Nvidia-Quartalszahlen: Ende des Mining-Booms unterschätzt, Aktie stürzt ab

Volker Rißka 200 Kommentare
Nvidia-Quartalszahlen: Ende des Mining-Booms unterschätzt, Aktie stürzt ab

Unterm Strich war es mit 21 Prozent mehr Umsatz als im Vorjahr ein gutes Quartal für Nvidia. Doch eine starke Erhöhung des Lagerbestands durch das unterschätzte Ende des Mining-Booms sowie schlechte Aussichten hat Anleger an der Börse beunruhigt. Die Aktie verlor um bis zu 18 Prozent.

Nvidia gehörte wie AMD zu den Unternehmen, die die Auswirkungen des Minings auf ihr Geschäft stetig klein geredet haben, obwohl daran schnell Zweifel aufkamen und der Anteil an den Verkäufen, die daraus resultierten, deutlich größer gewesen sein wird. Bei AMD hatte sich dies aufgrund der geringeren Marktpräsenz nur geringfügig negativ auf die Umsatzzahlen ausgewirkt, bei Nvidia ist der Effekt jedoch größer.

Die Lager sind noch voll mit Pascal

Laut Nvidia ist das auf mehrere Faktoren zurückzuführen, die das Unternehmen falsch eingeschätzt hat. Die Produktion lief bis zuletzt auf Hochtouren, das Mining-Ende kam abrupt. Doch während die Produktion weiterlief, sanken die Preise im Handel nicht so stark wie erhofft, die Kunden kauften nach wie vor wenige der überteuerten Mittelklasse-Grafikkarten. Erst nach und nach ist Normalisierung eingetreten, zu diesem Zeitpunkt waren die Lager aber schon voll.

Die Produktion wurde zwar eingeschränkt, um jedoch die Preise nicht ins Bodenlose stürzen zu lassen, will Nvidia den Markt nicht überschwemmen und schränkt die Auslieferungen ein – und nimmt dafür einmalige Abschreibungen von 57 Millionen US-Dollar in Kauf, wie Nvidias Chef auch auf wiederholte Nachfrage im Conference Call zu den Quartalszahlen erklärte.

Ferner gab Huang zu Protokoll, dass Pascal in der Mittelklasse vorerst auch keine Konkurrenz durch einen Nachfolger erhalten wird, damit Händler die aktuellen Bestände noch problemlos verkaufen können.

I think this is surely a setback and I wish we had seen it earlier. I can't exactly sure of what we would've done differently. Between the unexpected and unanticipated slow decline of pricing in the channel and even after the prices came down it took a little longer than we expected for volume to kick up. And the other brands' inventory in the marketplace -- those factors kind of compounded and made it a lot worse than we expected.

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1060 is the number one selling graphics card in the world. And we decided not to sell anymore into the channel for the upcoming quarter to give the channel an opportunity to sell through the inventory it has.

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No, we're really not shipping into the midrange segment of Pascal so that we give the channel an opportunity to sell through the product at house. And we would like to see channel inventory get normalized by the end of Q4. And then get back to doing our work.

Jensen Huang, CEO, Nvidia

Umsatzplus in allen Bereichen

Ungeachtet der Probleme beim Absatz von Grafikkarten in der Mittelklasse geht es Nvidia weiterhin wirtschaftlich sehr gut. In der GeForce-Sparte wurde 13 Prozent mehr Umsatz gemacht als im Vorjahr, 1,764 Milliarden US-Dollar des Gesamtumsatzes von 3,181 Milliarden US-Dollar entfallen auf die Gaming-Produkte. Der Datacenter-Bereich legte um 58 Prozent auf nunmehr 792 Millionen US-Dollar Umsatz zu. Der Nettogewinn beträgt mehr als 1,2 Milliarden US-Dollar.

Schlechtere Aussichten für das 4. Quartal

Doch die Börse war an den Zahlen der Vergangenheit nicht interessiert. Der Ausblick mit nur noch 2,7 Milliarden US-Dollar Umsatz für das aktuelle Quartal enttäuscht, denn er liegt nicht nur unter dem dritten Quartal, sondern auch unter dem Vorjahreswert. Börsianer hatten vorab mit bis zu 3,4 Milliarden US-Dollar Umsatz gerechnet.