inhalte zugreifen. Dies wurde auf explizite Nachfrage seitens ComputerBase von Amazon bestätigt. Darüber, ob in Zukunft die Einbindung eines reinen Audible-Kontos möglich sein wird, gab Amazon keine Auskunft.

Fazit

Die Aufwertung des Paperwhite war lange überfällig, nach drei Jahren lief Amazon immer mehr Gefahr, dass der Abstand zu den Konkurrenten Tolino (Kobo) und PocketBook größer wird. Mit Wasserschutz nach IPX8 und Audible-Unterstützung per Bluetooth kann der Online-Händler in der Preisklasse jedoch wieder punkten. Der Audible-Support hinterlässt einen soliden Eindruck, auch wenn Amazon die Software ein wenig verbessern sollte: So ist ein paralleles Hören und Lesen bisher nicht möglich, Gleiches gilt für die Einbindung eines separaten Audible-Kontos. So bleiben früher gekaufte Audio-Books dem System eventuell fremd.

Kleine, aber feine Helferlein

Das System bietet Anwendern darüber hinaus einige kleine, aber durchaus sinnvolle Verbesserungen: So lassen sich nun Einstellungen als Profile speichern, um diese bei Bedarf schnell aufrufen zu können. Daneben bietet die Bücherauswahl auf dem Homescreen auf Wunsch Büchervorschläge anhand der bisher gelesenen Inhalte an.

Darstellung gewohnt gut

Die Darstellungsqualität des Paperwhite zeigt sich erneut auf einem sehr hohen Niveau, dank des unveränderten hochauflösenden Displays werden Texte scharf angezeigt, die nach wie vor unübertroffene Render-Engine sorgt für eine ruhige und gleichmäßige Darstellung. Über ein eventuelles Ghosting müssen sich Nutzer beim neuen Reader keine Gedanken machen, es trat im Test nicht auf. Die integrierte Beleuchtung bewegt sich ebenfalls auf dem Niveau des Vorgängers und leuchtet den E-Book-Reader auch dieses Mal wieder gleichmäßig aus.

Kindle Paperwhite 2018 im Test

Die Verdoppelung des Speichers auf nunmehr 8 GB ist auch der Hörbuchwiedergabe geschuldet. Wer oft Hörbücher über den Paperwhite hören wird, sollte aber zur größeren Version mit 32 GB greifen, denn nur wenige Hörbücher bestehen aus mehreren Dateien, womit der kleinere Speicher schnell zur Neige gehen kann – ein Erweitern per Speicherkarte ist auch dieses Mal nicht möglich.

Zum Preis von 119 Euro überzeugend

Das Konzept des neuen Paperwhite kann aufgehen, eine Konkurrenz ist je nach Sichtweise kaum vorhanden: Zwar wartet im PocketBook-Lager der Touch HD 3 mit Wasserschutz, Blaulichtfilter sowie einer generellen Audio-Unterstützung per Bluetooth und kabelgebundenem Kopfhörer auf, dieser spielt mit 159 Euro UVP jedoch in einer gänzlich anderen Preisklasse. Der direkte Konkurrent Shine 3 (Test) besitzt dagegen einen Blaufilter, dafür fehlt ihm der Wasserschutz – von der Hörbuchunterstützung ganz zu schweigen. PocketBook besitzt mit dem Aqua 2 (Test) einen wasserresistenten E-Book-Reader, der jedoch über eine geringere Auflösung verfügt. Damit müssen potenzielle Käufer entscheiden, welche Ausstattungsmerkmale ihnen wichtiger sind.

Somit bildet die Neuauflage des Paperwhite zu einem Startpreis von 119 Euro mit „Spezialangeboten“ (Anzeigen) ein stimmiges und vielversprechendes Gesamtpaket mit geringfügigen Schwächen, die Amazon aber per Software-Update leicht aus der Welt schaffen könnte. Aus den genannten Gründen kann sich der neue E-Book-Reader über eine uneingeschränkte Kaufempfehlung freuen.

Amazon Kindle Paperwhite (2018) (8 GB)
Produktgruppe E-Book-Reader, 13.11.2018
  • Darstellung
    ++
  • Bedienung
    +
  • Verarbeitung
    +
  • gute Darstellung
  • gutes Ghosting-Verhalten
  • gute Verarbeitung
  • Wasserschutz
  • Wiedergabe von Audible-Hörbüchern
  • keine Nutzung eines separaten Audible-Konto
  • Wiedergabe nur von Audible-Hörbüchern
ComputerBase-Empfehlung für Amazon Kindle Paperwhite (2018) (8 GB)

ComputerBase wurde der Kindle Paperwhite 2018 von Amazon leihweise zum Testen zur Verfügung gestellt. Eine Einflussnahme seitens des Herstellers auf den Testbericht fand nicht statt, eine Verpflichtung zur Veröffentlichung bestand nicht. Es gab kein NDA.

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